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Gastrokritiker geben ihren S.E.N.F dazu

erstellt am 19.03.2010 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 18:38 Uhr | x gelesen
Nürnberg/Schwabach (HK) Bei der Lektüre dieses Buches läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Auf über 200 Seiten gibt der neue Gastronomieführer S.E.N.F. einen Überblick über die besten 100 Restaurants, Cafés, Kneipen und Bars im Ballungsraum Nürnberg.
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Sie wollen mit ihrem Gastronomieführer für die Städte Schwabach, Erlangen, Nürnberg und Fürth Appetit auf eine Entdeckungstour in Kneipen und Gastwirtschaften machen: Boris Braun, Ursula Drechsel und Sabine Bittner (von links). - Foto: Meyer
Die Anfangsbuchstaben der Städte haben dem Führer übrigens seinen Namen gegeben: S.E.N.F. Mit Ursula Drechsel und Boris Braun haben sich zwei Feinschmecker auf den Weg gemacht, um sich ein Jahr lang quer durch die Gastronomie im Großraum Schwabach, Nürnberg, Fürth und Erlangen zu schlemmen. "Zwei Mal die Woche waren wir unterwegs", erzählt Ursula Drechsel. "Am Schluss war das harte Arbeit, das war nicht mehr lustig."

Dabei hatten die beiden bereits eine starke Vorauswahl unter den insgesamt 3000 Kneipen und Restaurants im Großraum getroffen. In die engere Auswahl wurden die 500 gezogen, die Drechsel und Braun entweder von früheren Besuchen oder vom Namen her bekannt waren. Dann zogen sie die Feinschmecker, Restaurantkritiker und Barleute in ihrem Bekanntenkreis hinzu, um auszusieben. Übrig blieben 120 Gaststätten, denen sie einen Besuch abstatteten.

Ranzenspannerportionen

Für die Sekretärin Ursula Drechsel hatte das einen nützlichen Nebeneffekt. Sie hatte nun genug Adressen an der Hand, wo sie "guten Gewissens" Gäste und Geschäftspartner ihrer Firma schicken konnte.

Auch wenn sich für Insider vielleicht nicht allzu viele Überraschungen auftun, finden sich im Buch doch einige Juwelen. Eines davon ist laut Braun der Gasthof Schwarzes Kreuz in Fürth, dort kocht Marco Neubauer, bekannt aus dem Schindlerhof.

Da wird beispielsweise ein Duett von Thun- und Schwertfisch und Trüffelmozzarella mit gebratenen Steinpilzen serviert. Ein ungewöhnliches Angebot, so Boris Braun, "sind die Ranzenspannerportionen für Leute mit einer Allergie gegen übersichtliche Gourmetteller".

Völlig aus dem Rahmen fällt Bela Lugosi in der Nürnberger Südstadt. "Diese Absackerkneipe ist eher etwas für Hartgesottene", sagt Braun schmunzelnd. Aber auch sie habe, wie alle anderen Lokalitäten in dem Buch, ihren Reiz. Und der besteht darin, dass "man hier alle möglichen Menschen trifft, nur keine normalen". Und nach längerer Anwesenheit, so die Autoren, "stellt sich ein Gefühl schräger Behaglichkeit ein".

Eine ungewöhnliche Gaststätte ist auch die Kofferfabrik in Fürth, ein Kulturkleinod, in dem es vier offene Bühnen mit Jazz, Poetry Slam, Klassik und Rock gibt. "Die Kofferfabrik hat den Charme von Subkultur ohne den Dreck und Unrat, den man von diesen Läden kennt", stellt Boris Braun fest.

Orientexpress

Einer der Favoriten von Ursula Drechsel ist das Orient-Restaurant "Der Express" in Gostenhof. Der ehemalige Bahnangestellte Ali Zibi hat seinen Gastraum bis ins das kleinste Detail liebevolle in ein Abteil des Orientexpress’ verwandelt. Und auch das Essen hat es in sich. "Alles mundet köstlich", so Drechsel. In dem Buch, das die Rother Grafikdesignerin Sabine Bittner gestaltet hat, bekommt jede Lokalität eine Doppelseite. Eine Seite ist mit Symbolen versehen, "da kann man sich einen schnellen Überblick über Angebot und Preise verschaffen", so Bittner.

Eine Besonderheit ist die farbliche Gestaltung, Schwabach ist goldfarben (Goldschlägerstadt), Erlangen blau, Nürnberg rot und Fürth grün, was die Städtefarben symbolisiert.

Die Lokalinhaber wurden im Übrigen von den Besuchen überrascht, die beiden Restaurantkritiker outeten sich erst eine Woche später, um noch ein Interview zu führen. Die Reaktionen waren recht unterschiedlich und reichten von Ungläubigkeit über Freude bis hin zu Ablehnung. "Viele konnten nicht glauben, dass es für sie kostenlos ist", sagt Braun. Den beiden war es aber wichtig, finanziell unabhängig über die Auswahl zu entscheiden. "Sonst wäre wieder eine Broschüre mit den üblichen Verdächtigen entstanden", so Drechsel.

Über eine Homepage (www.genussforschung.de), die bald entstehen soll, kann man sich über eventuelle Neuerungen auf dem Laufenden halten. Und eine Neuauflage ist auch nicht ausgeschlossen. "Gastronomie in S.E.N.F." ist im Buchhandel erhältlich und kann auch direkt bei den Autoren versandkostenfrei zum Preis von 9.90 Euro unter bestellung@brauereiatlas.de geordert werden.

Von Monika Meyer
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