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Rother Gynäkologin Sabine Räker-Oese will mit emotionalem Buchbeitrag aufrütteln

"Frauen haben ein Wahlrecht!"

Roth
erstellt am 25.05.2018 um 19:31 Uhr
aktualisiert am 31.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Roth (mmr) Unter dem Titel "STIMMT!
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Präsentiert stolz ihren Buchbeitrag: Dr. Sabine Räker-Oese.
Präsentiert stolz ihren Buchbeitrag: Dr. Sabine Räker-Oese.
Foto: Meyer
Roth
100 Jahre Frauenwahlrecht" ist ein Buch erschienen, das einen zeitlichen Bogen über die Geschichte der Frauen im 20. Jahrhundert spannt - bis hin zur aktuellen #metoo-Debatte. In dem Sammelband kommen schillernde Persönlichkeiten genauso zu Wort wie Heldinnen des Alltags, Businesspeople und Expertinnen. Eine von ihnen ist die Rother Gynäkologin Dr. Sabine Räker-Oese (50), Spezialistin für naturidentische Hormontherapie, eine Methode, um gerade in den Wechseljahren fehlende Hormone auszugleichen. Die Ärztin hat einen sehr persönlichen Beitrag aus der Sicht der Medizin beigesteuert.

Frau Räker-Oese, das war Ihre Premiere als Co-Buchautorin, wie kam es dazu?

Sabine Räker-Oese: Der Anruf der Herausgeberin und Verlegerin Eva Maria Popp hat mich zunächst überrascht. Den Kontakt hatte die mit mir befreundete Sexualtherapeutin und Co-Autorin des Buches, Anil Kroll, geknüpft. Schnell stellte sich heraus, dass die Idee des Buches eng verknüpft ist mit der im vergangenen Jahrhundert rasanten Entwicklung des weiblichen Selbstwertgefühls, auch im medizinischen Bereich. Ein Rezept für ein passendes Pillenpräparat oder für die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden genügen der modernen, selbstbewussten Frau schon lange nicht mehr.

Was erwarten die Frauen von heute denn?

Räker-Oese: Sie wünschen sich eine Vertrauensperson, die nicht mit erhobenem Zeigefinger agiert. Frauen haben ein neues Selbstverständnis erlangt, dies liefert hoffentlich auch den Zündstoff für weitreichende Veränderungen. In meiner Frauenarztpraxis bedeutet das ganz konkret, dass es nicht nur um das unmittelbare Behandeln von Krankheiten alleine geht, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung von Körper, Geist und Seele. Ich möchte auch mehr Raum dafür schaffen, Frauen in Fragen der Sexualmedizin sowie bei Sexualstörungen zu begleiten.

Kann Kassenmedizin das leisten?

Räker-Oese: Es gibt eine Diskrepanz für Ärzte im kassenärztlichen Kontext in Bezug auf Frauen, die sich das wünschen und einfordern. Zwei-Klassen-Medizin heißt für mich deshalb nicht ausschließlich Versichertenstatus, sondern auch, dass Frauen sich informieren und sich einen kompetenten Begleiter suchen, der ganzheitlich denkt. Auch wenn das nicht immer eine Kassenleistung ist.

Wie haben Sie sich selbst in diesem Medizinbetrieb emanzipiert - als Andersdenkende und als Frau?

Räker-Oese: Als Frau musste und muss ich mehr leisten, um ernst genommen zu werden. In der medizinischen Fachwelt hat es ein Mann sehr viel leichter, sich zu positionieren. Ich gebe zu, dass es eine Befreiung war, diesen Buchbeitrag zu schreiben, denn in der Medizin möchte ich gerne visionär und revolutionär sein.

Ihr Lebensweg spiegelt das ja gewissermaßen wider. . .

Räker-Oese: Stimmt. Ich stamme aus Leipzig und durfte im damaligen System nicht studieren. Fünf Jahre lang arbeitete ich zunächst als OP-Schwester und habe erst nach der Wende mein Abitur nachgeholt. Mit 26 Jahren nahm ich mein Medizinstudium in Erlangen auf. Bewerbungsgespräche zum Arzt im Praktikum erlebte ich dramatisch. Der Satz eines Chefarztes lautete: "Wenn Sie Ihre Gebärmutter im Glas mitbringen, bekommen Sie die Stelle. " Das ist nicht nur frauenfeindlich, sondern auch noch menschenverachtend. Die Konsequenz daraus war für mich, meinen eigenen Weg zu finden und zu gehen. Nicht nur als Mensch, sondern auch als Frau.

Gilt das auch in Ihrer Praxis in Roth?

Räker-Oese: Ja, ich will aufrütteln und mich nicht von Kassenärztlicher Vereinigung, Politik und Gesellschaft einengen lassen. Die Frau soll Mensch sein dürfen und nicht nur eine Patientin mit Symptomen. Ich glaube auch an deren Intuition und Eigenbestimmung, das heißt: Die Frauen haben ein Wahlrecht! Wenn sie sich für eine ganzheitliche Therapie unter kompetenter fachlicher Begleitung entscheiden, ist das Tor geöffnet für einen Prozess, an dessen Ende mehr Lebensqualität, Kraft und Spaß stehen können. All das und viel mehr habe ich in meinem Buchbeitrag beschrieben.

Die Fragen stellte Monika Meyer.
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