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Eine Sammlung mit internationaler Bedeutung

Ein weites Forschungsfeld

erstellt am 11.09.2018 um 17:07 Uhr
aktualisiert am 14.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Dem Eichstätter Jura-Museum droht zum Jahresende bekanntlich die Schließung. Im zweiten Teil unserer Reihe "Was verloren ginge" richten wir den Fokus auf die wissenschaftliche Arbeit.
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Der Juravenator,  ein veritabler ?Jahrhundertfund? der Schamhauptener Grabung 1998, gilt nicht nur als ein Highlight der Ausstellung, sondern er bringt den Forschern dank modernster Technik und Betrachtung unter dem UV-Licht neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Arten: Er ist einer von 73 Holotypen, die derzeit im Jura-Museum bearbeitet werden.
Der Juravenator, ein veritabler "Jahrhundertfund" der Schamhauptener Grabung 1998, gilt nicht nur als ein Highlight der Ausstellung, sondern er bringt den Forschern dank modernster Technik und Betrachtung unter dem UV-Licht neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Arten: Er ist einer von 73 Holotypen, die derzeit im Jura-Museum bearbeitet werden.
Quelle Archaeopteryx-Band/Juramuseum, Chloupek, Eva, Eichstaett
Die weltweit größte öffentliche Sammlung von Fossilien des jurazeitlichen Solnhofener Archipels ist die Basis des Eichstätter Jura-Museums. Sie bietet Forschern aus aller Welt ein breites Betätigungsfeld, um Erkenntnisse zu Evolutionsgeschichte zu vertiefen und neue Aspekte von der Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde zu entdecken. Dem Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg droht bekanntlich die Schließung, weil das Bischöfliche Priesterseminar zum Jahresende die Trägerschaft abgibt. Während hinter den Kulissen auf politischen Ebenen über neue Trägermöglichkeiten verhandelt wird, sei in diesem zweiten Teil unserer Reihe "Was verloren ginge" nach der publikumswirksamen Ausstellung nun mit einem Blick ins Archiv und mit Informationen der Museumsdirektorin Dr. Martina Kölbl-Ebert das wissenschaftliche Themenfeld des Jura-Museums beleuchtet.

Die internationale Bedeutung der Sammlung zeigt sich auch darin, dass das Jura-Museum immer wieder Gastgeber für internationale Fachtagungen ist. Die naturkundlichen Sammlungen des Priesterseminars, die ursprünglich für die naturwissenschaftliche Ausbildung von Theologiestudenten angelegt wurden (siehe eigenen Beitrag), sind mit insgesamt rund 100000 Objekten sehr umfangreich. Und sie sollen, das hat das Seminar bereits zugesagt, weiterhin für Wissenschaft und Forschung genutzt werden können. Das gilt vor allem für die rund 20000 Fossilien der bayerischen Plattenkalkvorkommen mit einzigartigen Objekten, die sonst nirgendwo studiert werden können. Allen voran eines der seltenen Exemplare des berühmten Urvogels Archaeopteryx und der zweite große "Star" des Museums: "Juravenator starki", 1998 in Schamhaupten entdeckt, gilt Saurierexperten in aller Welt als veritabler "Jahrhundertfund": Dieser kleine Raubsaurier aus dem Oberen Jura (157 bis 152 Millionen Jahre) wurde 2009 zum "Fossil des Jahres" gekürt - er ist das einzige Exemplar seiner Art. Er ist allerdings nicht der einzige Holotyp im Besitz des Collegiums Willibaldinum: Insgesamt gibt es derzeit 73 solcher Erstbeschreibungen neuer Arten.

Auch die Fischfossilien aus den Ettlinger Forschungsgrabungen bergen seit 2007 immer wieder neue und überraschende Variationen des urzeitlichen Lebens. Weitere Typen stehen derzeit kurz vor der Publikation. Die meisten der Exemplare, nämlich knapp 80 Prozent wurde nach der Museumsgründung 1976 beschrieben. Das Jura-Museum erweitert die Sammlungen aktiv durch gelegentliche Ankäufe und vor allem eben durch eigene Forschungsgrabungen wie Schamhaupten (1988 bis 1998) und Ettling, wo sich seit 2007 eine unfassbar großer Reichtum an bestens erhaltenen Fischfossilien zeigt.
Ein wahrer Schatz  für die Wissenschaft sind  die Fischfossilien, die  seit 2007 in der Forschungsgrabung in Ettling zu Tage treten und die unter anderem von  von Martin Kölbl und Martina- Kölbl-Ebert (linkes Bild) in den Sammlungen  bewahrt und bearbeitet werden. Diese Arbeit nutzen auch  Gastwissenschaftler wie  Qiu Rui  vom Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology  Peking (rechts). EK-Archiv/Jura-Museum
Ein wahrer Schatz für die Wissenschaft sind die Fischfossilien, die seit 2007 in der Forschungsgrabung in Ettling zu Tage treten und die unter anderem von von Martin Kölbl und Martina- Kölbl-Ebert (linkes Bild) in den Sammlungen bewahrt und bearbeitet werden. Diese Arbeit nutzen auch Gastwissenschaftler wie Qiu Rui vom Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology Peking (rechts). EK-Archiv/Jura-Museum
Chloupek, Eva, Eichstaett



Dabei handelt es sich großenteils um frühe Vertreter der Knochenfische, die in der Zeit des Oberen Jura begonnen haben, ihre heutige Vielfalt zu entwickeln. Fischspezialisten, die die Sammlung des Jura-Museums regelmäßig besuchen, erhalten neue Erkenntnisse über die frühe Entwicklungsgeschichte der modernen Strahlenflosser, die in Ettling mit einer außerordentlichen Diversität vorkommen. Die besondere Detailliertheit dieserVersteinerungen lässt auch neue biomechanische und paläobiologische Fragestellungen zu. Für all diese Forschungsarbeiten ist die Grabung Ettling (Gemeinde Pförring) ein einzigartiges Fenster in die Erdgeschichte.

In dem Maße, wie sich Forschung im Laufe der Zeit durch neue Methoden und Fragestellungen wandelt, müssen auch Sammlungen auf diese Veränderungen reagieren, ihr Material in digitalen Datenbanken darstellen und untereinander vernetzen. 2013/2014 war die Sammlung des Jura-Museums Teil eines DFG-geförderten Projektes Integriertes Datenmanagement für die digitale Erschließung zoologischer und paläontologischer Sammlungsbestände. Im Rahmen des Vorhabens wurden Objekte der Fischgruppe Actinopterygii aus Europa und angrenzender Meere ab dem Erdzeitalter der Trias erschlossen, weil diese die zurzeit am intensivsten beforschte Gruppe der Fische ist und gleichzeitig den Schwerpunkt der Sammlungsbestände bildet: 6307 fossile Fische wurden vollständig erfasst und insgesamt 24607 Bilder an die zentrale Datenbank in München weitergeleitet.

Zur Pflege und Entwicklung der Sammlung steht ein festangestellter geowissenschaftlicher Präparator zur Verfügung, während die Sammlungsverwaltung im Wesentlichen ehrenamtliche Kräfte leisten. Damit die Sammlung für Wissenschaftler auch in Zukunft zugänglich bleibt, müssten also nicht nur angemessene Lager- und Arbeitsräume, sondern auch eine kompetente personelle Betreuung, Erfassung und wissenschaftliche Erschließung gewährleistet bleiben.
 
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