Dienstag, 20. November 2018
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Interview mit dem Lithografen Rudolf Broulim über seine Werkstatt und Li Portenlänger

"Bastion klassischer Lithografie"

Eichstätt
erstellt am 08.01.2013 um 18:53 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:00 Uhr | x gelesen
Eichstätt (mkh) Die Städtische Lithografie-Werkstatt stellte heuer den zehnten Jahresdruck vor. Zum Jubiläum sprach unser Mitarbeiter Michael Kleinherne mit Rudolf Broulim, einem der anerkanntesten Lithografen weltweit. Werkstattleiterin Li Portenlänger hat einst bei dem damaligen Leiter der Lithografie-Abteilung der Kunstakademie in Brüssel studiert.
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Eichstätt: "Bastion klassischer Lithografie"
Rudolf Broulim in seiner Lithografie-Werkstatt in Antwerpen - Foto: Broulim
Eichstätt

Herr Broulim, Li Portenlänger hat bei Ihnen die verfeinerten Lithografie-Techniken gelernt. War sie eine gute Studentin?

Broulim: Ich traf Li Portenlänger 2001 das erste Mal. Sie kam in jenem Jahr als bereits ausgebildete Künstlerin an die Akademie für Bildende Künste R.Ho.K. nach Brüssel, um einen Kurs Lithografie für Fortgeschrittene in einer Druckwerkstatt zu besuchen. Sie kam über einen Kollegen, den Künstler Angelo Evelyn, an unsere Schule. Und es war mir sehr schnell klar, dass sie sehr interessiert war an dieser speziellen künstlerischen Technik. Es war mir ein Vergnügen, ihr meine Erfahrungen und Ratschläge weiterzugeben. Sie kam zwischen 2001 und 2008 immer wieder für kurze, aber intensive Studienaufenthalte hierher und war eine der besten Studentinnen, die ich je unterrichtet habe. Und ich glaube, dass die Lithografie für sie das perfekte künstlerische Ausdrucksmittel ist.

 

Welchen Stellenwert besitzt die Eichstätter Lithografie-Werkstatt in der internationalen Lithografie-Szene?

Broulim: Die Lithografie-Werkstatt Eichstätt entwickelte sich im Laufe der Jahre dank ihres besonderen Charakters zu einer der bedeutendsten Werkstätten im internationalen Vergleich. Die Lithografie steht dort natürlich im Zentrum künstlerischer Aktivitäten. Man gibt mittels eines Gastaufenthaltes einem Künstler dort die Gelegenheit, diese schöne Technik auszuüben unter professionellen Bedingungen, und beschließt diesen Aufenthalt dann jeweils mit einer Ausstellung. Aber manchmal ist es noch mehr als das und wird in Kombination mit Aufführungen, Filmen zu einem umfassenden kulturellen Ereignis. Li hat in erfolgreicher Weise sowohl bekannte als auch weniger bekannte Künstler für Kooperationen gewinnen können. Und es ist mittlerweile eine beeindruckende Liste von deutschen und internationalen Teilnehmern daraus geworden: Wolfgang Schmitz, Walter Dohmen, Ingrid Ledent, Miklos Axmann und viele mehr. Unsere Akademie und die Stadt Brüssel waren für Li wegen des internationalen Charakters eine wichtige Quelle für Kontakte mit Künstlern, die sie in die Werkstatt einladen konnte.

 

Sie waren bereits mehrfach in Eichstätt. Zu welchen Anlässen?

Broulim: Als Lithograf und Lehrer der Technik des Steindruckes war es schon immer mein großer Wunsch gewesen, die Gegend um Solnhofen zu besuchen, woher die Lithografie-Steine kommen. Vor Jahren, auf dem Weg nach Prag, kamen wir an Eichstätt vorbei und wurden von Li durch die Steinbrüche geführt: eine großartige Erfahrung. Ich kehrte mehrmals hierher zurück, um einige meiner früheren Studenten während ihrer Werkstatt-Aufenthalte zu unterstützen, etwa Hans Van Dijck oder Cyril Bihain, und es wird auch in der Zukunft so sein. Ich bewundere Lis Enthusiasmus und ihren starken Willen, weiterzumachen, was die Kontinuität der Arbeit in der Lithografie-Werkstatt Eichstätt garantiert. Diese ist ein Ort, welcher einen Ruf errungen hat als sympathische Bastion klassischer Lithografie. Ich wünsche der Werkstatt und deren Leiterin auch bei zukünftigen Projekten kreative Ideen und viel Erfolg.

 

Von Michael Kleinherne
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