Dienstag, 17. Juli 2018
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Kabarettist Andreas Rebers kennt keine Gnade mit seinem Nachwuchs ? Volles Haus in der Rother Kulturfabrik

"Das Kind kriegt eine Dachlatte über den Kopf"

Roth
erstellt am 16.04.2018 um 18:41 Uhr
aktualisiert am 20.04.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Roth (tis) Vor ein paar Jahren ist Kabarettist Andreas Rebers schon einmal zu Gast in der Kulturfabrik gewesen - mit Akkordeon, Keyboard sowie jeder Menge Sarkasmus und Ironie.
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Hält nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg: Der Kabarettist Andreas Rebers bei seinem Auftritt in der Kulturfabrik.
Hält nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg: Der Kabarettist Andreas Rebers bei seinem Auftritt in der Kulturfabrik.
Foto: Tschapka
Roth
Damals waren die Publikumsreihen noch überschaubar gefüllt. Nicht so am vergangenen Freitag, als er mit seinem Programm "Amen" erneut Station in der Kufa machte. Da wurde es ordentlich voll im Saal.

Viele TV-Auftritte, aber vor allem auch die Aktualität seiner Themen dürften daran nicht unbeteiligt sein. Denn die Auswüchse von Religion, die Zunahme von populistischen und rechtsextremen Thesen und nicht zuletzt der hemmungslose Turbokapitalismus bestimmen "da draußen" immer mehr die Schlagzeilen.

Kurz gesagt, die Welt wird immer verrückter, und Rebers hat auch keine Lösung für all den Irrsinn, aber er verspricht immerhin "Er-lösung". Denn der religiöse Führer der "schlesischen Glaubensgemeinschaft der Bitocken" hielt einen "Wortgottesdienst" der besonderen Art für seine Schäfchen, der sich doch deutlich von anderen Religionen abgrenze. Von der christlichen Kirche, deren Spitzenprodukt die Schuld und die damit verbundenen Schuldgefühle seien, aber auch vom Islam und dessen politisch-radikalen Auswüchsen, deren Ursachen nicht etwa bei uns "hausgemacht" seien, wie in manchen Talkshows behauptet werde, sondern für den sich jeder individuell entscheiden könne. Er halte es da eher mit Atatürk, dem Begründer der türkischen Republik, der gesagt hatte: "Jeder soll beten wie er mag - so lange er dabei den Nachbarn nicht stört. " In der heutigen Türkei sehe es heute allerdings ganz anders aus. Dort herrscht inzwischen "Erdolf aus Ankara", der das Rad der Zeit zurückdrehe.

In Berlin herrsche hingegen nach wie vor die "gut geknöpfte" Kanzlerin Frau Doktor Merkel, die an ihrer eigenen Mumifizierung im Kanzleramt arbeite. Für sie spielte Rebers auf seinem mit dem Bild eines röhrenden Hirschen geschmückten Keyboard das Stück "Die Sphinx aus Berlin".

Auch ihre gesamte Neuauflage der GroKo kommt bei Rebers nicht gut weg. "Es war nix, es ist nix, es wird nix, warum. Weil es muss nicht. " Schließlich sei es den herrschenden Wirtschaftseliten herzlich schnuppe, wer unter ihnen regiere.

Aber wie soll auch etwas besser werden, wenn der Nachwuchs schön dumm gehalten wird. "Früher hatten wir ein dickes Kind pro Klasse. Das war meistens das Kind eines Firmenchefs, der genauso dick war. Das Proletariat war schlank. Jetzt ist es anders herum. Diese Verfettung ist politisch gewollt", ist Revers überzeugt. Natürlich gibt es auch andere Beispiele, wie die Kinder, die den ganzen Tag via Drohnen von ihren Helikopter-Eltern überwacht würden. Bei ihm zu Hause würden jedenfalls andere Sitten gelten. "Da kriegt der Nachwuchs morgens erst mal eine Dachlatte über den Kopf gezogen, dann fallen die Ohrenstöpsel raus, und das Kind ist ansprechbar. "

Über diese Erziehungsmethoden könne seine Nachbarin, die allein erziehende, geschiedene Frau Hammer ("geborene Sichel"), nur entsetzt den Kopf schütteln. Genauso wie auch Rebers über diese Frau, die ihm mit ihrer militanten veganen, umweltfreundlichen, fahrradfahrenden Lebensweise ordentlich auf den Zeiger geht. "Schließlich steht schon in der Bibel: Machet euch die Welt untertan. Von wieder heile machen steht da nix geschrieben. " Vielmehr stehe dort, wer an allem schuld sei: nämlich die Frau.

Mit all diesen geschickt platzierten politisch unkorrekten Zumutungen und Wortspielen provozierte Revers sein Publikum über zwei Stunden lang, und am Ende war es nicht leicht zu erkennen, wo er denn politisch stehen würde. Das hätte auch seine kritische Nachbarin Frau Sichel interessiert, die ihn einmal aufgefordert hatte, sich als Kabarettist eindeutig zu positionieren. Zum Beispiel zum Krieg in Syrien.

"Das habe ich dann auch getan: Bei einem Auftritt bekam ich viel Applaus, als ich alle Beteiligten des Nahost-Konflikts aufgefordert habe, sich zusammenzusetzen und friedlich eine Lösung zu finden. " Später sei ihm zu Ohren gekommen, dass am selben Abend Putin Assad angerufen haben soll: "Baschar, wir haben ein Problem: Das deutsche Kabarett macht Druck. " Wenn es doch so einfach wäre?.
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