Mittwoch, 26. September 2018
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Premiere des Hopfenpflückerfestivals in Pyras

Schiebende Polka und wirbelnder Gypsiesound

Pyras
erstellt am 16.09.2018 um 14:36 Uhr
aktualisiert am 20.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Volksmusik ist uncool. Zumindest, wenn man dabei an schunkelnde Omas im Musikantenstadl denkt. Doch das ist spätestens dann vorbei, wenn man Tradition und Moderne verbindet. So geschehen am Samstag bei der Premiere des Hopfenpflückerfestivals in Pyras. Hier haben acht Musikgruppen vor rund 2000 gut gelaunten Besuchern aufgespielt.
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Django 3000 lieferte eine schweißtreibende Show ab und bekam dafür von den gut 2000 Gästen viel Applaus.
Bleisteiner
Pyras
Der Heimatsound kommt an. Alle wollen hören, wenn Blasmusik auf Rap trifft, Polka mit einer Prise Balkan gewürzt wird und Wirtshausmusik sich mit Pop und HipHop vermischt. Für diese bunte Kombination sorgen Moop Mama aus München, Django 3000 vom Chiemsee, DeSchoWieda aus Erding, Pam Pam Ida aus dem Altmühltal, Kellerkommando aus Bamberg - und nicht zuletzt die Lokalmatadoren: Die Fexer aus Berngau sowie die Hundsgrübbl und Hip da Banda aus Hilpoltstein.

Letzteren wird die Ehre zuteil, das Festival am frühen Nachmittag zu eröffnen. Die jungen Musikanten in Lederhosen bieten mit Trompeten, Posaunen, Waldhorn, Tuba und Schlagzeug ein breites Repertoire und einen abwechslungsreichen Sound. "Ich bin baff, das zu diesem Zeitpunkt schon so viele Leute in der Halle sind", sagt Wolfgang Eitel, der Kopf von Hip da Banda. Das ist emotional schon ergreifend, denn die Zuschauer - viele davon in Lederhosen und Dirndl - fordern sogar Zugaben. Die geben Hip da Banda nach ihrem letzten Stück, den Big-Band-Klassiker "Sing, sing, sing" später im sonnigen Biergarten, wo sie abwechselnd mit den Hundsgrübbln und Die Fexer während der Umbauphasen zwischen den einzelnen Acts unterhalten.

Zwischen Pop und moderner Wirtshausmusik bewegen sich Pam Pam Ida, die als nächstes an der Reihe sind. Die sechs jungen Männer um Frontmann Andreas Eckert stehen mit Sakko, Hemd, Hosenträgern, Krawatten, Fliege und Schnauzbart rein optisch gesehen etwas bieder auf der Bühne, doch alles andere als altmodisch ist die Musik. Die Texte von Pam Pam Ida sind klug, witzig bis hin zu deppert und irgendwie auch poetisch. Zu hören sind Blasinstrumente in allen Variationen: Tuba, Posaune, Trompete, alles da. Es gibt aber auch klassische Klavierakkorde, die Frontmann Andreas Eckert am Keyboard einstreut.

Mit Spaß, Dynamik und einer großen Leichtigkeit pfeifen, singen, blasen, zupfen und quetschen sich DeSchoWieda anschließend durch ihren Auftritt. Und das Gesamtpaket stimmt. Die jungen Burschen wissen mit verrückten Coverversionen wie "Nimma" (Pitbulls "Timber) ebenso zu überzeugen, wie mit eigenen Liedern.In ihren Stücken erzählen sie authentische Geschichten "made in bavaria". Dazu gesellt sich ein Sammelsurium an Instrumenten: Kontrabass, Geige, Ukulele, Bariton, Flügelhorn und Mundharmonika sowie Schlagwerk und nicht zuletzt Tuba und Steirische. Da schiebt die Polka nach vorn, der Gypsiesound wirbelt übers Parkett und der bayerische Reggae lädt zum Chillen ein.
Doch gechillt wird nicht lange, denn dann übernimmt das Kellerkommando das Ruder mit traditionellem fränkischen Liedgut und Kerwaliedern, die durch Rap und urbane Beats eine ganz eigensinnige Note bekommen. Man könnte meinen, das hier Welten aufeinander prallen, aber irgendwie funktioniert die Kombination. Schnelle Songs wie "Mei Nachbar" oder "Maus" bringen Bewegung in die Hüften derer, die bisher noch steif vor der Bühne stehen.

Nach mehreren Stunden Party am Stück wollen viele Festivalgänger eine Pause nutzen, um sich an den Essensständen eine Stärkung zu holen. Doch da ist Ausdauer gefragt, denn dem großen Ansturm sind viele Anbieter nicht gewachsen - manch einer steht gut eine Stunde an, ehe er in den Genuss einer Bratwurstsemmel oder frisch zubereiteten Kartoffelschips kommt. Doch mit bayerischer Leichtigkeit ertragen das die meisten geduldig und nutzen die Wartezeit zum Plaudern mit ihren "Leidensgenossen".

Nachdem der weiß-blaue Himmel über Pyras inzwischen einer klaren Sternennacht gewichen ist, sinken die Temperaturen im Biergarten merklich. In der Halle dagegen steigt das Stimmungsbarometer weiter an und Django 3000 liefern eine schweißtreibende Show ab. Mit bayerischem Gipsy-Beat bringen sie den Tanzboden endgültig zum Beben. "Wuid und laut" heißt einer ihrer Titel und wild und laut geht es auch auf und vor der Bühne zu. Eine Prise Polka, ein Hauch Balkan und jede Menge bayerisches Herzblut fließen ineinander und der Funke ist ruckzuck ins Publikum übergesprungen.

Nicht minder groß ist die Begeisterung bei der letzten Band des Abends, Moop Mama. Die zehn Mann starke Brassband passt gerade mal so auf die Bühne, die in rotes Licht getaucht ist. Und dort entfachen Moop Mama, alle in rot gekleidet, ein wahres Spektakel - ohne sich auf diesem beengten Raum gegenseitig auf die Füße zu treten. Das passiert im Publikum schon eher, denn alles tanzt und hüpft zu dem einzigartigen Sound aus Bläsern, Beats und Hip-Hop.

Moop Mama singen, blasen und rappen was das Zeug hält und zeigen dabei überragende Livequalitäten. Auch nach den wenigen "ruhigeren" Stücken haben die Protagonisten keinerlei Probleme, die feierwütige Meute wieder in den Partymodus zurückzuholen. Die Heimatsound-Welle schwappt fast über, doch irgendwann muss auch dieser Wellengang wieder zurück gehen. Das passiert aber erst gegen Mitternacht, als sich Moop Mama mit dem einem letzten Song vom Publikum verabschieden.
Christa Bleisteiner
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