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Hilpoltsteiner Ingenieur verklagt VW-Konzern - Zwei Dieselautos mit illegaler Abschaltsoftware stillgelegt

Georg Gruber gegen Volkswagen

Hilpoltstein
erstellt am 10.01.2019 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 16.01.2019 um 19:26 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (HK) Georg Gruber fühlt sich vom VW-Konzern verschaukelt. Der hat in Grubers beiden Diesel-Audis eine illegale Abschalteinrichtung eingebaut, um korrekte Abgasgrenzwerte einzuhalten - allerdings nur auf dem Prüfstand. Als der Schwindel aufflog, bot der Hersteller zwar ein Software-Update an, wollte aber keinerlei Garantie übernehmen. Jetzt klagt der Ingenieur aus Hilpoltstein gegen Volkswagen. Seine beiden Autos hat das Landratsamt längst stillgelegt.
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?Vorsprung durch Technik?? Seit Monaten sind die beiden Diesel-Audis von Georg Gruber stillgelegt, weil der VW-Konzern eine illegale Abschalteinrichtung verbaut hat. Jetzt klagt der Ingenieur aus Hilpoltstein gegen Volkswagen.
"Vorsprung durch Technik?" Seit Monaten sind die beiden Diesel-Audis von Georg Gruber stillgelegt, weil der VW-Konzern eine illegale Abschalteinrichtung verbaut hat. Jetzt klagt der Ingenieur aus Hilpoltstein gegen Volkswagen.
Kofer
Hilpoltstein
In Georg Grubers Garage stehen zwei schwarze Edelfahrzeuge von Audi, ein A6, Baujahr 2011 und ein Q5, ebenfalls Baujahr 2011. Die Nummernschilder sind abgeschraubt, auf der Blende steht der Werbeslogan der Firma mit den vier Ringen: "Vorsprung durch Technik". Doch den Vorsprung hat sich Audi zum Teil mit illegalen Mitteln erarbeitet. Beide Fahrzeuge in Grubers Garage haben den berühmt-berüchtigten EA189 Motor, der seit 2008 im gesamten Volkswagenkonzern in Serie verbaut wurde. Grubers Audis haben die Zwei-Liter-Version mit 177 PS - und illegaler Abschalteinrichtung, verharmlosend auch als "Schummelsoftware" bezeichnet. Auf dem Prüfstand erreichen diese Motoren fantastische Werte, wenn es um den Ausstoß von Stickoxiden, kurz NOx, geht. Sobald man aber das Lenkrad bewegt, blasen sie ein Vielfaches dieses Wertes in die Luft.

Als der Betrug im September 2015 in den USA aufflog, musste VW seine Kunden dort großzügig entschädigen. In Deutschland kommt VW bislang milder davon. Dem Kraftfahrtbundesamt genügte ein Software-Update, das die illegale Abschalteinrichtung wieder herausnimmt und zum Teil die Stickoxidwerte etwas reduziert. "Das widerspricht meinem Rechtsempfinden", sagt Gruber.

VW rief in Deutschland Millionen von Fahrzeugen zum Update in die Werkstätten. Die meisten betrogenen Kunden folgten dem Aufruf. Georg Gruber wehrte sich. Er wollte eine Garantie, dass die Umrüstung keine Schäden verursacht. Das hat Audi aber bis heute verweigert. Deshalb hat Gruber im April 2017 Klage gegen den VW-Konzern eingereicht. "Da brauchst Du einen langen Atem. Volkswagen ist einer der härtesten Gegner, den man sich aussuchen kann", sagt er.

Vergangene Woche ging ihm der Schriftsatz der Konzernanwälte zu. Darin streitet VW alles ab, Gruber habe keine Nachteile, seine Fahrzeuge seien voll funktionsfähig und ohne Einschränkungen nutzbar, es gebe keinerlei Wertverlust. "Da wird bis zuletzt gelogen und gelogen und gelogen. Man verhöhnt mich", empört sich Gruber. Er will, dass VW seine Fahrzeuge zurücknimmt.

Denn bereits im Februar 2018 hatte das Landratsamt seinen A6 aus dem Verkehr gezogen, weil er ohne das Software-Update "erhebliche Mängel" aufweise und damit "die Sicherheit im Straßenverkehr beeinträchtigt". Der Bescheid kostet 40 Euro Gebühren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Im August 2018 folgte der nächste Stilllegungsbescheid für Grubers Q5. Fahren darf Gruber paradoxerweise noch mit seinem VW Amarok, einem schweren Diesel-Pickup, der mit 2100 Milligramm Stickoxidausstoß pro Kilometer eine wahre Dreckschleuder ist - aber eben keine illegale Abschalteinrichtung besitzt.

Der Ingenieur ist Fachmann für Motoren und Kenner der Materie. Er weiß genau, dass durch die angebotenen Updates einige Teile überdurchschnittlich beansprucht werden und daher schneller kaputt gehen, zum Beispiel Kühler und Ventile der Abgasrückführung. Auch der Rußfilter wird durch das Update stärker belastet. "Wenn die Abschaltung ausprogrammiert wird, fallen diese Bauteile reihenweise aus", sagt Gruber. "Die haben schon als Neuteile nicht gehalten, jetzt sind sie alle gebraucht." Berufen kann sich Gruber dabei auf einen 130 Seiten langen Bericht des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2016. Da hatte Audi selbst den Einbau der illegalen Abschalteinrichtung mit der hohen Beanspruchung eben dieser Bauteile begründet.

Das Problem sei bereits zehn Jahre lang bekannt, sagt Gruber. Doch anstatt qualitativ hochwertigere Bauteile zu verwenden oder die Abgasreinigung zu verbessern, habe man sich bei VW für die scheinbar kostengünstigere Betrugssoftware entschieden. Dabei gebe es längst moderne SCA-Katalysatoren, die von Werk aus eine Seriennummer haben, in einigen Modellen haben die Ingenieure sogar schon einen Platz für den Einbau vorgesehen. Aber noch immer verweigere sich Volkswagen der Hardware-Nachrüstung. Zudem verlangt das Kraftfahrtbundesamt von Firmen, die eine Hardware-Nachrüstung anbieten, fünf Jahre Garantie. Für Georg Gruber hat das Methode: "Sämtliche Technologien, die eine Verbesserung bringen würden, werden behindert. Die Hardware-Nachrüster werden behandelt, als hätten sie den Dieselskandal verursacht. Das ist ein Betrug im Betrug."

Beim jüngsten Dieselgipfel wurde dagegen eine sogenannte Umweltprämie vereinbart. Die Hersteller zahlen bis zu 10000 Euro, wenn man seinen alten Diesel gegen einen Neuwagen eintauscht. Das gilt allerdings nur für Autobesitzer in Kernzonen, also besonders mit NOx belasteten Städte, in denen es Fahrverbote gibt. Da Georg Gruber aber im Landkreis Roth wohnt, geht er bei der "Umweltprämie" leer aus. Dabei müsse er selbst ja beruflich oft nach Berlin, Frankfurt oder Stuttgart fahren, Städte mit Fahrverboten. "Das ist wieder ein Hohn für die Kunden", sagt Gruber. Denn der Betrug von Volkswagen sei ja nicht auf einzelne Städte beschränkt, sondern flächendeckend gewesen.

Dass die CDU jetzt der Deutschen Umwelthilfe - sie klagt die Fahrverbote in deutschen Städten ein - die Gemeinnützigkeit aberkennen will, entsetzt Gruber. Mit Moral oder Gerechtigkeit habe das alles nichts mehr zu tun, findet der Hilpoltsteiner Ingenieur.
Robert Kofer
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