Donnerstag, 20. September 2018
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Landesamt für Denkmalpflege beklagt den Verlust der "Brunnstube" nahe Wiesenhofen

Bodendenkmäler "restlos zerstört"

Wiesenhofen
erstellt am 12.09.2018 um 17:20 Uhr
aktualisiert am 15.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wiesenhofen (HK) Die "Brunnstube" ist so manchem Einheimischen ein Begriff. Es handelt(e) sich um ein Bodendenkmal nahe Wiesenhofen. Im Zuge einer Erweiterung der Abbaufläche des Wiesenhofener Steinbruchs seien diese Spuren der regionalen Geschichte zerstört worden, so das Ergebnis einer Untersuchung des Landesamtes für Denkmalpflege. Die zuständige Betreiberfirma beteuert hingegen, dass bei Begehungen auf den Abbauflächen bislang gar keine Bodendenkmäler festgestellt worden seien.
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War die "Brunnstube", in manchen Aufzeichnungen auch "Brunnenstube" genannt, eine Wolfsfalle? Wohl eher nicht. Ursprung einer Wasserleitung zum Schloss in Hirschberg? Auch das erscheint eher unrealistisch. Weiter vorne liegen andere Thesen. Möglicherweise handelte es sich um einen Sammelplatz samt Pferdetränke, den man bei groß angelegten Jagden der Adelshäuser in diesem Wald brauchte. Oder es gab dort eine Ansiedlung, die irgendwann untergangenen ist, ähnlich der Gehöfte der Altenzeller Bauern bei Aschbuch? Dies legen neuere digitale Karten mit exakten Aussagen über das Relief in dem Waldstück nahe Wiesenhofen und Haunstetten nahe, wie Kreisheimatpfleger Karl Heinz Rieder berichtet. Kurzum: Um die "Brunnstube" bei Wiesenhofen ranken sich viele Spekulationen und Theorien. Dass es sie gegeben hat, ist durch Fotos jedenfalls eindeutig belegt.

Ein kleiner, aber hochinteressierter Bürgerkreis habe das Bodendenkmal stets im Auge behalten und immer wieder besucht, berichtet der Beilngrieser Heimatforscher Wolfgang Brand. "Wir haben uns immer gesagt: Irgendwann wissen wir, was es mit der ,Brunnstube' auf sich hat." Denn es sei mit allen Beteiligten klar abgesprochen gewesen, dass bei einer Erweiterung des Wiesenhofener Steinbruchs an dieser Stelle eine archäologische Untersuchung zu erfolgen habe.

Genau das sei aber nun wohl nicht geschehen, äußerte Brand im Gespräch mit unserer Zeitung vor Kurzem seine Befürchtung. Er sei jüngst zum ersten Mal seit rund zwei Jahren wieder zur "Brunnstube" gewandert - allerdings konnte er das hochgeschätzte Fleckchen nicht mehr finden.

Dies bestätigt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf Anfrage unserer Zeitung. Man habe vergangene Woche unmittelbar nach Bekanntwerden der Befürchtung einen Techniker an Ort und Stelle geschickt. Der habe von der "Brunnstube" aber nichts mehr erkennen können. Erschwerend komme hinzu, dass auf diesem Areal auch noch eine wesentlich ältere Grabhügelgruppe - wohl aus der Zeit von 800 bis 450 vor Christus - verortet sei. "Sowohl die Grabhügel als auch die Wasserleitung/Zisterne sind der Bodendenkmalpflege bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert bekannt", heißt es in der Mitteilung des Landesamtes. Bei der Erteilung der Betriebsgenehmigung für den Steinbruch sei auf das Vorhandensein dieser Spuren der Geschichte hingewiesen worden. Die Untere Denkmalschutzbehörde habe damals den Auftrag formuliert, dass der ausführende Betrieb das Landesamt beim Auffinden von Bodendenkmälern zu informieren habe. "Leider wurde dieser Auflage nicht entsprochen", heißt es nun in der Antwort auf die DK-Anfrage. Bei einer Ausweitung der Abbaufläche des Steinbruchs in den vergangenen Jahren sei der beschriebene Verlust für die Heimatforschung entstanden. Inwiefern das Unternehmen - die Firmengruppe Max Bögl - nun mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen hat, müsse von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises bearbeitet werden, so das Landesamt für Denkmalpflege. Man habe den Betreiber des Steinbruchs unabhängig davon darüber informiert, dass weitere Abbauarbeiten nur in Absprache mit dem Landesamt erfolgen dürfen. "Damit ist zunächst sichergestellt, dass es zu keinen weiteren unbeobachteten Denkmalzerstörungen kommen wird."

Für die eingangs benannten Denkmäler sehen die Fachleute hingegen schwarz. Man habe nichts mehr finden können, "deshalb ist davon auszugehen, dass die im Abbaubereich ehemals vorhandenen Bodendenkmäler bereits restlos und unwiederbringlich zerstört wurden". Man werde aber noch weitere Untersuchungen anstellen, um endgültige Klarheit zu erlangen. Der Beilngrieser Heimatforscher Brand spricht hinsichtlich der beschriebenen Vorgänge von einem "Schlag gegen die Heimatkunde".

Unsere Zeitung hat auch den zuständigen Betrieb bezüglich des Vorfalls kontaktiert. Der nimmt schriftlich wie folgt Stellung und zeichnet dabei ein anderes Bild von der Sachlage: "Zur Sicherung und Fortführung der Rohstoffgewinnung im Steinbruch Wiesenhofen hat die Firmengruppe Max Bögl eine Erweiterung der bestehenden Abbaufläche beim Landratsamt Eichstätt beantragt. Mit Bescheid des LRA Eichstätt von 10. Februar 1997 wurde der Antrag genehmigt. In der Genehmigung wird unter ,Ziffer 8 Denkmalschutz' darauf hingewiesen, dass vor Abbau das Areal auf Bodendenkmäler zu überprüfen ist und bei Auffinden solcher, diese zu sichern sind. Des Weiteren ist unverzüglich das Landesamt für Denkmalpflege zu informieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Die Regelung und Vorgehensweise sind uns bestens bekannt und werden auch so umgesetzt. Vor jedem Abbau wird auf der geplanten Abbaufläche zusammen mit dem Eigentümer (im konkreten Fall sind das die Bayerischen Staatsforsten) eine sorgfältige Begehung und Sondierung durchgeführt. Bis heute wurden auf den Abbauflächen bei Begehungen keine Bodendenkmäler festgestellt. Sollten in den genehmigten Abbauflächen Bodendenkmäler bekannt sein, so kann das dem Landesamt für Denkmalpflege mitgeteilt werden. Gemeinsam kann dann vorsorglich über Art und Umfang der Sicherungsmaßnahmen entschieden werden." Dass auf dem entsprechenden Areal nach Einschätzung der Fachleute bereits eine Zerstörung stattgefunden hat, bleibt in der Antwort auf die DK-Anfrage unkommentiert. Man werde "Kontakt mit dem Landesamt für Denkmalpflege aufnehmen, um eine zeitnahe, gemeinsame Begehung des Areals durchzuführen", heißt es in dem Schreiben.

Die Thematik dürfte alle Beteiligten demnach noch weiter beschäftigen. Davon unabhängig ist von heimatgeschichtlich interessierten Bürgern in und um Beilngries generell immer wieder zu hören, dass dem Erhalt von historisch bedeutenden Flächen in der Region wieder mehr Gewicht eingeräumt werden müsse.

Fabian Rieger
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