Dienstag, 23. Oktober 2018
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Mit dem Bus zum Familientreffen in Tiflis

Der Weltumradler macht Radpause

Thalmässing
erstellt am 12.10.2018 um 11:21 Uhr
aktualisiert am 15.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hilpoltstein (DK) Auf seiner Weltreise mit dem Rad hat sich Marc Bernreuther eine einwöchige Auszeit von seinem fahrbaren Untersatz gegönnt.
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Nach einigen entspannten Tagen, um Istanbul in vollen Zügen zu erkunden, hat der Sohn der Pyraser Brauereichefin Marlies Bernreuther trotzdem eine weitere Grenze überquert, ohne dabei in die Pedale zu treten. Anstelle einer Schwarzmeerfähre nahm der 25-Jährige einen Bus in die georgische Hauptstadt Tiflis, wo es am Mittwoch zu einem Familientreffen gekommen ist.

Tag 41 (Istanbul): Istanbul flasht mich total! Heute kümmern wir - Nuray und ich - uns zuerst um mein Busticktet. Es läuft besser, als ich es mir ertäumt hätte und ich finde für nur 33 Euro einen Bus, der mein Fahrrad, mein gesamtes Gepäck und mich von Istanbul bis nach Tiflis bringt. So kann ich tatsächlich meine Beine ausruhen und erst am 17. Oktober geht es von Tiflis aus für mich mit dem Rad weiter nach Armenien und anschließend in den Iran. Eine Pause, die mir gut tut und die ich vielleicht auch brauche, um die nächste Etappe angehen zu können.

Tag 42 (Istanbul): Heute gehe ich in das Nachbarviertel, nach Besiktas. Denn dort wohnt Çatagay, der Sohn von Bünyamin, dem Farmer, der mich kürzlich bei sich aufgenommen hat. Sein Vater hat mir damals seine Nummer gegeben und wir haben Kontakt aufgenommen. Catagay lädt mich zu sich in die WG ein. Er ist 30 Jahre alt und macht gerade seinen Master in Landschaftsbau. Wir machen einen kleinen Brunch bei ihm und haben viel zu quatschen. Er hat vor einem Jahr auch eine sechsmonatige Fahrradtour durch den Balkan gemacht. Es ist wirklich nett und ich bin froh, dass wir Kontakt aufgenommen haben und ich durch so viele Zufälle und ein wenig Offenheit so viele Menschen kennenlerne, die meine Reise bereichern.

Tag 43 (Istanbul): Meine Glückssträhne in dieser Stadt geht weiter. Letzte Nacht hat Nurays Cousin, Goksenin, hier in der Wohnung übernachtet, weil er feiern war und selbst etwas weiter außerhalb lebt. Beim gemeinsamen Frühstück hat er mich dann gefragt, ob ich ihn nicht begleiten möchte. Er hat zwei türkische Freunde zu Besuch, die aus Deutschland kommen und mit denen er heute ein wenig Sightseeing machen möchte. Ich hatte für heute denselben Plan und bin froh, dass ich die Tour nicht alleine unternehmen muss. Es stellt sich heraus, dass es mal wieder eine extrem glückliche Fügung war. Wir fahren auf die asiatische Seite, blicken vom höchsten Berg über die gesamte Stadt, machen eine Bootstour auf dem Bosporus und gehen richtig lecker Abendessen. Ich kann es gar nicht fassen, dass meine Zeit hier in Istanbul morgen schon endet. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Tag 44 (Istanbul): Vormittags mache ich mich nochmal auf in die Innenstadt. Davon kann ich gar nicht genug bekommen. Am frühen Nachmittag muss ich mich aber auf den Weg in die Wohnung machen, denn ich muss noch all meine Taschen packen. Um halb fünf schaffe ich alles in Nurays Wagen. Sie möchte nicht, dass ich noch einen Meter mit dem Fahrrad durch Istanbul fahren muss und fährt mich deshalb freundlicherweise mit dem Auto. Auf dem Weg ruft sie vorsichtshalber nochmal bei dem Busunternehmen an. Sie war skeptisch, ob alles wirklich nach Plan läuft und ihre Vorahnung sollte sich als gerechtfertigt erweisen. Der Bus ist gecancelt. Fährt einfach nicht. Warum, kann uns keiner sagen. Dann bleibe ich eben noch eine Nacht in Istanbul. Blöd nur, dass ich nun noch einmal zum Büro der Busgesellschaft muss, um mir ein anderes Ticket zu besorgen. Der Mann hinter dem Schalter tut alles dafür, dass ich ein neues Ticket kaufen soll, doch ich kenne diese Spielchen bereits und weiß, dass am Ende der gewinnt, der den längeren Atem hat. So bekomme ich nach einer Dreiviertelstunde ein neues Ticket für einen Bus morgen.

Tag 45 (im Bus auf dem Weg nach Georgien): Der Abschied fällt schwer. Nuray bringt mich um elf Uhr zum Busbahnhof und diesmal fährt der Bus. Nur die Sache mit meinem Fahrrad macht natürlich Schwierigkeiten. Auch wenn mir im Büro versichert wurde, dass es kein Problem sei, bei vorheriger Anmeldung ein Fahrrad mitzunehmen, ist immer noch der Busfahrer der Chef und das nutzt er auch aus. Er hat in der Hand, ob ich mitgenommen werde oder nicht und so verlangt er von mir für das viele Gepäck und das Fahrrad noch einmal 150 Türkische Lira bar auf die Kralle. Das sind etwas mehr als 20 Euro. Ich hatte bereits gelesen, dass so etwas passieren kann und bin deshalb nicht besonders überrascht, dass ich nochmal etwas zahlen muss. Die nächsten 28 Stunden werde ich im Bus auf dem Weg nach Tiflis in Georgien sein.

Tag 46 (Tiflis/Georgien): So schnell möchte ich keine Strecke mehr mit dem Bus zurücklegen. In diesem Fall war es der aber günstige Ersatz für die Schwarzmeerfähre, auf den ich wegen Zeitdrucks zurückgegriffen hatte. Doch es ist unbequem, nicht spannend, stressig und unzufriedenstellend. Dennoch bin ich glücklich, als ich in Tiflis ankomme. Ich treffe hier nämlich meine beiden Tanten Monika und Margret, die hier eine Woche Urlaub machen und mir unter anderem auch ein kleines Care-Paket mitbringen. Mit ihnen werde ich die nächsten fünf Tage verbringen, ehe ich mit der zweiten großen Etappe meiner Weltreise durch Georgien, Armenien und den Iran starte.
 
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