Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Bei Juniorwahl an der Mittelschule Thalmässing siegt CSU-Politiker nur knapp vor dem AfD-Kandidaten

Bauer rettet sich gerade noch ins Ziel

Thalmässing
erstellt am 12.10.2018 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 17.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Thalmässing (HK) Ganz knapp kann Volker Bauer das Direktmandat im Landtag verteidigen, der Christsoziale kommt am Ende auf 24,3 Prozent. Das durchaus Überraschende: Auf dem zweiten Platz landet Ferdinand Mang von der AfD mit 21,4 Prozent. So zumindest bei der Juniorwahl am gestrigen Freitagvormittag an der Thalmässinger Mittelschule.
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Bei der Juniorwahl in der Thalmässinger Mittelschule  wird überraschend die AfD mit 22,1 Prozent zweitstärkste Kraft im Landtag. Die CSU kommt nur auf 24,3 Prozent.
Bei der Juniorwahl in der Thalmässinger Mittelschule wird überraschend die AfD mit 22,1 Prozent zweitstärkste Kraft im Landtag. Die CSU kommt nur auf 24,3 Prozent.
Luff
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Es ist ein wahrhaft hoheitlicher Akt des Souveräns: Durchaus ernst geht es zu, wenn die Siebt-, Acht- und Neuntklässler der Thalmässinger Mittelschule sich ihre Stimmzettel abholen, einer nach dem anderen in der Wahlkabine in der Aula Platz nimmt und schließlich - mit Argusaugen beobachtet von den Wahlhelfern - sein Votum in die verplombte Wahlurne steckt. Auf zwei Zetteln haben die Mädchen und Jungen ihre Kreuzchen gemacht: Mit dem ersten stimmten sie für den Direktkandidaten des Stimmkreises Roth, mit dem zweiten gaben sie einer Partei die Stimme, konnten hier aber auch die aufgestellte Liste beeinflussen. Ganz wie bei der richtigen Landtagswahl am morgigen Sonntag also, die Bezirkswahl spielt dagegen keine Rolle.

Allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim: Nach diesen Grundsätzen funktioniert auch die Juniorwahl - sie ist ein Projekt zur politischen Bildung von Minderjährigen. In der Wahlkabine darf den Schülern niemand über die Schulter schauen; das bedeutet aber nicht, dass sie nicht verraten dürfen, wem sie ihre Stimme gegeben haben. Sie habe mit beiden Stimmen für die Freien Wähler votiert, erzählt Michelle Angermeier: In der Schule habe sie sich informiert, was diese wollen. Und die Ideen, die die FW in der Vergangenheit einbrachten, hätten sie endgültig überzeugt, so die 15-Jährige. Allerdings profitiert Thomas Schneider, der Röttenbacher Bürgermeister und hiesige Stimmkreiskandidat, nicht von Michelles Wahlentscheidung. Denn ihn kennt sie ebenso wenig wie die anderen Leute auf der Liste. Und so kriegt Gabi Schmidt Michelles Stimme: "In der heutigen Welt eine Frau zu wählen, schadet nicht."

Auch die Siebtklässlerin Emma Hertl, schenkt den Freien Wählern ihre Stimmen - bei ihr kriegt sie sogar Thomas Schneider. "Das war das Beste für mich", zeigt sie sich überzeugt. Ob durch die Juniorwahl und die verstärkte Beschäftigung mit der Politik in der Schule ihr Interesse für Politisches geweckt worden ist? Da überlegt Emma erst einmal. "Ja, schon", sagt sie eher vorsichtig. Jetzt hat sie erst einmal fünf Jahre Zeit, die Arbeit des Landesparlaments ein wenig zu beobachten. Wenn es an die nächsten Landtagswahlen geht, darf die jetzige Schülerin tatsächlich mitmischen, denn in fünf Jahren ist sie 18. "Ich werde wählen", sagt sie im Brustton der Überzeugung. Und damit dem Beispiel ihrer Eltern folgen, denn die gingen auch zur Wahl. "Wir haben zu Hause darüber gesprochen."
Wenn sie den Stimmzettel in die Hand bekommen, studieren die Schüler erst einmal die Namen, die zur Auswahl stehen.
Wenn sie den Stimmzettel in die Hand bekommen, studieren die Schüler erst einmal die Namen, die zur Auswahl stehen.
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Schon sind zwei Hauptziele der Juniorwahl erreicht: Einerseits sollen Jugendliche ihre Schwellenangst verlieren und auch als Erwachsene den demokratischen Prozess nicht links liegen lassen. Andererseits erhoffen sich die Macher, dass Eltern beeinflusst werden: Denn wenn schon die Kinder wählen, wollen die meisten Erwachsenen ein gutes Vorbild sein. In größeren Städten ist die Zahl der Nichtwähler ein deutlich größeres Problem. Seine Eltern gehen zur Wahl, weiß Julian Göbel. Der Neuntklässler kennt sogar deren Präferenz. Er habe seine Stimmen gesplittet, erzählt er. Thomas Schneider habe die Erststimme bekommen, ihn kenne er von den Plakaten, dessen Ansichten halte er für nicht verkehrt. Die Zweitstimme jedoch bekam die CSU. Warum, das weiß Julian nicht so genau. Er habe sich eben am Elternhaus orientiert. Auch er werde, wenn er volljährig ist, zur Wahl gehen, "das ist sicher".

In der Mittelschule beträgt die Wahlbeteiligung an diesem Tag sogar 100 Prozent. Denn Wahlrecht ist hier Wahlpflicht. Vereinzelt habe es die Frage gegeben, ob man denn wirklich wählen müsse, sagt der Referendar Uwe Rupprecht, der sich an diesem Tag hauptsächlich um die Juniorwahl kümmert. Ja. Damit erst gar keine Unruhe reinkomme, weil die einen cool die Wahl ablehnen durften, habe die Schule es so verfügt.

Enttäuscht zeigt sich der Rektor Ottmar Misoph über das gute Abschneiden der AfD, deren Kandidat Ferdinand Mang vereint am Ende 22,1 Prozent der Gesamtstimmen - also Erststimmen und Zweitstimmen berücksichtigt - auf sich. Dabei hat er mit den Schülern sogar noch das politische Lied "Mia ned!" besprochen, das derzeit in den sozialen Medien durch die Decke schießt. Darin befassen sich Münchener Künstler kritisch mit der Haltung der AfD zu bestimmten Themen. Dass die Schüler sich hier am meisten daran gestört hätten, dass die Partei der Inklusion eine Absage erteilt, freute den Schulleiter: "Inklusion kennen sie bei uns aus eigener Erfahrung."

Die CSU kommt in dieser Rechnung der Gesamtstimmen in Thalmässing auf knapp 24,3 Prozent, schneidet also noch einmal deutlich schlechter ab, als es die jüngsten Umfragen prognostizieren. Auf den weiteren Plätzen landen Grüne (15,7), Linkspartei (11,4), FW (10,7) und SPD (10,0). Die Liberalen verfehlen den Einzug ins Parlament mit nur 1,4 Prozent deutlich.
Volker Luff
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