Samstag, 23. Juni 2018
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Maxim Kowalew Don Kosaken begeisterten mit anspruchsvoller russischer Vokal- und Sakralmusik

Unerhörte Töne in der Pfarrkirche

Allersberg
erstellt am 12.03.2018 um 18:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Allersberg (ub) Am Ende hat es stehende Ovationen in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Allersberg gegeben. Ein außergewöhnliches Konzert war zu Ende gegangen: Die Maxim Kowalew Don Kosaken begeisterten und faszinierten das Publikum mit anspruchsvoller russischer Vokal- und Sakralmusik.
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Allersberg: Unerhörte Töne in der Pfarrkirche
Im virtuosen Zusammenspiel als Chor überzeugen die sieben Sänger der Maxim Kowalew Don Kosaken das Publikum in Allersberg ebenso wie als Solisten. - Foto: Unterburger
Allersberg

Der Chor nennt sich nach dem in Danzig geborenen Maxim Kowalew. Noch bevor dieser das professionelle Singen erlernte, begeisterte er sich schon als Kind an den Erzählungen, Liedern und märchenhaften Geschichten der Völker des Ostens, besonders der Kosaken, die ihn für sein weiteres Leben prägten. Ab 1983 sang er in Westeuropa, den USA und Israel. 1994 sang er in einem Chor, aus dem sich später die Maxim Kowalew Don Kosaken herauskristallisierten. Der Chor lässt das musikalische Erbe der Kosaken in Westeuropa und Skandinavien auf technisch brillantem Niveau wieder aufleben.

Das Gastspiel der Maxim Kowalew Don Kosaken in der gut besuchten Allersberger Kirche spannte einen großen Bogen zwischen der mit großer melancholischen Intensität vorgetragenen russisch-orthodoxen Sakralmusik und sparsam eingestreuter deutscher Volksmusik. Viele der russisch-orthodoxen Lieder wurden lange Zeit mündlich überliefert und erst viel später handschriftlich festgehalten.

Die sieben Sänger überzeugten mit einer perfekten Mehrstimmigkeit und einer exzellenten Vortragstechnik. Fast jeder der Sänger trat im Laufe des Abends auch als Solist auf, was das Können dieser hochkarätigen Formation unterstrich. Vor allem der Bassist, der auch mit sparsamen Ansagen durch das Programm führte, faszinierte die Zuhörer durch seine grollende Bassstimme. So geriet der Konzertabend zu einem echten Klangerlebnis.

Ungewohnte Klänge in Allersberg: Die Fremdartigkeit der orthodoxen Musik erfordert vom westlichen Zuhörer viel Gewöhnung, gibt ihm zugleich aber auch die Möglichkeit, teilzunehmen an der außerordentlichen Schönheit und Tiefe der russisch-orthodoxen Musik. War dieser auf griechisch-byzantinische Vorbilder zurückgreifende Gesang ab dem 11. Jahrhundert zunächst einstimmig, entwickelte er gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine westlich geprägte Mehrstimmigkeit, die sich bis zu den konzertanten Werken Tschaikowskys und Rachmaninoffs weiterentwickelten.

Die technischen und musikalischen Anforderungen dieser wuchtigen Musik unterscheiden sich deutlich von der westlichen Chormusik. Die Lieder selbst sind in ihrem Aufbau relativ einfach komponiert. Doch das außerordentlich große Repertoire, in das die Maxim Kowalek Don Kosaken einen kleinen Einblick gaben, erfordert eine deutliche Souveränität und auch Flexibilität. Diese Anforderungen erfüllten die sieben Sänger auf virtuose Weise.

Die für unsere Ohren fremdartige und altertümlich anmutende Harmonik russischer Musik erklärt sich aus dem den Liedern zugrunde liegenden byzantinischen Tetrachord-System, den sogenannten Kirchentonarten, die auch in unserer westlichen Kultur eine große Rolle spielen, angefangen vom christlichen Choral bis zum Jazz.

Die schwermütigen, melancholischen Lieder voller Traurigkeit und Innigkeit rührten die Zuhörer an. Als ein Beispiel von vielen erfuhren die Besucher in dem Kosakenlied "Die traurige Mutter" aus Weißrussland, welche Gefühle eine Mutter hat, wenn sie ihren Sohn verliert oder andere Schicksalsschläge verkraften muss.

Neben Liedern wie "Großer Gott", "Lobet den Namen des Herrn", "Vater unser" oder "Eine alte Klosterlegende" - allesamt in russischer Sprache gesungen - präsentierten die sieben Sänger auch Lieder, die im deutschen Sprachraum bekannt sind. So etwa das weltbekannte Lied "Ich bete an die Macht der Liebe" ("Kol slawen nasch") von Dmytro Bortnianski (1751-1825) und Gerhard Tersteegen (1697-1769). Eine Strophe sang der Chorleiter in deutscher Sprache, was die Zuhörer zu einem Sonderapplaus animierte.

Ein junger Solist sang das berühmte Lied "Abendglocken" (Vetherni zvon). Ein Lied mit hohem Wiedererkennungswert, das die Menschen aller Kontinente anrührt. Da wurde es mucksmäuschenstill in der Kirche, die über eine hervorragende Akustik verfügt.

Als Zugabe sangen die Maxim Kowalew Don Kosaken das deutsche Volkslied "Guten Abend, gut' Nacht", mit dem sie sich bei ihren Zuhörern bedankten. Reicher Applaus belohnte das außergewöhnliche Gastspiel dieser Formation.

Von Robert Unterburger
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