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18.11.2002 20:37 Uhr | x gelesen
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Künstlerische Windjammerparade
Ausstellung von Matthias Schlüter und Helmut Wolf in der Johanniskirche


Eichstätt (-) Das Motiv des rettenden Bootes hat in allen Kulturkreisen ein biblisches Alter.


Und noch jede Künstlergeneration ist, gleich in welchem Genre, irgendwann einmal auf die hohe See, auf Hafenmolen oder lauschig versteckte Buchten als Bildsujet verfallen. Vor etwa 125 Jahren blieben die Impressionisten dem Flirren der vom Wind getriebenen Wellenkämme, dem Glitzern des Wassers, dem Schaukeln der Boote und den bunten Farben der Sommerfrische auf den Hausbooten, die im Schilf der Seine-Altwasser dümpelten, meist ein Malerleben lang treu, wenn sie von der Strand- und Wasserwelt erst einmal richtig in den Bann gezogen worden waren. Ursächlich am Reisen machte sich das Motiv der Schiffe und Häfen aber auch immer schon fest, wenn sich die Maler und Bildhauer oder auch die Literaten und Architekten darum bemühten. Sinnbildlich und ganz konkret spricht man in der Sakralarchitektur des christlichen Abendlandes auch ganz selbstverständlich von einem Kirchenschiff. Und dort, in einem profanierten Kirchenraum, in der ehemaligen Johanniskirche am Eichstätter Domplatz, ist die Ausstellung "Schiffe" des Malers Matthias Schlüter und seines Bildhauerkollegen Helmut Wolf jetzt auch wie in einem sicheren Hafen angelandet, in beschaulichen Buchten und verschlafenen Häfen des Südens gehen die Jollen, Hausboote, Ausflugsdampfer, die Schubschiffe und Ozeanriesen dort vor Anker.

Matthias Schlüter unterlegt in Farbe und Gestik gewohnt virtuos seinen Segelbooten, Ozeandampfern und Frachtschiffen ihren eigenen blauen Kosmos auf dem Papier oder der Leinwand. Manchmal freilich lässt er die Nussschalen großen Boote aber auch in einer steifen Brise regelrecht verwirbelt herumirren, oder er bannt sie in die bedrohliche Enge zweier dunkler Schleusenmauern.

Anders, ganz anders dagegen Schlüters Atelierkollege Helmut Wolf. Wenn er malt oder zeichnet, dann spürt man das Ringen des Bildhauers um die begreifbare Form. Die in Kohle und Gouache gezeichnete und gemalte Serie von skelettierten Bootsleibern, um die sich, die Vergänglichkeit allen Lebens ein zweites Mal signalisierend, Papierschiffchen tummeln, lässt den ums Modell ringenden Bildhauer, der hinter dem Zeichner Helmut Wolf wirkt, auch in der Bildfläche besonders deutlich ablesbar werden.

Und andererseits haben sich da vor mittlerweile vier Jahren zwei Künstler zu einer Ateliergemeinschaft zusammengefunden, die, wie die Ausstellung in Eichstätt zeigt, von einem ähnlichen Humor, von einem ähnlich tiefgründigen Augenzwinkern und von einem ähnlich geistreichen und handwerklich hervorragend umgesetzten Esprit beseelt sind und in ihrem Schaffen angetrieben werden. Beinahe schon plastische Cartoons sind die Bronzearbeiten von Helmut Wolf, die er den Surfern im Kampf mit den Elementen gewidmet hat. Und "Kampfboote", "gehörnt" nach der Art von Helmut Wolf, die mag man sich ohnehin in größerer Zahl auf den Weltmeeren wünschen, als die dort nur allzu zahlreich kreuzenden Kanonenboote und Flugzeugträger unserer Tage.

Bis zum Sonntag, 28. Oktober, ist die großartige Windjammerparade von Schlüter und Wolf noch in der ehemaligen Johanniskirche zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung von Montag bis Freitag jeweils von 15 bis 18 Uhr und am Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Rüdiger Klein


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