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Komplettübernahme des Dolli-Werks, niedrige Preise und Wetter beschäftigen Erzeugergemeinschaft

Schwieriges Jahr für Kartoffelbauern

Wackerstein
erstellt am 14.02.2018 um 18:38 Uhr
aktualisiert am 17.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Wackerstein (EK) Die Kartoffelerzeuger in der Region haben ein "sehr schwieriges Jahr" hinter sich. Laut Ignaz Lechermann, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln Ingolstadt, kamen 2017 mehrere Faktoren zusammen, die den Kartoffelbauern das Leben schwermachten.
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Wackerstein: Schwieriges Jahr für Kartoffelbauern
Nach der Komplettübernahme des Dolli-Werks (Foto) durch Aviko vor gut einem Jahr haben die Kartoffelerzeuger der Region mit dem Vermarkter KCB einen neuen Ansprechpartner. - Foto: Kügel
Wackerstein

Für seinen Tätigkeitsbericht bei der Mitgliederversammlung der Erzeugergemeinschaft in Wackerstein (Markt Pförring) hatte Lechermann - "anders als sonst" - einen großen Zettel dabei. Die allermeisten Termine, die er darauf notiert hatte und bei denen er dabei war, hatten mit der Komplettübernahme des Dolli-Werks in Oberdolling durch den niederländischen Kartoffelverarbeiter Aviko Anfang 2017 zu tun.

Damit hätten die Kartoffelerzeuger der Region bei einem ihrer Großabnehmer einen neuen Ansprechpartner bekommen, sagte Lechermann, nämlich den Vermarkter KCB Kartoffel-Centrum Bayern GmbH mit Standorten in Rain und Geiselhöring. Die Änderung der Eigentumsverhältnisse am ehemaligen Dolli-Werk sei freilich nur ein Aspekt gewesen, der die Kartoffelerzeuger bewegt habe. Zudem habe man nur schlechte Preise erzielen können. Gerade für "Agria", die Hauptsorte in der Region, sei die Nässe im August "ganz schlimm" gewesen, weshalb es Probleme wegen der zu geringen Stärke in den Kartoffeln gegeben habe - mit entsprechend geringen Preisen. Doch Lechermann wollte nicht den Kopf in den Sand stecken und rief den Kartoffelbauern zu: "Wir werden auch mal wieder lachen."

Darin pflichtete ihm Ferdi Buffen, in Doppelfunktion Geschäftsführer bei Weuthen und KCB, in seinem Referat über "Die aktuelle Marktsituation und die Perspektiven für die Zukunft" zu. Er lieferte auch gleich ein Beispiel dafür. Ab 1. Juli versorge KCB den Standort Oberdolling exklusiv mit dem Rohstoff Kartoffel, informierte er die Anwesenden. Dies bedeute für die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft einen "sicheren, nachhaltigen Absatz durch Vertragsanbau".

Buffen sprach von einem sehr volatilen Kartoffelmarkt, auf dem es kein "moderat" mehr gebe. Es habe 2017 hohe Erträge in allen fünf wichtigen europäischen Kartoffelanbauländern - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Belgien - gegeben, so dass die Ernte rechnerisch zu groß ausgefallen sei, mit der Folge "desaströser Kassapreise". Freie Industrieware sei in den vergangenen Monaten "nahezu unverkäuflich" gewesen, und auch in Bayern sei "guter Rohstoff zu Stärke verarbeitet" worden.

Speisekartoffeln können die hiesigen Anbauer laut Buffen jedoch am Markt platzieren, weil das "große Exportland Niedersachsen" mit Qualitätsproblemen zu kämpfen habe.

Für dieses Jahr sei der Speisefrühkartoffelmarkt in Südeuropa für die hiesigen Erzeuger geöffnet, da die dortigen Erzeuger nach dem Preisdesaster 2017 die Anbauflächen deutlich eingeschränkt hätten, sagte Buffen. Der Markt für Industriekartoffeln werde 2018 global weiter wachsen, prophezeite er, der KCB-/Aviko-Vertragsanbau für die Ernte 2018 "leicht ausgedehnt". Zudem suche KCB noch Chipskartoffelanbauer. Insgesamt erwartet Buffen stabile Flächen für den Anbau von Frühkartoffeln.

Eine zusätzliche Abnahmeadresse für die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft könnte die Burgis GmbH werden. Einkaufsleiter Johannes Seemeier stellte das bundesweit im Lebensmitteleinzelhandel tätige Unternehmen aus Neumarkt mit rund 120 Mitarbeitern vor. Burgis verarbeitet ihm zufolge jährlich gut 25 000 Tonnen Kartoffeln - vor allem zu Knödeln, mit denen auch zwei Drittel der Oktoberfestzelte beliefert werden. Die Neumarkter setzen stark auf Vertragsanbau und arbeiten dabei mit etwa 80 Landwirten aus den Erzeugergemeinschaften Neumarkt, Stulln, Ingolstadt und München zusammen.

Von Norbert Schmidl
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