Mittwoch, 21. November 2018
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Auszubildende von 1968 trafen sich zum 50-jährigen Jubiläum ihres Eintritts in den Polizeidienst

Vor fünf Jahrzehnten begann ihre Laufbahn

Eichstätt
erstellt am 12.09.2018 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 16.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Am 9. September 1968 traten 152 Polizeianwärter überwiegend aus der Oberpfalz, Schwaben, Oberfranken und Mittelfranken ihren Dienst bei der damaligen 8. Stabshundertschaft mit großen Erwartungen an. Nun gab es ein Wiedersehen der Auszubildenden von vor 50 Jahren.
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50 Jahre, nachdem sie ihre polizeiliche Laufbahn begonnen hatten, trafen sich nun viele Auszubildende der Polizei von 1968. Willi Müller (hinten Mitte) hatte das Treffen organisiert.
50 Jahre, nachdem sie ihre polizeiliche Laufbahn begonnen hatten, trafen sich nun viele Auszubildende der Polizei von 1968. Willi Müller (hinten Mitte) hatte das Treffen organisiert.
Lina
Eichstätt
Die Mehrheit der neuen Polizeianwärter hatte schon einen Beruf erlernt, die anderen kamen direkt von der Realschule im Alter von 17 Jahren. Abiturienten hat es damals als Bewerber für den Mittleren Polizeivollzugsdienst nur sehr selten gegeben.

Hundertschaftsführer war damals Polizeihauptkommissar Georg Kellner. Der I. Zug (Fernmeldezug) wurde von Polizeioberkommissar Willy Borkowsky geführt, der II. Zug (V-Krad-Zug der Verkehrsaufklärer) von Polizeikommissar Kirchner, der III. Zug (bautechnischer Zug) von Polizeikommissar Hermann Eder. Die graue Eminenz und für die jungen Auszubildenden der eigentliche Chef war aber Innendienstleiter (im Polizeijargon der "Spieß" genannt) Hans Söllner. Stets laut- und wortstark führte er ein strenges Regiment. Schnell hatten aber die jungen Leute erkannt, dass der "Spieß" mit der äußeren rauen Schale sehr oft ein weiches Herz für seine Schützlinge hatte.

Mit großer Freude begrüßte Organisator Wilhelm Müller die 62 Kameraden und deren begleitende Ehefrauen. Er freute sich besonders darüber, dass einige Gäste nach Eichstätt gereist waren, die damals den Dienst quittiert hatten. Als besondere Gäste wurden fünf damalige Ausbilder und Vorgesetzte begrüßt: Georg Dormeier (Gruppenführer III. Zug), Herrmann Eder (Zugführer III. Zug und Fachlehrer im Polizeirecht), Siegfried Müller (Gruppenführer II. Zug und Sportausbilder), Josef Pinke (Fernmeldeausbilder) und Siegfried Rosner (Fernmeldeausbilder).

Fünf der jungen Polizeibeamten blieben Eichstätt erhalten. Konrad Blaimer kehrte nach einigen Jahren Dienst bei der Nürnberger Stadtpolizei nach Eichstätt zur Bereitschaftspolizei als Ausbildungsbeamter zurück. Willi Koller verbrachte seinen Dienst in Eichstätt bei allen Hundertschaften und Polizeiseminaren meist als Fahrlehrer. Alois Eisenschmid verließ nach seiner Ausbildung 1972 die Bereitschaftspolizei, leistete seinen Dienst zunächst bei der Verkehrspolizei Ingolstadt und wechselte nach einigen Jahren zur Polizeiinspektion Eichstätt als Streifenbeamter und später als Ermittlungsbeamter. Adalbert Lina war als Gruppenführer, Zugführer, stellvertretender Hundertschaftsführer, Hundertschaftsführer und Seminarleiter 33 Jahre lang in allen Hundertschaften tätig und wechselte 2005 zur Verkehrspolizei Augsburg. Organisator Willi Müller war ein echtes Urgestein der 8. Hundertschaft, in der er von Beginn seiner Ausbildung im Jahr 1968 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2010 rund 42 Jahre seinen Dienst leistete.

Er hat alle Höhen, Tiefen und häufig wechselnden Verwendungsarten bezüglich Ausbildung und Einsatz dieser Einheit in jungen Jahren als Gruppenführer und später als verantwortungsvoller und stets zuverlässiger Rechnungsführer miterlebt.

Kurt Ertel hatte 1969 seinen Dienst bei der "Achten", wie diese Einheit noch heute liebevoll von vielen ihrer unzähligen Angehörigen bezeichnet wird, gekündigt, um nach einem Studium als Lehrer in seiner Heimat im fränkischen Hersbruck tätig zu werden. "Ich habe aus Eichstätt in meiner kurzen Polizeiausbildung vieles an Disziplin, Kameradschaft, Pünktlichkeit und Einsatzbereitschaft mitgenommen, an das ich mich als Lehrer sehr oft und gerne erinnert habe."

Der Jubiläumstag verlief sehr gemütlich mit einem schönen und völlig stressfreien Programm. Die Jubilare hatten genügend Zeit, sich über alte Zeiten und ihre Erlebnisse auszutauschen, nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es zu einem Gottesdienst in der Evangelischen Erlöserkirche. Während des Gottesdienstes von Ursula Wawra kam es zu einem emotionalen Höhepunkt, als Willi Müller die 31 Namen der bereits Verstorbenen vorlas und für jeden eine Kerze angezündet wurde.

Danach gab es eine einstündige Stadtführung durch Siegfried Rosner und Adalbert Lina. Im Dom-Cafe klang der Tag schließlich aus.

Willi Müller hat seit 1978 alle fünf Jahre ein Hundertschaftstreffen organisiert. Es zweifelte bei der jüngsten Zusammenkunft keiner der 62 Teilnehmer daran, dass 2023 das achte Treffen dieser Art in Eichstätt stattfinden wird - sofern es die Gesundheit der Ehemaligen zulässt.
 

Unterbringung und Ausbildung 1968

Themen vieler Gespräche waren die damalige Ausbildung und vor allem die Unterbringung, die man nach heutiger Betrachtung als menschenunwürdig bezeichnen würde. "Das war halt damals so! " oder "Das hat uns nichts geschadet! " war an allen Tischen zu hören. Die Ausbildung sei damals absolut zeitgerecht gewesen, so die einhellige Meinung.

Zwölf junge Männer wurden jeweils in einem viel zu kleinen Zimmer untergebracht. In der Mitte des Raumes stand ein großer oder zwei kleine Tische mit zwölf Stühlen. Jeder besaß einen Schrank, der sehr oft überprüft wurde. Und es gab großen Ärger, wenn zum Beispiel sowohl die Dienst- als auch privaten Hemden nicht millimetergenau zusammengelegt waren.

Geschlafen wurde auf engstem Raum in Stockbetten, die allenfalls die Güte von Feldbetten hatten. Jeden Morgen wurde der Bettenbau kontrolliert. Bei geringsten Unordentlichkeiten aus Sicht der Gruppenführer fand sich das Bettzeug auf dem Boden der Stube wieder. Ein privates Bettzeug zu benutzen, war verboten.

Alois Eisenschmid und Adalbert Lina hatten den Luxus eines Neun-Bett-Zimmers, allerdings mit dem großen Nachteil, dass dies ein Durchgangszimmer für zwei dahinterliegende 12-Bett-Stuben war. "Besonders nachteilig war es, dass hinter unserer Stube die lärmende Toilette war, dessen Spülung man jedes Mal durch das ganze Haus hören konnte", berichtete einer der beiden.

Die Kameraden öffneten die Türe des Zimmers mit großem Geklapper und schalteten das Licht an. Dies war immer mit Lärm verbunden - zwei Jahre lang -, da keine Glühbirne jemals ausfiel. Anschließend hörten die Bewohner die tappenden Schritte durch ihr Zimmer. Nach dem lauten Toilettenbesuch dasselbe Spiel zurück. Für Schlafstörungen hatte dies jedoch nicht gesorgt, die jungen Männer hatten sich schnell daran gewöhnt.

Es gab in jedem Stock des Gebäudes einen Waschraum mit großen Schüsseln, die eher einer Viehtränke ähnelten, aber keine Duschen. "Zum Duschen - zum Beispiel nach dem Sport - wurden wir geschlossen in Zugformationen geführt. Je nach Laune des Heizmeisters hatten wir dann alle bis zu 50 verschwitzten Personen 15 Minuten bis maximal eine halbe Stunde Zeit, uns zu säubern, um dann wieder circa 200 Meter zurück zu unserer Unterkunft marschieren zu dürfen", berichtete Lina.

Nach ein paar Wochen hatten die angehenden Polizisten sich selbst aus mehreren Gartenschläuchen eine Dusche gebaut, mussten aber vorher schriftlich wegen des erhöhten Wasserverbrauchs um Erlaubnis bitten.

"Das Abendessen haben wir schon beim Mittagstisch erhalten. Es gab immer ein Stück Wurst oder Käse, fein säuberlich pro Person in Papier eingepackt, dazu etwas Butter und einen Korb Brot mit exakt zwei Scheiben pro Person. " Die großen Nutznießer waren damals der Kantinenpächter und die nahegelegene Gaststätte Bayern-schanz mit dem Ehepaar Mayer, "die für uns wie Eltern waren", wie die Männer erzählten.

Auch über die damalige Ausbildung wurde viel gesprochen.
Während heutzutage die jungen Auszubildenden vom ersten Tag an auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet werden und nach Beendigung der Ausbildung nahtlos fast alle polizeilichen Aufgaben wahrnehmen können, waren die meisten Kollegen damals nach ihrer zweieinhalbjährigen Ausbildung nicht einmal in der Lage, eine einfache Anzeige selbstständig zu erstellen.

"Was habt ihr denn in diesen zwei Jahren in Eichstätt gelernt? ", fragte ein Ehemaliger, der damals nach wenigen Wochen gekündigt hatte, um die Firma seiner Eltern zu übernehmen. "Wir haben fast täglich große und schwere Telefonkabeln mit Rollen kilometerweit getragen und verlegt", entgegneten die Leute vom ersten Zug. "Wir sind meist täglich mit unseren Motorrädern in ganz Bayern auch im Winter bei Eis und Schnee umhergefahren und wurden zu perfekten Motorradfahrern ausgebildet. "

Jeden Freitag kurz vor Dienstschluss hieß es: "Zimmerappell mit Überprüfung der Stube, der Schränke und der Waffen! " Nicht selten wurde dann ein Nachappell manchmal bis zu einer Stunde nach Dienstschluss angeordnet.
 
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