Mittwoch, 21. November 2018
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In Eichstätt formiert sich eine Initiative, die das Gebäude mit bürgerlichem Engagement anpacken will

Neue Ideen für den alten Bahnhof

Eichstätt
erstellt am 07.05.2018 um 18:25 Uhr
aktualisiert am 17.07.2018 um 09:36 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Engagierte Eichstätterinnen und Eichstätter entwickeln derzeit neue Visionen für das alte Stadtbahnhofsgebäude: Es könnte ein Kultur- oder ein Bürgerbahnhof werden - und zwar mit großem bürgerschaftlichen Einsatz.
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Fotos: Chloupek
Eichstätt
Die Situation ist bekannt und ziemlich verfahren: Das markante neubarocke Gebäude, erbaut zur vorigen Jahrhundertwende, ist in Besitz der Stadt, denkmalgeschützt, derzeit weitgehend ungenutzt und müsste dringend generalsaniert werden. Das soll Schätzungen der Stadtverwaltung zufolge rund 3,5 Millionen Euro kosten - zu viel für die knappe städtische Haushaltskasse.

Ohne Sanierung lässt es sich nicht zum Beispiel an die Universität vermieten, lässt es sich nicht etwa als Tourist-Information mit Gastronomie im Erdgeschoss oder gar als "Haus der Musik" mit Räumen für Musikschule und Stadtkapelle nutzen. Es steht also weiter weitgehend leer und bleibt ungenutzt. Deshalb wird im Stadtrat seit Monaten der SPD-Vorschlag diskutiert, das Gebäude zu verkaufen. Allerdings hat die Stadt erst vor zwei Jahren 120000 Euro in die Bandübungsräume im Keller investiert. Und um den Stadtbahnhof herum wächst die immer besser frequentierte Spitalstadt.

Und hier melden sich nun Jennifer Kammler, Julia Deane, Jochen Grammer und Tom Muhr zu Wort, die auch mit der Initiative "Achtung Kultur" schon für mehr Kulturräume in der Stadt eintreten. Sie versammeln derzeit Eichstätter Kulturschaffende und Interessierte, um gemeinsam Ideen für den Stadtbahnhof zu entwickeln. Dabei soll es darum gehen, Räume zu schaffen, die möglichst allen gehören, in denen verschiedene Begegnungen und Veranstaltungen machbar sind - eine Art Bürgertreff.

Am Freitagabend kamen nun gut zwei Dutzend Eichstätterinnen und Eichstätter in einem Schulungsraum der Berufsschule zu einer Auftaktveranstaltung zusammen, um den Gedanken aufzunehmen und mit Leben zu füllen. Bald schwirrten schon viele schöne Ideen durch den Raum.
Was wäre im Bahnhofsgebäude überhaupt möglich, was ist dabei zu beachten? Bei der Auftaktveranstaltung kam schon eine ganze Reihe von konkreten Ideen zustande. Das Ziel: den alten Bahnhof mit neuem Leben füllen ? ohne dass die Stadt dafür enorm hohe Sanierungskosten ausgeben muss.
Was wäre im Bahnhofsgebäude überhaupt möglich, was ist dabei zu beachten? Bei der Auftaktveranstaltung kam schon eine ganze Reihe von konkreten Ideen zustande. Das Ziel: den alten Bahnhof mit neuem Leben füllen ? ohne dass die Stadt dafür enorm hohe Sanierungskosten ausgeben muss.
Fotos: Chloupek
Eichstätt




Die Gruppe war bunt gemischt: Mit Fred Pfaller (SPD), Oliver Haugg (Grüne) und Adalbert Lina (FW) waren auch Stadträte dabei, dazu Kulturschaffende wie Angelika Süss, Rebecca Böhm von Pro-Eichstätt, die Leiterin der Universitätsbibliothek, Maria Löffler, und für das neue Transferprojekt "Mensch in Bewegung" der Katholischen Universität auch Maria Bartholomäus.

Naiv ging dabei kaum jemand zu Werke. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ist durchaus bewusst, dass zunächst strukturelle und organisatorische Fragen zu klären sind: "Was sind die ersten Schritte?", "Was sind die größten Hürden?". Hier gilt es, mit Oberbürgermeister Andreas Steppberger und der Stadtverwaltung in Kontakt zu bleiben, um zu sehen, was überhaupt machbar wäre. "Wir wollen ja für und mit der Stadt etwas machen, und nicht gegen jemanden", sagt Jennifer Kammler.

Auch die Frage, wer die Verantwortung übernimmt und welche Trägerschaft so ein Projekt haben könnte, gibt es schon erste Lösungsansätze: "Wir müssen das nicht alles neu erfinden", meint Tom Muhr, es gebe bereits eine ganze Reihe von Kultur- und Bürgerbahnhöfen im Land. "Dieses Modell macht gerade richtig Schule." Im benachbarten Weißenburg etwa oder im schwäbischen Leutkirch. Dort haben Bürgerinnen und Bürger sogar eine Genossenschaft gegründet, die das Gebäude saniert und einer neuen öffentlichen Nutzung zugeführt hat, ohne die Stadtkasse damit zu behelligen. Die Leutkirchner Macher könnte man gut zu einem Vortrag nach Eichstätt holen - das war einer jener Gedanken zur Frage, was denn nun zügig zu machen sei. Denn auch wenn das Projekt insgesamt beeindruckend anspruchsvoll und langfristig erscheint: Es soll jetzt zügig mit kleinen Schritten und Zwischennutzungen beginnen, damit sich die Idee in der Stadt festsetzt und entwickelt. Das nächste Treffen sollte deshalb vielleicht schon in der Schalterhalle des Bahnhofs stattfinden, dort könnte es auch zügig Ausstellungen, Treffen, Flohmärkte, kleine akustische Konzerte und anderes mehr geben. Falls das nicht möglich wird, dann böte sich der Bahnhofsplatz für solche Aktionen an. Die Grundvoraussetzung für den Erfolg ist, dass eine positive Grundstimmung für das Vorhaben bei Stadtrat und Bevölkerung geschaffen wird. "Wir müssen Emotionen wecken und Mut machen", fasst Jochen Grammer zusammen.

Am 4. Juni soll es um 20 Uhr ein nächstes Treffen geben, zu dem weiterhin alle Interessierten willkommen sind - wo, muss noch organisiert werden. Wer mitmachen will, kann sich per Mail an : kulturbahnhof-eichstaett@gmx.de melden und wird dann in den Verteiler aufgenommen.

Kommentar
 

Es gibt tatsächlich noch einige Hürden zu überwinden, bevor diese Vision vom Kultur- oder Bürgerbahnhof in Eichstätt tatsächlich Gestalt annehmen kann.Zunächst muss sich eine tragfähige ehrenamtliche Struktur finden, die diese Herausforderung auch langfristig stemmen kann. Die Verantwortlichen der Stadt müssen dem aufgeschlossen gegenüberstehen. Und natürlich gibt das Ganze nur dann Sinn, wenn es die Bevölkerung auch annimmt.

Vielleicht kann es ja wirklich gelingen, den Stadtbahnhof öffentlich nutzbar zu machen, ohne die Stadtkasse über Gebühr zu strapazieren und dabei noch das kulturelle und gesellschaftliche Miteinander in der Stadt zu stärken. Wenn das in Leutkirch und vielen anderen Orten funktioniert, warum nicht in Eichstätt. Ob nun als bürgerliche Genossenschaft oder in einer anderen Form. Der Gedanke ist wirklich zu schön, um ihn jetzt schon mit zu großen Bedenken gleich wieder abzuwürgen, zumal es außer Verkauf keine bessere Idee zum Bahnhof gibt. Also: Nur Mut. Eva Chloupek
Eva Chloupek
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