Dienstag, 11. Dezember 2018
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Wächter, Weidenmandel und Moai im Rechtlerwald bei Badanhausen

Vergängliche Kunstwerke aus Holz

Kinding/Badanhausen
erstellt am 10.08.2018 um 15:56 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Kinding/Badanhausen (EK) Dass der Wald neben der anstrengenden Arbeit und den vielen Problemen auch noch Zeit und Muße lässt, kreativ zu werden, zeigt sich bei einem Projekt, das der Vorstand der Rechtler im Wald bei Badanhausen, Martin Blamberger, verwirklicht hat.
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?Land-Art? im Rechtlerwald bei Badanhausen. Martin Blamberger ist Initiator des Projekts, unterstützt wird er von Andreas Jakob.
"Land-Art" im Rechtlerwald bei Badanhausen. Martin Blamberger ist Initiator des Projekts, unterstützt wird er von Andreas Jakob.
Fotos: Lund
Kinding/Badanhausen
"Der Wald ist ein elementarer Lebensraum und hat für uns Menschen eine unschätzbare Bedeutung", so heißt es auf der Internetseite der Bayerischen Staatsforsten. Er speichert sauberes Wasser und schenkt uns Sauerstoff. Er ist einer der größten Kohlendioxid-Speicher und damit effektiver Klimaschutz. Er liefert den Rohstoff Holz und lässt unser Seele auftanken.

Doch die Forstwirte haben es zurzeit nicht leicht, denn der wiederkehrende Borkenkäferbefall, Sturmwürfe der letzten Jahre, Nachbesserungen der durch Trockenheit ausgefallener Kulturen verlangen von den Waldbesitzern und Forstwirten einiges ab, berichtet Förster Andreas Jakob, der für das Forstrevier Kinding am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ingolstadt zuständig ist. Ihm zugeordnet ist auch der Rechtlerwald Badanhausen mit einer Fläche von 48,1 Hektar und einem jährlichen Hiebsatz von 262 Festmetern.
 
Fotos: Lund
Kinding/Badanhausen



Der Wald ist in 16 Rechte aufgeteilt, Rechtlervorstand ist Martin Blamberger. Auch dieser Wald ist mit 58 Prozent Fichtenbestand stark vom Borkenkäfer geplagt. Während einer Rundfahrt Anfang August macht der erfahrene Förster auf ein neues "Käferloch" mit 50 befallenen Bäumen aufmerksam. Doch Zimmerer Martin Blamberger, lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Seine Leidenschaft gilt ganz dem Holz. Und dies bringt er nicht nur in der Waldarbeit beim Fällen, Roden, wieder Anpflanzen und Pflegen zum Ausdruck, sondern auch in "vergänglichen" Kunstwerken, natürlich aus Holz. Aufmerksame Wanderer können die großen und kleinen Kunstobjekte entlang der Wanderwege und an ausgefallenen Orten im Rechtlerwald Badanhausen entdecken. Da sind Wächter, sitzende Buddhas oder eine riesige Anubis mitten im Wald zu sehen, Weidenmandel, "Dickes und Tickies", wie er sie nennt. Manchmal lässt er sich von Filmen inspirieren oder einfach auch von der Form, den ein Holzstück aufweist. Sein nächstes, großes Projekt ist ein Dinosaurier.

Hilfe bekommt er beim Aufstellen gerade bei solch großen Figuren von Franz Wolfsteiner aus Haunstetten. "Die kleineren habe ich im Garten aufgestellt, weil es meiner Frau gut gefällt", erzählt er weiter. An einen Hang gelehnt erscheinen Köpfe von Moai-Statuen, so dass man sich auf die Osterinseln in Chile versetzt fühlt. "Die Mönche der Benediktiner-Abtei Plankstetten sind extra nach Badanhausen gewandert, um die Moai zu sehen" berichtet Blamberger nicht ohne Stolz.
 
Fotos: Lund
Kinding/Badanhausen



Vor fünf Jahren etwa habe er angefangen, die ersten krummen Stämme oder Wurzelreste, die im Wald liegen geblieben sind, mit seiner Motorsäge zu bearbeiten. Es war einfach zu schade, dass nichts damit passiert. Damit die Struktur des Holzes erhalten bleibt, setzt er am liebsten nur die Kettensäge ein, manchmal noch ein Schnitzmesser. "Carving" heißt diese Arbeitstechnik, die er meisterhaft beherrscht.

So entstehen Katzen und Schildkröten, Osterhasen an Ostern. Manchmal steht auch ganz überraschend eine Figur vor dem Büro von Förster Andreas Jakob, der sich sichtlich über diese Arbeiten freut. Zeigen sie doch, dass der Wald neben der anstrengenden Arbeit und den vielen Problemen auch noch Zeit und Muße lässt, kreativ zu werden. Blamberger sieht diese Arbeit als entspannenden Ausgleich zu seinem Beruf. Wer nun den Badanhausener Wege entlangläuft, darf sich auf der Schneckenbank, im Schatten der Bäume, ausruhen, innehalten und dankbar über den großartigen Wald in unserer Gemeinde sein, dankbar auch all denen, die ihn mit großer Leidenschaft und hohem Arbeitseinsatz pflegen.
Sabine Lund
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