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Auseinandersetzung um Windräder bei Maierfeld um ein weiteres Kapitel reicher

Ausgesperrt

Titting
erstellt am 23.11.2011 um 19:17 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:57 Uhr | x gelesen
Titting/Kinding (EK) Stell dir vor, du hast eine Baustelle – und kommst nicht mehr dorthin. So geht es Günter Beermann, der bei Maierfeld vier Windräder errichten will. Nun haben die betroffenen Gemeinden Titting und Kinding die Zufahrtswege dichtgemacht – aus gutem Grund, sagen deren Bürgermeister.
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Titting: Ausgesperrt
Die Vorarbeiten auf Kindinger Gebiet haben bereits begonnen. Eine Bautafel kündet von der Genehmigung der Windräder durch das Eichstätter Landratsamt - Fotos: kno
Titting
Wie mehrfach berichtet, will die Beermann Windkraft GmbH & Co. Maierfeld KG mit Sitz in München auf der Anhöhe zwischen Altdorf (Gemeinde Titting) und Erlingshofen (Gemeinde Kinding) vier Windkraftanlagen mit je 180 Metern Gesamthöhe bauen. Die Vorarbeiten für zwei Windmühlen auf Kindinger Gebiet haben bereits begonnen. Momentan allerdings ruhen die Baustellen, denn auf den Wegen dorthin prangen diverse Schilder, die Lastwagen die Durchfahrt untersagen.

Zu Recht, erklärt der Tittinger Bürgermeister Martin Heiß, der die Verbotsschilder aufstellen ließ, auf Anfrage des EICHSTÄTTER KURIER. Denn mit Bauherr Günter Beermann gebe es noch keine Vereinbarung über die Benutzung der Wege. Die schweren Baufahrzeuge seien von Altdorf her angerückt, und es seien bereits Schäden entstanden. Niemand wisse derzeit, wer letztlich dafür aufkommen soll. Unter anderem seien Hecken abgeschnitten und Bäume gefällt worden. Die für den Unterhalt diverser Feldwege dort verantwortliche Jagdgenossenschaft habe sich ebenfalls schon bitter beschwert, so Heiß weiter, zumal die Baufahrzeuge wohl „kreuz und quer“ in dem Gebiet umhergefahren seien: „Wir kriegen da einen Mordsärger.“ Daher müsse die Erschließung der Baustellen vertraglich geregelt sein. Heiß pocht auf die Gewährleistung, dass die Firma Beermann für die Wiederherstellung der Wege geradesteht.

Ins gleiche Horn stößt Kollegin Rita Böhm aus Kinding: Grundsätzlich sei der Weg von Erlingshofen aus schon seit den 1960er Jahren gesperrt. Die Schilder seien jetzt allerdings „aktualisiert“ worden. Es sind nun auf jeden Fall die gleichen, die auch die Hochebene bei Maierfeld zieren. Auch Böhm will eine Sondernutzungsregelung: „Das ist Standard, und dafür gibt es auch Musterverträge.“ Diese Regelung, betont Böhm, hätte schon vor Beginn der Arbeiten getroffen werden müssen.

Ganz anders sieht das Günter Beermann: Die Straße über Erlingshofen sei sowieso nicht infrage gekommen, weil sie für schwere Fahrzeuge nicht tragfähig ist. Die zwei Möglichkeiten, über Tittinger Seite zum Ziel zu kommen, seien inzwischen gesperrt. Beermann wirft dem Tittinger Bürgermeister Martin Heiß vor, den Bau damit eingestellt zu haben: „Er lässt uns nicht zu unseren Grundstücken fahren.“ Er habe, so Beermann weiter, Klage vor dem Münchner Verwaltungsgericht eingereicht. Schließlich entstünden durch die Verzögerungen Kosten, und für diese sei die Gemeinde Titting im Zweifelsfall schadensersatzpflichtig: „Das könnte extrem teuer werden.“

Gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER betont Beermann, er habe sehr wohl eine Vereinbarung zur Kostenübernahme möglicher Schäden treffen wollen. Nur sei der Tittinger Bürgermeister nicht darauf eingegangen. Vielmehr habe dieser mit den Verbotsschildern einen weiteren „Nadelstich“ gesetzt. Beermann spricht offen davon, dass Heiß die Windkraftanlagen nach wie vor verhindern wolle. Nicht umsonst werde sich der Marktgemeinderat in seiner heutigen Sitzung mit der entsprechenden Klagemöglichkeit beschäftigen, so Beermann.

Die Vorgeschichte um die vier Anlagen ist tatsächlich pikant: Beide Gemeinden verweigerten den Plänen von Beermann das Einvernehmen, hatten aber gegen die Genehmigung durch das Landratsamt letztlich keine Chance. Die Gemeinde Titting zog sogar vors Verwaltungsgericht – hier ist die Entscheidung noch offen – und verweist auf das derzeit laufende Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans. In dessen Zuge sollen Konzentrationsflächen für Windenergie ausgewiesen werden – allerdings woanders. Das Verfahren dürfte sich noch eine ganze Weile hinziehen.

Von Jürgen Knopp
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