Donnerstag, 17. Januar 2019
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Mahmoud Abdallah sprach sich beim K'Universale für ein fruchtbares Verständnis aller Religionen aus

"Theologie des Zusammenlebens"

Eichstätt
erstellt am 09.12.2018 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 13.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Ein "Grenzgänger und Dolmetscher zwischen den Kulturen" - so führte der Mitorganisator der Vortragsreihe K'Universale, Professor Martin Kirschner, den Gastreferenten und Islamtheologen Mahmoud Abdallah vom Zentrum für Islamische Theologie an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität ein.
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Der Islamtheologe  Mahmoud Abdallah referierte über seine Visionen einer fruchtbaren ?Theologie des Zusammenlebens? aller Glaubensrichtungen in Europa.
Der Islamtheologe Mahmoud Abdallah referierte über seine Visionen einer fruchtbaren "Theologie des Zusammenlebens" aller Glaubensrichtungen in Europa.
Kusche
Eichstätt
In seinem Vortrag "Europäischer Islam: Sinn oder Unsinn eines Begriffs" setzte sich der sowohl in der islamischen Seelsorge als auch in Fragen des interreligiösen Dialogs stark engagierte Wissenschaftler mit den Herausforderungen der wachsenden Präsenz des Islams in Europa auseinander.

Gibt es einen europäischen Islam? Diese Frage beschäftigt schon lange Politiker ebenso wie Theologen, Gesellschaftskritiker wie Soziologen. Für den Islam-Theologen Mahmoud Abdallah gibt es keinen Zweifel, dass die drei großen monotheistischen Religionen, also der Islam, das Juden- und des Christentums kulturell eng miteinander verknüpft seien. Doch gerade der Islam werde oftmals als befremdlich wahrgenommen und stehe für ein "anderes Europa", sagte er. Mit einem kurzen Rückblick auf den Beginn der Debatte um den Islam in Europa, als viele der ursprünglichen Gastarbeiter aus muslimischen Ländern in Deutschland blieben, ihre Familien nachholten und sich die Frage nach Identität, Glauben und Religion stellten, erläuterte Abdallah eindrücklich den Kernpunkt der Diskussion um den Islam: "Im Glauben bekennt man sich nicht nur zu einer Religion, sondern auch zu einer konkreten Gemeinschaft von Gläubigen", betonte der Islamtheologe. Mit dem deutsch-syrischen Politologen Bassam Tibi und dem schweizerisch-ägyptischen Islamwissenschaftler und Publizisten Tariq Ramadan stellte Abdallah seinem Publikum die Positionen zweier Vordenker eines "Euro-Islam" und eines "europäischen Islams" vor. Bassam Tibi, so erläuterte der Islamexperte, begreife einen "Euro-Islam" als europäisch-islamische Synthese im Rahmen der Europäisierung des Islam, der auch den Abschied von der Scharia und des Dschihad bedeute, welche die Integration von Muslimen in Europa behindere. Euro-Islam bedeute also, dass in Europa lebende Muslime die Trennung von Religion und Staat akzeptierten.

Einen vielversprechenden Konzeptentwurf stellte Mahmoud Abdallah abschließend in einer "Theologie des Zusammenlebens" vor, die er als "Zukunftsvision" und "zukunftsorientierte Theologie" präsentierte. Dieses Konzept wolle auf der Basis von gegenseitiger Toleranz, Anerkennung und Wertschätzung als eine Theologie verstanden werden, die sich um ein grundlegendes und fruchtbares Verständnis aller Religionen bemühe. Dabei müssten aus islamischer Sicht vier große Gebiete einbezogen werden: Dogmatik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Entscheidend sei, dass eine Theologie des Zusammenlebens das Bewusstsein dafür stärken soll, dass die vier Dimensionen des Muslim-, Christ- oder Jude-Seins, des Mensch-Seins, des Deutsch-Seins und des Bürger-Seins keinesfalls im Widerspruch zueinander stehen, sondern sich ergänzten und gegenseitig stärkten. Eine Theologie des Zusammenlebens im Islam solle sich somit sowohl nach innen als auch nach außen ausrichten, so resümierte Mahmoud Abdallah abschließend: "Meine Hoffnung ist es, dass diese Theologie zum einen die inner-islamischen Konflikte entschärfen und den intrareligiösen Dialog stärken, zum anderen den europäisch-islamischen Dialog fördern und die Regelungen des Zusammenlebens der Menschen aller Glaubensrichtungen gestalten kann."

Am Montag, 10. Dezember, 18.15 bis 19.45 Uhr, spricht Bea Klüsener, Fachbereichsleiterin für Englisch und seltener unterrichtete Sprachen an der Bergischen Volkshochschule Solingen Wuppertal, über das Thema "This European world of ours? Perspektiven auf Europa in der englischen Literatur". Der Vortrag findet im Kollegiengebäude KGA I, Raum 201, statt.

Dagmar Kusche
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