Montag, 22. Oktober 2018
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Altes Stadttheater drückt seinem Defizit von etwa 250.000 Euro pro Jahr auf den eh schon klammen Stadtsäckel

Sanierung mit "rentierlichen Schulden"

Eichstätt
erstellt am 15.05.2018 um 20:11 Uhr
aktualisiert am 19.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Eichstätt und sein Altes Stadttheater: Mit seinem Defizit von etwa 250.000 Euro pro Jahr drückt es auf den eh schon klammen Stadtsäckel, jeder Cent wird dreimal umgedreht. Wie machen das eigentlich andere Städte? Bei einer Exkursion des Eichstätter Kreistags zum Thema Tourismus stand zufälligerweise auch eine Besichtigung der Baustelle der Stadthalle Gunzenhausen auf dem Programm. Die wird derzeit für gut 17 Millionen Euro generalsaniert.
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So soll die neue Stadthalle in Gunzenhausen aussehen. Das 17-Millionen-Projekt stellten Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (unten, links) und Tourismuschef Wolfgang Eckerlein (rechts) den Eichstätter Kreistagsmitgliedern bei einer Exkursion vor.
So soll die neue Stadthalle in Gunzenhausen aussehen.
Grafik: Haindl+Kollegen
Eichstätt
Gunzenhausen. 17.000 Einwohner, also gut 25 Prozent mehr als die Kreisstadt Eichstätt. Und eine Urlaubsdestination mitten im Fränkischen Seenland, am Altmühlsee gelegen und direkt am Limes. Mit diesem Dreiklang wirbt die Stadt auch - und investiert einiges an Geld, wie Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und Tourismus- und Kulturamtschef Wolfgang Eckerlein bei einer Exkursion des Eichstätter Kreistags nicht ohne Stolz berichtet hatten. Und was bei Eichstätts Oberbürgermeister Andreas Steppberger, der der Delegation angehörte, bisweilen staunende Blicke hervorrief.

Das 17-Millionen-Projekt stellten Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (links) sowie Tourismuschef Wolfgang Eckerlein den Eichstätter Kreistagsmitgliedern bei einer Exkursion vor. 
Schneider
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350.000 Euro Tourismusbudget hat Eckerlein zur Verfügung, weitere 100.000 Euro stellt ihm der Stadtrat jedes Jahr für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung. "Das sind fast eine halbe Million Euro, die wir für Einheimische und Gäste investieren", sagt Fitz. Aber das sei wichtig. Hinzu komme nun aktuell noch ein großer Batzen für die Sanierung der großen, in die Jahre gekommenen Stadthalle: 17 Millionen Euro kostet die umfassende Erneuerung der Veranstaltungshalle. "Wir mussten sanieren", sagt Fitz vor der großen Baustelle am Stadtrand. Man habe sich für eine "vernünftige Lösung" entschieden. Auch wenn das Geld "eine Ansage" für den Stadtsäckel sei, so Fitz. "Das ist der richtige Schritt", es seien aber rentierliche Schulden, die man auf sich nehme.
 
Schneider
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Die werden im Stadthaushalt, der für 2018 ein Volumen von 60,5 Millionen Euro hat (imVergleich Haushalt der Stadt Eichstätt: Ergebnisplan 25 Millionen Euro und Investitionsplan 15 Millionen Euro), auch eigens so aufgelistet: 2018 nimmt Gunzenhausen 7,4 Millionen Euro an Schulden auf, die rentierlichen Schulden - aus denen also wieder Einnahmen zu erwarten sind - taxiert die Kämmerei auf 2,4 Millionen Euro (Eichstätt: vorgesehene Neukreditaufnahme von 1,8 Millionen Euro). Die Gesamtverschuldung der Stadt Gunzenhausen liegt dann voraussichtlich bei etwa 21 Millionen Euro (Eichstätt: 10 Millionen). Während die Stadt Eichstätt 5,3 Millionen Euro Gewerbesteuer einnimmt, rechnet Gunzenhausen mit 7,2 Millionen Euro. Und bei der Einkommenssteuer kalkuliert Gunzenhausen mit 8,5 Millionen Euro, Eichstätt mit 9 Millionen Euro. Eine Randbemerkung: Gunzenhausen ist im Gegensatz zu Eichstätt allerdings keine Große Kreisstadt und muss deshalb einiges weniger an Aufgaben stemmen als Eichstätt, washalb sich ein Vergleich nicht eins zu eins herstellen lässt.

Das Defizit des Gunzenhausener Kulturtempels liegt nach Aussage von Bürgermeister Fitz bei etwa 300000 Euro pro Jahr. Nun soll die Stadthalle in einen Eigenbetrieb überführt werden, mitsamt eigenem Amt, um die kulturellen Belange noch besser bündeln zu können, so der Bürgermeister. "Ich möchte hier eine eigene Schiene aufbauen, die sich kümmert, das bisherige fortführt und neue Nutzungen akquiriert", so Fitz. Für die Leitungsfunktion dieses Amtes hätten sich 52 Bewerber aus ganz Deutschland interessiert gezeigt, den Zuschlag habe ein 53-Jähriger aus Oberhausen bekommen. "Ich brauche da einen Profi", sagt Fitz. Das "wirtschaftliche Potenzial" ist da. Immerhin habe es vor der Sanierung durchschnittlich etwa 160 Veranstaltungen pro Jahr gegeben - Kultur und Tagungen gleichermaßen. Davon sind viele, die es seit Jahren im Veranstaltungskalender der Stadt gebe, inklusive eigenem Abo. Und daher sei das Geld, so ist Fitz überzeugt, gut angelegt.
 

Noch wird kräftig gewerkelt: Am Ende soll hier die neue Gunzenhausener Stadthalle stehen ? für insgesamt fast 17 Millionen Euro. Sie hat drei wabenartig angeordnete Säle, die zusammen oder getrennt verwendet werden können (siehe Grafik). Das Prestigeprojekt der Stadt schauten sich Vertreter des Kreistags an (unten rechts).
Noch wird kräftig gewerkelt: Am Ende soll hier die neue Gunzenhausener Stadthalle stehen - für insgesamt fast 17 Millionen Euro.
Schneider
Eichstätt


Immerhin gilt Gunzenhausen auch als übernachtungsstärkste Stadt entlang der Altmühl - auf immerhin 227 Kilometern, wie Tourismusamtschef Wolfgang Eckerlein den Kreistagsmitgliedern bei einem Rundgang erläutert: In der Tourismussaison freue man sich über rund 300.000 Übernachtungen, bei etwa 80.000 Gästen. Insgesamt, so gibt Eckerlein zu Protokoll, hat Gunzenhausen gut 1400 Betten zur Verfügung - darunter auch "genug Nachwuchs bei Neuvermietern". Jetzt sei es gerade noch etwas ruhiger, aber "ab Pfingsten brummts". Man verstehe sich als "Entschleunigungsstation" entlang der Altmühl, die direkt am Stadtkern vorbeifließt. Und auch hier investiert die Stadt, wie der stellvertretende Stadtbaumeister Thomas Hinterleitner der Kreistagsgruppe aufzeigte: Die Altmühlpromenade wird vollkommen neu gestaltet - nicht nur, weil ein Hochwasserschutz hermuss. Der allein kostet etwa 3 Millionen Euro. Im gleichen Zug wird die Altmühl auf rund 500 Metern renaturiert - was aber das Wasserwirtschaftsamt Ansbach übernimmt.

Naturpark-Geschäftsführer Christoph Würflein, der die Exkursion des Kreistags begleitete, fand für alles lobende Worte: "Solche Dinge sind für den Tourismus genauso wie für die Einheimischen enorm wichtig."
Marco Schneider
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