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"Rose ist eine Rose ist eine Rose"

erstellt am 21.07.2008 um 19:19 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:39 Uhr | x gelesen
Eichstätt (klf) 1938 schrieb Gertrude Stein ihr Kinderbuch "Die Welt ist rund". Protagonistin ist darin ein Mädchen namens Rose, das einen Berg besteigt. "Auf dem Weg nach oben bleibt sie stehen und schreibt ihren Namen in eine Baumrinde: ROSE. Und weil sie das Schöne liebt und ihr Name zugleich die schönsten aller Blumen bezeichnet schreibt sie: Rose ist eine Rose. Und weil der Baum nun einmal rund ist und man ohne abzusetzen weiterschreiben kann, wird daraus: Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose …", heißt es bei Stein weiter.
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Luc Piron, Professor für Grafik an der Hochschule der Künste in Brüssel bringt in seinem Ausstellungsbeitrag zum Hortus Wander Wunder Kammer-Projekt in Eichstätt Gertrude Stein Konkretionskunst der Worte und Begriffe auf den Punkt – sprich in die Bildfläche aus groß gerasterten Digitaldrucken und konkreter Schwarzkunstfläche. Paarweise stellt er verfremdetes Abbild und konkrete Fläche zusammen und durchstreift, für den Kunstbetrachter freilich kaum erkennbar, damit die gesamte Technikgeschichte des Druckens, wie sie sich seit Basilius Beslers Hortus-Kupfern weiterentwickelt hat. Indem er digitale Repros der Rosen aus dem Hortus-Folianten bearbeitet, stößt Piron doch wieder auf den Urgrund der Sichtbarkeit eines Druckerzeugnisses. Aus dem Dunkel muss der Gegenstand ans Licht gehoben werden, mit technischen Möglichkeiten wird das Abbild in ein Raster gepresst oder in 0 und 1 aufgelöst, um derart gepixelt im Druck und im Auge des Betrachters wieder eins zu werden.

Es scheint sich letztendlich durch diese Kunst Pirons das Abbild aus dem Hortus Eystettensis ein Druckbild, einen gedruckten Begriff von sich machen zu wollen. Der Betrachter bleibt dabei nur der stille Beobachter, der sich wundern mag und darf über den Gang der Technik, der Kunst und die Geschichte "round the roses".

Die zum Hortus-Gedanken des Überlieferns durch Abbilden nachgerade kongeniale Bilderkunst des Luc Piron ist bis 26. September in den Räumen der Medienzentrale Eichstätt zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. In den Schulferien sollte man sich für einen Besuch unter Telefon (0 84 21) 50-651 anmelden.

Von Ruediger Klein
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