Dienstag, 11. Dezember 2018
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Schüleraustausch am Willibald Gymnasium - Workshop im Jura-Museum

Plätzchen statt Feldpostkarten

Eichstätt
erstellt am 07.12.2018 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 07.12.2018 um 22:19 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Als vor Kurzem knapp 20 französische Schüler vom Collège Buvignier in Verdun zu einem Austausch am Willibald-Gymnasium eintrafen, erinnerte sich so mancher Geschichtskundige an die Ereignisse vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg. Und so wurden im Laufe des Aufenthalts auch immer wieder Parallelen zur schmerzhaften deutsch-französischen Vergangenheit gezogen.
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Bei einem Empfang im Spiegelsaal stellte Landrat Anton Knapp der deutsch-französischen Gruppe des Willibald-Gymnasiums den Landkreis Eichstätt vor.
Bei einem Empfang im Spiegelsaal stellte Landrat Anton Knapp der deutsch-französischen Gruppe des Willibald-Gymnasiums den Landkreis Eichstätt vor.
Kraus
Eichstätt
Landrat Anton Knapp, der sich eine Stunde Zeit nahm, um die Gruppe mit ihrer Lehrerin Chloé Marck zu empfangen, erklärte unter anderem das Deckengemälde im Spiegelsaal, das als ein zentrales Anliegen die Botschaft des Friedens vermittelt.
Schulleiter Claus Schredl verwies auf ein Album, das sich im Direktorat des Willibald-Gymnasiums befindet und Feldpostkarten ehemaliger Schüler an den damaligen Direktor enthält. Viele seiner Schüler kämpften vor Verdun und ahnten beim Schreiben bereits, dass sie diesen "großen Krieg" - wie ihn die Franzosen heute noch nennen - nicht überleben würden.

Wenn die Eichstätter Schüler im kommenden Frühjahr unter der Leitung von Johanna Baumann und Michaela Brunner nach Verdun aufbrechen - so Schredl - ,werden sie sicher nicht von "Existenz bedrohenden Krisen, Heimweh und fürchterlicher Angst schreiben, sondern von gemeinsamen Unternehmungen und geschlossenen Freundschaften berichten".
Waren die Teilnehmer der Gruppe anfangs etwas schüchtern, entwickelten sie sich im Lauf des Austauschs zu aufmerksamen Beobachtern insbesondere des Schullebens, die sich aufgeschlossen für Neues schnell integrierten. Zwei Pausen allein am Vormittag und ein Pausenverkauf direkt an der Schule betrachten die Franzosen als außergewöhnlichen Service, und die geliebte Curry-Wurst steht offensichtlich in französischen Schulkantinen nicht mehr auf dem Speiseplan. Mögen die Deutschkenntnisse zwar noch nicht gereicht haben, um in allen Fächern dem Unterricht vollends zu folgen, glänzte ein französischer Schüler in Mathe, als er an der Tafel souverän eine Aufgabe löste, die die Deutschen gerade besprachen.

Besonders schwer fiel den französischen Gästen das frühe Aufstehen - in Frankreich beginnt die Schule oft erst gegen 9 Uhr, dauert aber dafür den ganzen Tag; andererseits bot der für sie ungewohnte freie Nachmittag unerwartete Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Neben einer Stadterkundung fand ein Ausflug auf die Willibaldsburg besonderen Anklang. Dort durften die Schüler unter Anleitung aus Jurasteinen kleine Schmuckstücke herstellen. Den Höhepunkt stellte eine Fahrt nach Nürnberg dar. Im Anschluss an eine Stadtführung war eine Führung durch die Lebkuchenfabrik Schmidt organisiert worden, bei der man ofenfrische Lebkuchen probieren durfte.

Passend zur Jahreszeit hatten viele deutsche Eltern mit ihren französischen Gästen - auch die Buben machten mit - ebenfalls Plätzchen gebacken, die die Gastschüler dann als Geschenk mit nach Hause nehmen durften. Und so werden heuer beim Weihnachtsfest - anders als vor 100 Jahren - in Verdun in einigen Familien kleine Schmuckstücke aus Jurastein und Plätzchen aus Eichstätt auf dem Gabentisch liegen.
Johann Kraus
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