Mittwoch, 19. Dezember 2018
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Willibaldiner engagieren sich bei der diesjährigen Weihnachtsaktion für die Jemenhilfe Deutschland

Ohne Schulheft auf dem Schotter sitzend

Eichstätt
erstellt am 05.12.2018 um 14:58 Uhr
aktualisiert am 09.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) "Alle zehn Minuten stirbt im Jemen ein Kind." Nicht nur bei Äußerungen wie dieser war es mucksmäuschenstill im Musiksaal des Willibald-Gymnasiums (WG), als Aenne Rappel, die Vorsitzende der Jemenhilfe Deutschland, den Schülerinnen und Schülern des WG über die derzeitige Situation im Jemen und über ihre Hilfsprojekte berichtete.
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Die schulischen Verhältnisse zeigen deutlich, dass der Jemen zu den ärmsten Ländern auf der Welt zählt. Aenne Rappel ist die Vorsitzende der Jemenhilfe Deutschland und hat am Willibald-Gymnasium referiert. Der Jemen ist Zielort des WG bei der diesjährigen Weihnachtsaktion.
Die schulischen Verhältnisse zeigen deutlich, dass der Jemen zu den ärmsten Ländern auf der Welt zählt. Aenne Rappel ist die Vorsitzende der Jemenhilfe Deutschland und hat am Willibald-Gymnasium referiert. Der Jemen ist Zielort des WG bei der diesjährigen Weihnachtsaktion.
Rappel, Graf
Eichstätt
Jemen ist Zielort der diesjährigen Weihnachtsaktion des WG.Bereits seit über 25 Jahren zählt die Weihnachtsaktion zu einem festen Programmpunkt im Jahreskalender der Schule. Aus diesem Grund war in der vergangenen Woche Aenne Rappel (kleines Foto) am WG zu Gast: Sie hat es sich als Vorsitzende der Jemenhilfe Deutschland e.V. gemeinsam mit ihrem Förderverein zur Aufgabe gemacht, diesem kriegsgebeutelten, aber trotzdem zumeist von Europa vergessenen Land zu helfen. "Das ist über materielle Hilfsgüter derzeit gar nicht so einfach", sagt Rappel im Rahmen ihres Vortrags, "da die meisten Häfen und Flughäfen zerstört sind." Der einzige Weg, derzeit zu helfen, sei es, Gelder an helfende Hände vor Ort im Jemen zu überweisen.

Im ersten Teil ihres Vortrags informierte Rappel die Schülerinnen und Schüler über die Lebensverhältnisse im Jemen. Auch wenn die Statistik schon mit blanken Zahlen ausweist, dass der auf der arabischen Halbinsel gelegene und dem reichen Saudi-Arabien benachbarte Jemen auf der Liste der ärmsten Länder einen bedauernswerten 14. Platz einnimmt, so konnten sich wohl die wenigsten Schüler vorstellen, was dieses Zahlenmaterial im alltäglichen Leben bedeutet: Schüler sitzen auf einem geschotterterten Boden in der Schule, sie haben kein Schreibmaterial, die Lehrer haben meist lediglich einen halbjährigen Kurs absolviert.

Bilder von dortigen Schulgebäuden lassen eher an Aufnahmen aus der Antike denken als an das 21. Jahrhundert. Auch Wasserquellen sind nur schwer zu finden und nachweislich mit vielen Krankheitserregern belastet. Die Landwirte arbeiten auf dem Feld noch mit Rindern und Geräten aus Holz. "Ich habe dort noch nie einen Traktor gesehen", gibt Rappel zu. Die Analphabetenquote liegt zum Teil bei 80 Prozent.
 
Rappel, Graf
Eichstätt



Dem allen versucht die Jemenhilfe Deutschland entgegenzuwirken. Im April des Jahres 2000 haben daher 20 Personen in Aichach einen Förderverein gegründet, der mittlerweile auf 185 Personen angewachsen ist. Zu den ersten Zielen dieses Vereins zählte der Aufbau eines Krankenhauses. Mit mittelalterlich anmutenden Arbeitsmethoden - bei Grundsteinlegung gab es weder Wasser noch Strom, die Steine wurden per Hand aus dem Felsen geschlagen - wurde dieses kleine Gebäude mit einer Kapazität von acht Betten aufgerichtet. Es werden dort vor allem Personen mit Kriegsverletzungen versorgt. Zudem hat sich der Förderverein auch für den Aufbau eines Waisenhauses eingesetzt.

Dort leben etwa 80 Kinder, zumeist Kriegswaisen. Auch Kriegswitwen mit ihren Kindern haben Unterschlupf gefunden und werden betreut. Die Situation ist oft erbärmlich: Viele Kinder leben im Treppenhaus, einige haben sich einen provisorischen Anbau hinter dem Haus gebaut. Auch wenn die politische Lage nur am Rand thematisiert wurde, hat es Aenne Rappel geschafft, die besondere Bedürftigkeit des Landes den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln und konnte den Zuhörern nahebringen, dass Hilfe immer unparteiisch und an der tatsächlichen Not der Menschen orientiert sein muss.

In den kommenden Wochen wollen nun die Willibaldiner möglichst viel Geld für den Jemen sammeln. Über Kuchenverkauf, Spenden, Einnahmen beim Weihnachtskonzert und dem Verkauf von Armbändern, selbstgezogenen Bienenwachskerzen und Seifen sollen Gelder gesammelt werden. Ziel ist es, 8000 Euro zusammen zu bekommen. Damit ließen sich für einen Monat Nahrungsmittel sowohl für das Krankenhaus als auch für das Waisenhaus und dessen Viertel kaufen.

Andreas Graf
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