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Typisierungsaktion und Infoveranstaltung der DKMS an der Eichstätter Berufsschule

Mund auf und vielleicht bald Leben retten

Eichstätt
erstellt am 21.11.2018 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 25.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) "Ihr müsst Euch bewusst sein, dass jeder von Euch der einzige passende Spender für einen Kranken sein könnte": Eindringlich warb Brigitte Lehenberger von der DKMS an der Staatlichen Berufsschule Eichstätt dafür, sich für die Knochenmarkspenderdatei typisieren zu lassen.
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Mit Wattestäbchen sammelten die Schüler für die Typisierungsaktion der DKMS die genetischen Merkmale, die jeden Menschen einzigartig machen.
Mit Wattestäbchen sammelten die Schüler für die Typisierungsaktion der DKMS die genetischen Merkmale, die jeden Menschen einzigartig machen.
Straßer
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Aber, das war der Ehrenamtlichen wichtig, nicht einfach so, sondern als bewusste Entscheidung, denn: "Bei jungen Leuten werden im Schnitt drei von 100 Typisierten auch zu Spendern." Daher sei sie froh, in der Berufsschule vor so vielen jungen Menschen sprechen zu können, die als potenzielle Spender einem Blutkrebspatienten das Leben retten könnten.

Wie wichtig eine große Anzahl an Typisierten ist, verdeutlichte Brigitte Lehenberger zu Beginn ihres Vortrags. Alle 15 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Als sie vor 16 Jahren begonnen habe, sich für die DKMS zu engagieren, erzählt Lehenberger, seien noch 25 Prozent der Blutkrebspatienten ohne passenden Spender gewesen, heute seien es 10 Prozent. "Und auch für diese Menschen wollen wir jemanden finden." Bei einer Knochenmarkspende gehe es nicht, wie viele fälschlicherweise annehmen, ums Rückenmark: In 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen, in 20 Prozent der Fälle, meist, wenn der Empfänger ein Kind ist, aus dem Beckenkamm.

Typisierungsaktion in Eichstätt


Und das sei wirklich "nichts Dramatisches, mir blieb ein blauer Fleck am Becken und eine Woche lang war ich etwas angeschlagen vom Kreislauf her, aber das wars dann auch", erzählt Christian Bittl den Schülern. Der Fachlehrer hat vor zwei Jahren für seine Schwester Stammzellen gespendet: "Für sie wurde kein idealer Spender gefunden, dann schaut man in der Familie, wer am besten passt", erklärt er.
Dem Vortrag von Brigitte Lehenberger lauschten mit den Schülern Landrat Anton Knapp, Thomas Brandl und Schulleiter Wendelin Ferstl.
Dem Vortrag von Brigitte Lehenberger lauschten mit den Schülern Landrat Anton Knapp, Thomas Brandl und Schulleiter Wendelin Ferstl.
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Beispiele wie dieses machen Mut, weiß Brigitte Lehenberger. Sie zeigt den Schülern deshalb auch ein Video, in dem sich der siebenjährige Marlon vorstellt: Marlon hatte Leukämie und kann dank einer Knochenmarkspende weiterleben. "Das ist das allerschönste Geschenk, das man jemandem machen kann", betont Lehenberger immer wieder. Anschließend erklärt sie, wer sich bei der DKMS typisieren lassen kann: im Prinzip jeder Gesunde zwischen 17 und 55. Spender sollten zwischen 18 und 61 Jahre alt sein und mindestens 50 Kilo wiegen. Zum Typisieren könne man, anders als bei der Blutspende, auch kommen, wenn man erkältet, frisch tätowiert oder schwanger ist. Und: Bei der Typisierungsaktion unterschreibe man lediglich die Bereitschaft für die Suchläufe, mit denen die Datenbank nach passenden Spendern durchforstet wird.

Die große Bedeutung der DKMS betonte in einem Grußwort auch der Eichstätter Landrat Anton Knapp: "Wir tragen alle Verantwortung für unsere Mitmenschen. Die Erkrankten sind auf Spender angewiesen, um weiterleben zu können." Schließlich erklärten sich von den 200 anwesenden Schülern rund 50 bereit, sich typisieren zu lassen: Dafür war dann lediglich ein Wangenabstrich mit Wattestäbchen nötig, den alle Freiwilligen gemeinsam absolvierten.

Die Infoveranstaltung mit Typisierungsaktion in der Eichstätter Berufsschule kam auf Initiative von Thomas Brandl von der Eitensheimer Firma Erhard Brandl zustande. Er selbst sei seit 15 Jahren bei der DKMS registriert und überrascht gewesen, wie wenige seiner Angestellten die Organisation kennen, erzählt er den Schülern. Daher hat er in seinem Unternehmen heuer selbst eine Typisierungsaktion veranstaltet. Am Dienstag überreichte Brandl außerdem einen Scheck über 1000 Euro für die DKMS an Brigitte Ehrenberger. Er freue sich über die rege Beteiligung der Eichstätter Schüler, sagt er abschließend: "Es wäre doch toll, wenn man in ein paar Jahren feststellt, dass durch die Typisierung am heutigen Tag tatsächlich Leben gerettet werden konnten."

Hintergrund

  • DKMS steht für Deutsche Knochenmarkspenderdatei. Die gemeinnützige Organisation registriert potenzielle Stammzellspender für Blutkrebspatienten und unterstützt die Weiterentwicklung von Therapien gegen Blutkrebs.
 
  • Aus dem Landkreis Eichstätt haben sich über die DKMS bereits rund 13.400 Menschen typisieren lassen, 201 von ihnen sind Stammzellspender.
 
  • Für jede Typisierung fallen für die DKMS Unkosten in Höhe von 35 Euro an, daher ist sie auf Spenden angewiesen. Finanzielle Unterstützung kann man auf das DKMS-Spendenkonto bei der VR-Bank Neuburg-Rain eG, IBAN DE80721697560000 627569 überweisen.
 
  • Man kann sich auch mit einem Wangenabstrich auf dem Postweg typisieren lassen. Alle Informationen gibt's unter www. dkms. de. EK
Katrin Straßer
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