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Der Kunstprofessor und ehemalige Kulturbeauftragte der Stadt, Günther Köppel, feiert 70. Geburstag

Mittler zwischen Kunst und Mensch

Eichstätt
erstellt am 13.07.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Für sein Schaffen und Wirken hört er am liebsten den Begriff "Kunstpädagoge". Und diese Bezeichnung trifft ins Schwarzeu. Günther Köppel hat sich mit Leib und Seele der Kunst und deren Vermittlung verschrieben. An diesem Samstag feiert er seinen 70. Geburtstag.
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Das ?Jüngste Gericht? im Hintergrund: Günther Köppel feiert an diesem Samstag seinen 70. Geburtstag. Das Gemälde stammt aus seiner Feder, als Vorlage diente das gleichnamige Fresko von Lucca Signorelli im Dom von Orvieto.
Das "Jüngste Gericht" im Hintergrund: Günther Köppel feiert an diesem Samstag seinen 70. Geburtstag. Das Gemälde stammt aus seiner Feder, als Vorlage diente das gleichnamige Fresko von Lucca Signorelli im Dom von Orvieto.
Foto: Redl
Eichstätt
Der gebürtige Münchner war von 1993 bis 2015 Inhaber der Professur für Kunstpädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Nachfolger von Professor Franz Rindfleisch. Zudem ist er seit 2008 Mitglied des Eichstätter Stadtrats und war in seiner ersten Periode Kulturbeauftragter der Stadt.

Seine berufliche wie ehrenamtliche Tätigkeit hat Köppel mit Verve genutzt, Universität und Stadt einander näher zu bringen. "Wir wollen uns zeigen" lautete sein Motto, unter dem er seine Kunststudierenden animierte, sich und ihre Werke in der Stadt zu präsentieren, und gleichzeitig die Stadt in die Pflicht nahm, sich für die Kunst zu öffnen. Zu nennen sind die Gründung der Jugendkunstschule, die Aktion "Open Heart", die für viel Aufsehen weit über Eichstätt hinaus sorgten und deren künstlerischen Hinterlassenschaften auch heute noch das Stadtbild bereichern. Vor allem der unermüdliche Einsatz von Günther Köppel und seinen Schützlingen bei den oberbayerischen Jugendkultur- und Kulturtagen bleibt unvergessen ebenso wie "Eichstätt als Galerie", bei der Werke der Kunststudenten im Frisörgeschäft genauso ausgestellt waren wie in der Bäckerei - ein kleiner Anfang, der heute fortgesetzt wird im Leerstandsmanagement.

Köppel hat mit regelmäßigen Ausstellungen an unterschiedlichsten Orten in der Stadt oder durch die Etablierung der Rathausgalerie erreicht, dass sich die Stadt auf der einen Seite ihrer Studierenden und deren Potenzial bewusst wurde, andererseits, dass Studierende die Stadt, in der sie eine Zeit leben, auch wahrnehmen.

Dass er in der zweiten Wahlperiode (er gehört dem Stadtrat seit 2008 an) das Handtuch als Kulturbeauftragter geworfen hat, liegt an der zeitlichen Überforderung, die er nicht mehr auf sich nehmen wollte, und an der Weigerung der politischen Gremien in der Stadt, ihn hauptamtlich zu unterstützen. Mit Ehrenamt alleine, so Köppel, könne diese Arbeit nicht geleistet werden, zog er damals ernüchtert Bilanz. Heute vertritt er eine etwas andere Meinung, wobei er bei seiner Überzeugung, dass der kulturelle Auftrag nicht mit Ehrenamt alleine bewältigt werden kann, nach wie vor Gültigkeit hat (siehe eigenen Beitrag).

So wie er sich als "Brückenbauer" zwischen Stadt und Universität verstanden hat, sieht er sich heute noch als "Mittler zwischen Kunst und Mensch". Sein Ziel war und ist es, "Kunst als Lebensmittel" begreifbar und erlebbar zu machen. Köppel, dem Eichstätt mit seiner Frau und den zwei Kindern längst zur Heimat geworden ist, ist davon überzeugt, dass "jeder Mensch in sich eine Eigenschaft hat, die sich künstlerisch ausleben lässt", und dass jegliches künstlerische Schaffen ein "göttlicher Akt" ist, bei dem "jeder zum Schöpfer wird, der etwas erschafft". Der Pädagoge will "jeden Laien zum aktiven Kunstmachen bewegen - weil dies jeder kann", wie er sagt.

Köppel ist zwar seit drei Jahren im Ruhestand - offiziel - aber Ruhe kennt er nicht. Er hat vor Kurzem eine Ausbildung als Coach und Supervisor abgeschlossen und ist in dieser Sparte tätig. Dabei geht er als Kunstpädagoge einen neuen Weg bei der Unterstützung von Führungskräften. Alles in Maßen aber. Denn "Ich kann, aber ich muss nicht mehr", bilanziert er zufrieden.

Mit 70 blickt er auch auf ein recht bewegtes Leben zurück. Aus einfachen Verhältnissen stammend - der Vater war Elektriker, die Mutter Verkäuferin - legt Köppel 1968 das Abitur am Rupprecht-Gymnasium in München ab. Da angesichts der damaligen Studentenrevolten die Kunstakademie in München geschlossen war, studierte der schon in der Schulzeit mit Leidenschaft Theater spielende junge Mann Pädagogik für Grund- und Hauptschulen an der Pädagogischen Hochschule in München Pasing. Bei seinen Lehrern Professor Rudi Seitz und Hans Daucher war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und schlug den Weg als Kunsterzieher für Realschulen ein. An der Staatlichen Realschule Riedenburg absolvierte er 1971/72 sein Referendariat und blieb dort hängen. Mit dem Bau eines Hauses und der Gründung einer Familie, aus der zwei inzwischen erwachsene Töchter stammen, verortete er sich dort. 1974 wurde er Seminarlehrer für Kunsterzieher und brachte das Riedenburger Volksbildungswerk zur neuen Blüte. Lehraufträge in Regensburg für Werken und München für freies Spiel folgten. Gleichzeitig gründete er die "Kreativwerkstatt im unteren Altmühltal".

Dieser zweiten Leidenschaft, dem Theater, folgend, war er Mitbegründer und Vorsitzender des "Fördervereins für das darstellende Spiel an den Realschulen Bayerns". In diesem Zusammenhang lernte er die Eichstätter Rudolf und Ulli Ackermann kennen, die mit ihrem Figurentheater Aufsehen erregten. Er erstellte Bühnenbilder für die damals bekannte Tanzformation "Laokoon Dance-Group" und arbeitete mit dem Pianisten und Opernkomponisten Franz Hummel zusammen. Sein eigenes künstlerisches Schaffen stellte er in eigenen Ausstellungen zur Schau.

1982 wurde er Dozent am Staatsinstitut für Schulpädagogik und ab 1985 zentraler Fachlehrer für Kunsterziehung in Bayern, womit der Abschied aus der Schule verbunden war. Als Mitglied zahlreicher Prüfungsausschüsse machte er Bekanntschaft mit dem Eichstätter Professor Franz Rindfleisch, dessen Nachfolger er dann 1993 wurde. Auch in Eichstätt ist er zu Hause, wie er sagt. Köppel ist mit der Direktorin der Realschule Maria Ward, Professorin Barbara Staudigl, verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder.
Hermann Redl
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