Montag, 24. September 2018
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Elizabeth Steinhausers Werke ergänzen die Ausstellung "GE-SCHICHT-UNGEN"

Lithografien: Vergessenes sichtbar gemacht

Mörnsheim
erstellt am 12.09.2018 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 15.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Mörnsheim (EK) Vor fünf Wochen wurde in den Räumlichkeiten des Quartiers West die Ausstellung "GE-SCHICHT-UNGEN" eröffnet. Nun hat die Initiatorin Elizabeth Steinhauser die Ausstellung mit einem Soloprojekt um noch eine Palette erweitert.
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Auf der Querflöte untermalte Antonia Rieß die Vernissage, zu der auch Bürgermeister Richard Mittl, Künstlerin Elizabeth Steinhauser sowie Architekt Johannes Steinhauser (Mitte) gekommen waren. Die Ausstellung ist auch eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit.
Auf der Querflöte untermalte Antonia Rieß die Vernissage, zu der auch Bürgermeister Richard Mittl, Künstlerin Elizabeth Steinhauser sowie Architekt Johannes Steinhauser (Mitte) gekommen waren. Die Ausstellung ist auch eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit.
Mayer
Mörnsheim
Zur Vernissage der Ausstellung "Schichtungen" konnte Mörnsheims Bürgermeister Richard Mittl zahlreiche Gäste begrüßen, Architekt Johannes Steinhauser sprach die einführenden Worte. Beiden Laudatoren war in ihren Worten die enge und innige Verbundenheit zur Heimat, vor allem zur Historie der Steinbrüche, anzumerken, stellten sie doch die Ausstellung in den historischen Kontext des Abbaus der einzigartigen Solnhofer Platten und den "besten und schönsten Lithografiesteinen, die erstmals vor 180 Jahren aus den Brüchen im Gemeindebereich gebrochen wurden", wie Bürgermeister Mittl sagte.

Mit den nun dazugekommenen Lithografien wird die Exkursion in die Vergangenheit des Hauses, seiner ehemaligen Bewohner und ihrer verloren gegangenen Lebens- und Arbeitswelt noch dramatischer, spannender, entwickelt fast eine morbid-tragische Facette. Das ehemalige Haus eines Steinbruchbesitzers, obwohl es fast einer Bauruine gleicht, entfaltet mit seinen Kunstgegenständen eine Wirksamkeit und Durchschlagskraft, die den oft zitierten Genius Loci besonders spürbar werden lassen. "Der Geist des Ortes verbirgt sich und findet sich quasi in Schichten zusammengesetzt", so Johannes Steinhauser bei seiner Einführung.
 
Mayer
Mörnsheim



Die von Elizabeth Steinhauser ins Visier genommenen Schichtungen sind allgegenwärtig, sei es, dass die Wände Schicht um Schicht Farbe und Putz freigeben und darunterliegende neue Bereiche auftauchen, oder dass jede Untersuchung weitere Bausteine des Hauses und der Ortsgeschichte von Mörnsheim zu Tage bringt. Diese Insignien des Verfalls, diese Spuren vergangenen Lebens wurden ihr zur Offenbarung. Sie lösten in ihrem Kontext von Werden und Vergehen einen emotionalen Reflexionsprozess aus, der ihre Ausstellung prägt. Elizabeth Steinhauser ist seit 1984 künstlerisch tätig und ist bekannt dafür, dass sie in ihren Arbeiten stets auf der Suche nach den Veränderungen im Leben ist. Werden und Vergehen sind dabei immer zentrale Themen. "Es ist ein ständiges Einfühlen in die Vergänglichkeit, den Wandel, den Zeitfluss", erklärte Johannes Steinhauser. Er sprach davon, dass das "längst Vergessene nach vorne auf die sichtbare Ebene des Kunstwerkes zurückgeholt" werde.

Im Haus selbst sind Arbeiten in Mischtechnik aus mehrfarbiger Lithografie und Teilkolorierung mit Eiweißlasur entstanden. Darin finden sich themengebende Motive wieder, so die Wandmalerei, mal als Schablonierung, dann gestupft und schließlich kunsthandwerklich aufgetragen. Ganz besonders sticht das verlassene Sofa, das einsam in einer Zimmerecke zwischen bröckelndem Putz steht, dem Betrachter ins Auge ebenso wie die Fragmente der Wand- und Deckenoberflächen oder der faulende, aufgeschlifferte Holzboden samt totem Spinnenkörper. Mit den im Obergeschoss neu geschaffenen Werken spürt die Künstlerin Menschen in Lithografien auf Digitaldruck nach. Dabei tritt sie in einen künstlerischen Dialog mit den ehemaligen Bewohnern des Hauses. So geraten die Werke gleichsam zu einer identitätsstiftenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Dabei trifft Steinhauser auf vier Generationen der eigenen Familie, berufliche und private Wegbegleiter und unbekannte Vorfahren.
 
Mayer
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So wie Elizabeth Steinhauser ergeht es auch dem Besucher der Ausstellung im Steff-Haus, wo man nicht umhinkommt, über Werden und Vergehen menschlichen Lebens nachzudenken. Mit viel Finesse und Einfühlungsvermögen gestaltet, ist in dem einstmals verlassenen Haus eine absolut reizvoll und vielsagende museale Schau entstanden, erlebbar in ihrer eigentümlichen Vergänglichkeit.



Die Ausstellung ist bis 30. September geöffnet. Öffnungszeiten: jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung bei Elizabeth Steinhauser, Telefon (0175) 7271873 und Michaela Hajek, Telefon (0151) 41272747.
 
Edgar Mayer
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