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"Nicht mehr so sicher wie früher"

Eichstätt
erstellt am 11.09.2018 um 17:49 Uhr
aktualisiert am 16.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt/Ingolstadt (DK) Er kommt mit Lederhose und weiß-blau kariertem Hemd und - wie er sagt - "ausnahmsweise" mit dem Auto seiner Eltern zum Interviewtermin. Das sei nötig gewesen, damit er rechtzeitig zum Gespräch in der Auwaldsee-Gaststätte, die er als Treffpunkt vorgeschlagen hat, eintrifft: Oskar Lipp, Landtagskandidat der AfD für den Stimmkreis Eichstätt. Nach eigener Aussage mit 22 Jahren zudem der jüngste Kandidat aller Parteien in Bayern, "zumindest der größeren".
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Entspannen kann AfD-Landtagskandidat Oskar Lipp am besten rund um den Auwaldsee.
Entspannen kann AfD-Landtagskandidat Oskar Lipp am besten rund um den Auwaldsee.
Eberl
Eichstätt
"Ich gehe einfach gerne in Tracht", sagt Lipp zur Erklärung, denn er halte sich für "typisch bayerisch" und außerdem "relativ stark mit der Heimat verbunden". Als gebürtiger Schanzer spreche er zudem gern Dialekt und besuche auch öfter "Feste, wo was los ist", wie jüngst den Barthelmarkt in Oberstimm oder das Kellerfest in Titting.

Er besitze kein Auto und halte dies für jemanden, der wie er mitten in der Stadt wohne, auch für "unnötig", betont er. Radeln steht für ihn deshalb auf der Tagesordnung. Daneben nennt er Schach als sein Hobby. Seit 2006 ist Lipp Mitglied der Schachabteilung des TSV Nord. Vor allem im Sommer geht er zudem gerne Schwimmen, und dann bevorzugt im Auwaldsee.

Dorthin kommt Lipp aber nicht nur zur sportlichen Betätigung, sondern auch, weil die AfD in der Gaststätte ihre Stammtische abhält. Dass er jetzt Landtagskandidat der Partei ist, war "vor einem Jahr noch nicht geplant", sondern habe sich erst um den Jahreswechsel abgezeichnet. Sein jugendliches Alter sieht der Ingolstädter als Vorteil, auch wenn (oder gerade weil) es deshalb "viele Nachfragen" gebe. Im Übrigen stehe er damit nicht alleine da, denn im AfD-Kreisvorstand gebe es "viele Junge unter 30 Jahren". Es habe viele positive Reaktionen gegeben, als er sich um die Kandidatur bewarb. "Wow, dass du dich das traust", habe er öfter in seinem privaten Umfeld gehört.

Lipp hat im Sommer 2014 sein Abitur am Christoph-Scheiner-Gymnasium gemacht und im Herbst 2014 ein BWL-Studium an der KU Eichstätt-Ingolstadt angefangen, in dessen Rahmen er gerade seine Bachelor-Arbeit schreibt. Daneben war er von Dezember 2017 bis Mai 2018 für den AfD-Bundestagsabgeordneten Johannes Huber in den Bereichen Internet und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Wegen seiner Jugend liegen dem 22-Jährigen auch Themen, die die Jugend betreffen, sehr am Herzen. Die Jugendlichen sollten sich wieder mehr für Politik interessieren und sie nicht als unwichtig abtun, sagt er. Aber dafür müsse man sie "abholen, wo man sie erreicht". Lipp will deshalb seinen Fokus auf junge Leute legen, etwa mit Themen wie Digitalisierung und Familienförderung.

Auch die innere Sicherheit - "vor allem in Bayern" - hat Lipp zu einem seiner Schwerpunkte gemacht. Hier fordert er, "geltendes Recht konsequent umzusetzen", also abgelehnte Asylbewerber schneller abzuschieben. "Trotz der CSU" liege der Freistaat in dieser Statistik nämlich nur auf dem 13. Platz unter 16 Bundesländern. Der 22-Jährige tritt zudem für eine Stärkung von Polizei und Rettungskräften ein. Er ruft dabei zu mehr Personal und einer stärkeren Verteilung auf die Fläche auf. Die Polizei müsse wieder "mehr Präsenz zeigen", so seine Meinung, die er aber auch in Gesprächen bestätigt bekomme, denn "die Leute fühlen sich nicht mehr so sicher wie früher".

Beim Länderfinanzausgleich fordert Lipp, "weniger Mittel aus Bayern abfließen" zu lassen und dafür mehr für den Steuerzahler vor Ort zu verwenden. Das Geld könne dann eben in Polizei, Rettungsdienste oder Familienförderung gesteckt werden.

In der Landwirtschaft erkennt Lipp, "dass immer mehr kleine Betriebe nach und nach aufgeben müssen". Weil das seiner Meinung nach daran liegt, dass die "Bürokratisierung für die Kleinen nur schwer stemmbar" sei, tritt er hier für eine Vereinfachung ein.

Im Sommer 2015 ist Lipp "wegen der Asylkrise" der AfD beigetreten, bereut habe er diesen Schritt bis heute nicht, beteuert er. Im Kreisverband gehe es recht harmonisch zu, es herrsche ein "Teamgeist wie bei einer Fußballmannschaft". Er stehe zwar sicher nicht zu allen Aussagen jedes einzelnen der 30000 AfD-Mitglieder, fügt er dann noch an. "Aber ich stehe zu meinem Entschluss." Einschüchterungsversuche wegen seiner AfD-Aktivitäten habe er persönlich bisher nicht erlebt, die wenigen Hassmails, die er erhalten habe, habe er "sofort gelöscht". "Es ist alles im Rahmen", sagt Lipp.

Die AfD sieht Lipp nach den Wahlen im Oktober als "stärkste Opposition im Bayerischen Landtag". Ob er selbst den Einzug in den Landtag schafft? Da ist sich Lipp nicht sicher. Von seinem Listenplatz 13 aus müsste er sicher einige Plätze gutmachen, denn seiner Rechnung nach werden aus Oberbayern etwa acht bis neun AfD-Politiker dort einziehen. Und wenn er es nicht schafft? Dann sei er wohl schon "leicht enttäuscht, denn man hofft ja immer".
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