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Die Ausstellung "Geschichtungen" im historischen Quartier West in Mörnsheim läuft noch bis Ende September

Kunst und Geschichte in "Zwiesprache"

Mörnsheim
erstellt am 07.08.2018 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 11.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Mörnsheim (EK) Pünktlich zum Festwochenende "1100 Jahre Markt Mörnsheim" wurde vergangene Woche auch die Ausstellung "Geschichtungen" im Herzen von Mörnsheim, im historischen Quartier West im ehemaligen Gasthof Steff, eröffnet.
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Als wahres Kleinod präsentiert sich das Jurahaus des ehemaligen Gasthauses Steff im Mörnsheimer Winkel. Hier zeigt die Künstlergruppe, um Elizabeth Steinhauser (Mitte) die Ausstellung ?Geschichtungen?. Bei der Vernissage sprach Kunstdozent Stefan Pfättisch (4. von rechts) die einführenden Worte.
Als wahres Kleinod präsentiert sich das Jurahaus des ehemaligen Gasthauses Steff im Mörnsheimer Winkel. Hier zeigt die Künstlergruppe, um Elizabeth Steinhauser (Mitte) die Ausstellung "Geschichtungen". Bei der Vernissage sprach Kunstdozent Stefan Pfättisch (4. von rechts) die einführenden Worte.
Fotos: Mayer
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Initiatorin war die Künstlerin Elizabeth Steinhauser, die zusammen mit Anette Koch, Konrad Risch, Andrea Viebach und Norbert Zagel die Ausstellung im Kontext der Jubiläumsfeierlichkeiten "1100 Jahre Mörnsheim" auf den Weg brachte und sich mit dem spannenden Thema des Landschafts- und Kulturwandels am Beispiel des 1100 Jahre alten Ortes Mörnsheim auseinandersetzte.
 
Fotos: Mayer
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In der Ausstellung "Geschichtungen" - einer Wortzusammensetzung aus Geschichten und Schichtungen - spiegeln sich Geschichte und Geschichten der Menschen vor Ort, ihr hartes, aber auch ihr schönes Leben an und mit den einmaligen Plattenkalkbrüchen auf vielfältige Art in unterschiedlichster künstlerischer Gestaltung und Darstellungsform wider. Wie Elizabeth Steinhauser, die zusammen mit ihrem Mann Johannes und Michael und Michaela Hajek die Besitzerin des gesamten Quartiers im Ortskern von Mörnsheim ist, in ihrer Einführung betonte, wollten die Künstler mit ihren Ideen einen künstlerischen Beitrag zum Festjahr leisten, indem sie die Symbiose von moderner Kunst mit einem historischen Ort aufdecken. Das älteste Haus des gesamten Ensembles stammt aus dem Jahre 1416.
 
Fotos: Mayer
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In seinen einführenden Worten bei der Vernissage, die von Antonia Rieß auf der Querflöte solistisch untermalt wurde, zeigte sich Stefan Pfättisch, Kunstdozent an der KU Eichstätt-Ingolstadt, in zweifacher Weise beglückt. Zum einen als Jurahaussanierer, aber auch als Kunstmensch. Pfättisch drückte seine Freude darüber aus, dass das Gebäude, das sich in einer Zeile von mehreren Denkmälern befindet und dem Jurahausverein wegen des fortschreitenden Verfalls Sorge bereitete, in guten Händen ist. Dass die sechs Gebäude seit zwei Jahren im Besitz der beiden Familien Hajek und Steinhauser sind, erfülle ihn mit großer Freude, sei doch nun gewährleistet, dass neben einer Instandsetzung auch eine Inwertsetzung erfolgen werde.
 
Fotos: Mayer
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In der Ausstellung sei es Elizabeth Steinhauser nicht darum gegangen, das "Alte mit gefälliger Kunst aufzuhübschen und Nettigkeiten an morbiden Wänden zu zeigen", so Pfättisch. Vielmehr wollten die Künstler zeigen, dass Kunst mit der historischen Umgebung in Zwiesprache trete, indem sie eine Aura des Vergänglichen beleuchten, des morbiden Reizes in den Leibungen der dicken Mauern für Fenster und Türen, in den Resten von Dielen-Fußböden, den Spuren von bunten Walzenmalereien an den vielschichtigen und abblätternden Wänden.

Bei Anette Koch bilden hauchdünn geschnittene Platzhalter und die Wandstrukturen des Hauses ein Wechselspiel zwischen den Geschichten des Hauses und seiner Bewohner ab. Fiktive Lebensspuren finden sich auch in den Früchten ihres Hausbaumes. Konrad Risch bevorzugt in seinen Arbeiten die Themen Mensch, Tierwelt, Pflanzen. Und so überraschen den Besucher Skulpturen mit vertrauter Gestalt an bekannten Orten, aber mit neuem Gesicht. Elizabeth Steinhauser lebt am Ort und würdigt mit ihren geheimnisvollen Stelen die Ära der Steinbrecher und Hackstockmeister. Die Figuren aus historischem Baumaterial und dem traditionellen Arbeitsschurz treten in einen stummen Dialog mit den Räumen des Hauses.

Andrea Viebach präsentiert am historischen Ort die scheinbar zurückgelassenen, persönlichen Kleidungsstücke - fragil die Stücke aus Glas so wie Erinnerungen. Zerbrechliche Spuren finden sich auch im Gewölbekeller. Dort vereinigen sich formende Händepaare mit großen transparenten Glasblasen. Norbert G. Zagel macht Spuren des dortigen Daseins in den Gebäuden mit Bienenwachs und Papier auf andere Art wieder ablesbar. Farbschichtungen auf den Wänden, übereinander gelagert, freigestellt, vergrößert und mit völlig anderen Materialien umgesetzt, erzählen die Geschichten aus der Vergangenheit.

Die Ausstellung läuft bis zum 30. September. Öffnungszeiten sind jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung: Elizabeth Steinhauser, Telefon (0175) 7271873, und Michaela Hajek, Telefon (0151) 41272747.
Edgar Mayer
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