Montag, 15. Oktober 2018
Lade Login-Box.

Kommunale Grenzen weggeweht

erstellt am 17.10.2011 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:56 Uhr | x gelesen
Adelschlag/Dollnstein/Wellheim (EK) Der Energiewende ist es zu verdanken, dass im Bereich der interkommunalen Zusammenarbeit ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. So planen Adelschlag, Dollnstein und Wellheim, eine gemeinsame Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen auszuweisen.
Textgröße
Drucken
: Kommunale Grenzen weggeweht
Windenergie und Landschaftsschutz passen zusammen, findet das Landratsamt Eichstätt und tüftelt an Möglichkeiten, Windkraftanlagen in Schutzgebiete installieren zu können. - Foto: baj
Am Dienstag trafen sich die Bürgermeister Michael Spreng (Adelschlag), Hans Harrer (Dollnstein) und Robert Husterer (Wellheim) im Dollnsteiner Rathaus, um das gemeinsame Vorgehen abzustimmen und um sich fachlichen Rat zu holen.

Das Gebiet, das die drei Kommunen ins Auge gefasst haben, liegt im Waldgebiet „Wittmeß“, wo die Gemeindegrenzen zusammenstoßen. Ideal aus der Sicht der Bürgermeister: Es liege weit genug von der Wohnbebauung entfernt und touristische Belange würden ebenfalls nicht beeinträchtigt.

Doch in Windeseile wird sich das Projekt nicht durchführen lassen. Das machte Regierungsrat Andreas Erhard sofort deutlich, dessen Abteilung im Landratsamt für die Genehmigung von Windrädern zuständig ist. Im Naturpark Altmühltal stehen viele Flächen unter Naturschutz, darunter sämtliche Waldgebiete. In Naturschutzgebiete etwas hineinzubauen, gehe bestenfalls über eine Ausnahmegenehmigung. Und selbst dann könne man vielleicht eine einzelne Anlage zwischen die Buchen und Tannen setzen. „Wir raten davon ab.“ Jedenfalls beim jetzigen Stand der Rechtslage.

Denn, so deutete Erhard an, es könne sich da in naher Zukunft etwas ändern. Der Landkreis stehe in Verhandlungen mit den Bezirken und dem Umweltministerium. Ziel sei es, die Schutzgebiete für Windkraftanlagen zugänglich zu machen. Der Landkreis strebe hier ein Pilotprojekt für den gesamten Freistaat an. „Wir wollen Vorbildcharakter bekommen.“ Die entsprechenden Anträge laufen über den Naturpark e.V., der die fachliche Seite betreut, während das Landratsamt für die rechtliche Seite zuständig ist.

Der Landkreis sei bestrebt, den Naturpark in drei Zonen einzuteilen: in eine Tabuzone, in Gebiete, in denen Windkraft genutzt werden kann, also auch Konzentrationsflächen möglich sind, und in eine Zone, wo Genehmigungen im Einzelfall erteilt werden können. „Viele sagen: ,Landschaftsschutz oder Windenergie.’ Wir sagen: ,Beides ist möglich'“, führte der Regierungsrat aus. Doch noch sei es nicht so weit. Erhards Rat: „Warten Sie es ab. Den Flächennutzungsplan genehmigen, wie Sie es wollen, das können wir nach jetziger Lage nicht.“ Vorarbeiten könnten die drei Kommunen selbstverständlich leisten: entsprechende Willenserklärungen oder den Aufstellungsbeschluss für den künftigen Flächennutzungsplan fassen. Nur einreichen dürften sie ihn noch nicht.

Wertvolle Tipps hatte Erhard auch für die Neue Energie Dollnstein eG dabei. Von dieser Genossenschaft waren die beiden Vorstandsmitglieder Anton Risch und Harald Bernecker sowie Aufsichtsratsmitglied Thomas Kerner gekommen. Die Genossenschaft trägt sich mit dem Gedanken, eine Windkraftanlage zu bauen. „Sie brauchen dazu eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung. Die geht in der Regel über ein Jahr“, erläuterte Erhard. „Da könnten Sie heute schon loslegen und einen Windmessmasten aufstellen. Das geht, weil das nur eine temporäre Anlage ist.“

Ernst Geyer war in einer Doppelfunktion da: als stellvertretender Forstbetriebsleiter und als Leiter der AG Wind im Energiebündel. Geyer steuerte in beiden Eigenschaften Wissenswertes bei. Das Energiebündel verstehe sich auch als Dachorganisation für Genossenschaften und für GmbH&Co. KGs gleichermaßen und wolle entsprechend tätig werden. Den „Wittmeß“ bezeichnete auch er als ideal für Windkraftanlagen. Die Wirtschaftswege seien als Infrastruktur geeignet. Nur wegen des Antransports der Rotorblätter müsste die ein oder andere Kurve ausgebaut werden.

Von Josef Bartenschlager
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!