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IHK-Gremium Eichstätt informierte sich bei Binderholz – Auch Wirtschaftsspionage Thema der Sitzung

Wo aus Baumstämmen Bretter werden

Kösching
erstellt am 22.11.2012 um 18:39 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:06 Uhr | x gelesen
Kösching (nos) Ein Besuch bei der Binderholz GmbH in Kösching sowie Informationen über Strategien gegen Wirtschaftsspionage haben im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des IHK-Gremiums Eichstätt gestanden.
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Kösching: Wo aus Baumstämmen Bretter werden
Die Mitglieder des IHK-Gremiums Eichstätt informierten sich bei Binderholz in Kösching - Foto: Schmidl
Kösching
Laut Jörn Kimmich, Geschäftsführer der Binderholz GmbH, sind bei dem holzverarbeitenden Betrieb im Interpark derzeit rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. In der gesamten Binderholz-Gruppe mit Sitz im österreichischen Fügen sind es etwa 1250 Mitarbeiter, die zuletzt einen Jahresumsatz von 380 Millionen Euro erwirtschafteten. Hauptabsatzmärkte sind die zentraleuropäischen Länder.

Derzeit leide die Branche unter großen Überkapazitäten, berichtete Kimmich. Deutschland sei inzwischen der größte Schnittholzproduzent Europas noch vor Schweden.

Das Köschinger Binderholz-Werk sei spezialisiert auf Brettsperrholz-Produkte (BBS). Die Hälfte des hier verarbeiteten Holzes gehe an drei österreichische Binderholz-Werke, rund 17 Prozent finden in Deutschland Abnehmer.

Niemand brauche sich im Übrigen sorgen, dass durch den Holzverbrauch der Waldbestand zurückgehe, so Kimmich. Die Jahresproduktion des Köschinger Werks von rund 80 000 Kubikmetern BBS sei beispielsweise in den österreichischen Wäldern innerhalb von 1,5 Tagen nachgewachsen.

Für Holzverarbeiter wie Binder sei es eine permanente Aufgabe, für eine „neue Baukultur“ zu sorgen. Speziell in Deutschland gebe es in Bezug auf Holzbauten noch „enorm viel Luft nach oben“.

Ein ganz anderes Thema griff Rudolf Proschko, Leiter Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz, auf. In seinem Vortrag über „Wirtschaftsspionage 2.0 – Eine Gefahr für Ihr Unternehmen“ erläuterte er, dass diese Bedrohung im Mittelstand kaum wahrgenommen werde, sich jeder sicher fühle. Dabei seien gerade kleine und mittlere Unternehmen gefährdet durch unerwünschte Angriffe auf den „Rohstoff Ingenieurskunst“.

„Über den Zaun klettern war gestern“, so Proschko, der von einem „dramatischen Anstieg“ elektronischer Angriffe berichtete. Über 50 Prozent der Firmen seien von Cyberattacken betroffen, nur merkten es viele davon überhaupt nicht. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft summiere sich allerdings auf rund 20 Milliarden Euro jährlich.

So gebe es Angriffe mit USB-Sticks, die beispielsweise von „Besuchern“ in Firmengebäuden absichtlich „verloren“ wurden und dann von Mitarbeitern, die sie finden, benutzt werden. Aber auch über Anhänge von E-Mails, durch Hacking von Smartphones und vieles mehr werde Schaden angerichtet . Die dafür nötige Ausrüstung könne jeder ganz einfach in Spy Shops im Internet kaufen.

Proschkos Fazit: „Wirtschaftsspionage ist ein Erfolgsmodell.“ Unternehmen seien ihr aber dennoch nicht komplett ausgeliefert, auch wenn ihre Bekämpfung eine komplexe Herausforderung sei. Eine erhöhte Sensibilität für das Thema und Schulungen von Mitarbeitern, die mit wichtigen Informationen betraut sind – laut dem Referent die „Kronjuwelen“ eines Unternehmens, die meist rund fünf Prozent von dessen Gesamtinformationen ausmachen – könnten hier schon viel Schaden abwenden.

Robert W. Obermeier von der IHK für München und Oberbayern gab schließlich noch einen kurzen Abriss über die jüngste Konjunkturentwicklung und sprach von einem „Herbstblues in der bayerischen Wirtschaft“. Auch in der Region Ingolstadt habe sich die Stimmung der Wirtschaft gedreht. Die Zahl der für die Zukunft pessimistisch gestimmten Unternehmer sei deutlich gestiegen.

 

Von Norbert Schmidl
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