Dienstag, 22. Januar 2019
Lade Login-Box.

Ministerpräsident Markus Söder im Redaktionsgespräch über die Zukunft des Jura-Museums

"Die Braut hübscher machen"

Eichstätt
erstellt am 09.10.2018 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Was die Zukunft des Jura-Museums auf der Willibaldsburg betrifft, zeigt sich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder optimistisch. Im Redaktionsgespräch beim EICHSTÄTTER KURIER meinte er: "Wir wollen eine Lösung finden." Die Einrichtung ist bekanntlich von der Schließung bedroht, nachdem das Bischöfliche Priesterseminar die Trägerschaft zum Ende des Jahres aufgekündigt hat.
Textgröße
Drucken
Eine knappe Dreiviertelstunde nahm sich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder Zeit, die Fragen der Redakteure Jürgen Knopp und Markus Meßner (von links) zu beantworten. Anschließend ging es mit Abgeordneter Tanja Schorer-Dremel noch zu einem Infostand in der Spitalstadt (wir berichteten).
Eine knappe Dreiviertelstunde nahm sich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder Zeit, die Fragen der Redakteure Jürgen Knopp und Markus Meßner (von links) zu beantworten. Anschließend ging es mit Abgeordneter Tanja Schorer-Dremel noch zu einem Infostand in der Spitalstadt (wir berichteten).
Poese
Eichstätt
„Ich möchte, dass das Museum unbedingt erhalten bleibt“, betonte Söder, der zu dem Termin von der Eichstätter Landtagsabgeordneten Tanja Schorer-Dremel begleitet wurde. Es gehe  nun darum, Wege zur Rettung des Museums zu finden – möglicherweise  „in Kooperation mit anderen Trägern. Wir werden sicherlich den langfristigen Erhalt gewährleisten können, da bin ich relativ optimistisch.“
 
Die Berichterstattung der vergangenen Wochen habe allerdings den einen oder anderen, „der aus seinem Schneckenhaus hervorgekommen ist“, wieder verschreckt, meinte Tanja Schorer-Dremel. Es sei schon einiges in die Wege geleitet worden: „Wir arbeiten über die Parteigrenzen  hinweg.“ Die „Freunde des Jura-Museums“ seien da beispielsweise sehr aktiv. „Wir werden mit den verschiedenen Institutionen, die wir am Tisch haben, an einer tragfähigen Lösung arbeiten.“

Blick in die aktuelle Ausgabe (von links): Ministerpräsident Markus Söder, stellvertretender Redaktionsleiter Markus Meßner und Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel.
Poese
Eichstätt
Das Jura-Museum müsse  im Kontext mit der Willibaldsburg gesehen werden, und für das Eichstätter Wahrzeichen gibt es bekanntermaßen Sanierungspläne, die Söder – damals noch in seiner Funktion als Finanzminister – im April 2017 an Ort und Stelle persönlich präsentierte: Demnach sind für rund 14,3 Millionen Euro unter anderem der Neubau eines Service- und Kassengebäudes, die Sanierung der Burggaststätte inklusive des Neubaus eines Küchengebäudes und eines Aufzugs sowie barrierefreier Toilettenanlagen  und  die Neugestaltung der Außenanlagen einschließlich einer E-Ladestation am neuen Parkplatz vorgesehen. „Davon werden wir touristisch erheblich profitieren“, ist Schorer-Dremel überzeugt.
Man müsse in diesem Zusammenhang „ein paar Dinge neu denken“, erklärte Markus Söder: „Wir zahlen bereits  80 Prozent der laufenden Kosten  fürs Jura-Museum.“  Zudem stehe eine bauliche Sanierung und Neukonzeption des Museums im Raum: „Aufgrund sinkender Besucherzahlen in den vergangenen Jahren ist zu überlegen, ob man sich nicht moderner aufstellt.“ Dabei gehe es um attraktive museumspädagogische Konzepte und generell ums „Aufpeppen der Ausstattung“ mit entsprechenden visuellen und interaktiven Angeboten. 
 
Dann werde man schauen können, ob eine Trägerschaft mit anderen Verbundmuseen infrage käme – zum Beispiel mit dem Naturkundemuseum in München:  „Es sollte auch an einen regelmäßigen Austausch von Exponaten gedacht werden. Wenn alles immer gleich ist, führt das – zumindest in der Umgebung – dazu, dass man weiß, wie es ist.“ Das sei zu wenig. „Wenn wir die Willibaldsburg weiterentwickeln und das Jura-Museum neu aufstellen, dann machen wir am besten beides zusammen. Keine kleine Lösung, sondern was Richtiges“, fügte der Ministerpräsident hinzu. Das sei auch die Voraussetzung dafür, einen neuen Träger zu finden: „Man kann die Braut ja noch hübscher machen.“
 
Die geplante Sanierung der Willibaldsburg soll im nächsten Jahr beginnen.  Zuerst müsse aber noch der Landtag seinen Segen dazu geben. „Schau mer mal, wann der sich konstituiert“, so Söder mit Blick auf die Wahl.

Söder über...

  • Schlechte Umfragewerte 
"Es ist wichtig als CSU geschlossen zu agieren.  Denkbare Vierer-Koalitionen oder sieben Parteien im Parlament werden Bayern instabil machen. 50 Prozent der Wähler sind noch unentschlossen. Natürlich muss man Umfragen ernst nehmen, aber wir erleben auch regelmäßig Demoskopiedesaster in Deutschland. "
  • AfD
"Die AfD begann als Protestpartei und ist jetzt eine Gruppe, die mit Björn Höcke nach rechts außen wandert. Die Verbindungen mit NPD, Hooligans und Pegida, das gemeinsame Marschieren, die Forderung nach Bürgermilizen, nach freiem Waffenbesitz zeigen eindeutig, dass sich die AfD von einer Protestpartei zu einer rechtsextremen Gruppierung entwickelt hat. Das Abgrenzen von dieser AfD ist Staatsräson. "
  • Abschiebehaftanstalt

"Unser Ziel ist es, generell mehr Abschiebungshaftplätze einzurichten. Das haben wir in Eichstätt mit 96 Plätzen sowie unmittelbar am Flughafen München mit 30 Abschiebungshaftplätzen bereits umgesetzt und setzen wir mit weiteren 150 Plätzen in Hof und bis zu 200 zusätzlichen Plätzen in Passau fort. Diese zusätzlichen Kapazitäten sowie eine konsequente Fortsetzung der bayerischen Abschiebepolitik, auch mit bayerischen Abschiebeflügen, werden zu einer spürbaren Entlastung für Eichstätt führen. "
  • Breitbandausbau

"Im Landkreis Eichstätt sind 100 Prozent der Gemeinden im bayerischen Verfahren- das geht sehr gut voran. Wir wollen für den künftigen Gigabit-Ausbau bis 2025 weitere zwei Milliarden Euro extra bereitstellen, um in Bayern überall Gigabit zu ermöglichen. Im Moment ist unser Problem nicht die Glasfaser, sondern Baufirmen, die den Ausbau voranbringen können. Außerdem fehlt uns nach wie vor die bereits im Juni 2017 beantragte Genehmigung der EU-Kommission für unsere Gigabit-Initiative.

Was wir außerdem noch brauchen, ist die Weiterentwicklung des Mobilfunks. Auch im Landkreis Eichstätt gibt es noch einige Löcher. Wir haben einen Mobilfunkpakt mit den Gemeinden gemacht. Da werden auch bei Euch Antennen aufgestellt - allerdings nur im Einvernehmen mit den Bürgern. Darüber hinaus werden wir nächstes Jahr in Eichstätt das Bayern-LAB haben, einen echten Kristallisationspunkt und ein Schaufenster zum Thema Digitalisierung. "
  • Sozialen Wohnungsbau

"Eine Mietpreisbremse allein ist keine Lösung für den Zuzug nach Bayern. Wir haben ein wachsendes Bayern und brauchen den Neubau. Erstens: Wir investieren selber in den Sozialen Wohnungsbau. Zweitens: Wir geben den Kommunen so viel Geld wie noch nie, damit sie selber tätig werden können. Drittens: Wir haben die staatlichen Planungskapazitäten erhöht, damit schneller Wohnungen gebaut werden können. Zudem machen wir es möglich, die Mietpreisbindung von 25 auf 40 Jahre zu erhöhen.

Was auch neu ist: Wir wollen das Eigentum fördern. Auf das Baukindergeld des Bundes setzen wir das Baukindergeld des Landes drauf und noch eine Eigenheimzulage, sodass eine Familie mit zwei Kindern mit 40 000 Euro Startkapital vom Staat beginnen kann. Fast eine Milliarde Euro geben wir für das Wohnungspaket aus - eine Menge Geld. "
  • Flächenverbrauch

"Wir sind jetzt bei 13 Millionen Einwohnern in Bayern. Zu glauben, dass das keine Auswirkungen hat, ist zumindest blauäugig. Trotzdem haben wir es geschafft, den Flächenverbrauch zu reduzieren. Wenn man sich Bayern als Fußballfeld vorstellt, ist nur die Hälfte eines Strafraums tatsächlich versiegelt. Wir geben jetzt extra 100 Millionen Euro dafür aus, um innerdörfliche und innerstädtische Entwicklung voranzubringen. Wir nehmen das Flächenmanagement sehr ernst, aber nicht durch Verbote, sondern Angebote. Es gibt Entsiegelungsprämien, und wenn man vom Außenbereich in den Innenbereich geht, gibt es ebenfalls Unterstützung - Stichwort Ortskernsanierung. Das ist das deutlich bessere Angebot, als Flächenverbote zu erlassen. Das hat nur zur Folge, dass die Preise noch weiter steigen. "kno/mms
 
Jürgen Knopp
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!