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Jura-Museum: Noch 69 Tage bis zum Ende der Trägerschaft - Landrat sagt ab

Die Uhr tickt

Eichstätt
erstellt am 23.10.2018 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 27.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) In 69 Tagen endet die Trägerschaft des Bischöflichen Seminars für das Eichstätter Jura-Museum. Noch immer ist keine neue Lösung gefunden. Und Landrat Anton Knapp hat am Montag gegenüber unserer Zeitung bekräftigt: "Der Landkreis übernimmt die Trägerschaft nicht, auch nicht in einen Zweckverband." Ist damit das Ende des Jura-Museums besiegelt?
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Noch ist keine Lösung in Sicht: Das Eichstätter Juramuseum ist nach wie vor von der Schließung bedroht.
Noch ist keine Lösung in Sicht: Das Eichstätter Juramuseum ist nach wie vor von der Schließung bedroht.
Chloupek/Archiv
Eichstätt
Was ist denn jetzt? Das ist die Frage, die auch der Direktorin Martina Kölbl-Ebert oft und sorgenvoll gestellt wird, von Besuchern, von Kollegen - und in diesen Tagen auch wieder verstärkt von der Presse. Denn schließlich hat ihr Forscherteam aus der Ettlinger Grabung vorigen Donnerstag einen weltweit beachteten Coup gelandet. Die Nachricht von der Entdeckung des ältesten fleischfressenden Knochenfischs (wir berichteten) ist inzwischen quer über die Kontinente durch die Presse gegangen: "New York Times", "China News", Reuters... Wer "Piranhamesodon" in die Internetsuchmaschine Google eintippt, bekommt - Stand gestern - gut 69000 Treffer. Das gilt als weiterer Beleg dafür, dass das Jura-Museum auf der Eichstätter Willibaldsburg kein beliebiges Naturkunde- oder Heimatmuseum in der bayerischen Provinz ist, sondern ein "hochaktuelles Forschungsmuseum", wie es Kölbl-Ebert formuliert.

So sehr sich die Museumschefin über den neuesten wissenschaftlichen Erfolg freut, so sehr sorgt sie sich jedoch um die Zukunft des Museums: "Wir wissen einfach immer noch nichts Neues, das ist schon belastend." Immerhin habe die Direktorenkonferenz der Staatlichen Sammlungen bereits bekundet, dass zumindest der Forschungsstandort Eichstätt erhalten werden sollte - wenn das Jura-Museum tatsächlich zum 31. Dezember schließen müsste. Allmählich werde die Zeit wirklich knapp, bestätigt Kölbl-Ebert auf Anfrage: "Man kann ja nicht einfach zusperren, das müsste im Zweifelsfall ja alles abgewickelt werden."

Ob es wirklich so weit kommt? Mira Barthelmann, Pressesprecherin des bayerischen Wissenschaftsministeriums, teilte gestern auf Anfrage mit: "Die Staatsregierung geht aktuell nicht von einer Schließung Ende Dezember aus." Die Staatsregierung führe derzeit Gespräche mit allen Betroffenen. "Ziel ist es, eine dauerhafte Fortführung des Jura-Museums über den 31. Dezember 2018 durch eine Trägerschaft vor Ort sicherzustellen." Details könnten aus Vertraulichkeitsgründen nicht genannt werden: "Eine vorzeitige Ankündigung der intendierten Lösung könnte den Erfolg der Gespräche beeinträchtigen", heißt es aus dem Ministerium.

Hinter den Kulissen laufen wie mehrfach berichtet seit Monaten die Drähte heiß. Immer wieder war dabei auch von einem Zweckverband - mit Beteiligung des Landkreises und der Stadt Eichstätt - die Rede. Nun hat Landrat Anton Knapp allerdings vorige Woche in der Kreistagssitzung deutlich gemacht, dass der Landkreis nicht an einer Trägerschaft mitwirken werde und das unserer Zeitung auf Anfrage am Montag bestätigt: "Der Landkreis hält eine finanzielle Unterstützung des Jura-Museums für möglich, steht aber für eine Trägerschaft nicht zur Verfügung." Auch die Möglichkeiten, sich an einem Zweckverband zu beteiligen, habe man "abgeklopft", so Knapp weiter: "Ich sehe da aber keine Konstellation, die für den Landkreis machbar wäre." Knapp verweist als Begründung seiner Absage darauf, dass dem Landkreis weder das Gebäude (Staat) noch die Sammlung (Priesterseminar) gehöre.

Der Vorsitzende des Fördervereins Freunde des Jura-Museums, Gerhard Ruf, sieht in dieser Begründung des Landrats die besondere Stellung des Jura-Museums zu wenig berücksichtigt: Das Jura-Museum sei ja kein "x-beliebiges Museum", sondern sei eine touristische Hauptattraktion und eine auch für den Landkreis bedeutende Forschung- und Bildungseinrichtung.

Ruf gibt die Hoffnung auf eine Lösung noch nicht auf und sagt: "Nach dem Landtagswahlkampf muss die Politik jetzt wirklich in die Puschen kommen." Nachdem die Zeit knapp werde, müsse zügig zumindest eine "pragmatische Zwischenlösung" gefunden werden. Ruf hatte im September alle Beteiligten an einen Runden Tisch geholt -, darunter Vertreter der staatlichen Stellen, Landkreis, Stadt und Katholische Universität - um Möglichkeiten einer vielleicht geteilten Trägerschaft - also eben auch eines Zweckverbandes - auszuloten. Der Verein selbst, so sagt Ruf, könne eine Trägerschaft nicht stemmen und sei als Förderverein auch nicht dafür ausgelegt. Man merkt ihm an, dass er an der Absage des Landrats schwer zu schlucken hat - auch wenn es noch keinen Kreistagsbeschluss dazu gibt.

Der Eichstätter Oberbürgermeister Andreas Steppberger, der nach vierwöchiger Abwesenheit diese Woche wieder im Dienst ist, ist von der Absage des Landrats ebenfalls überrascht und sagt: "Ein Zweckverband war bisher durchaus im Gespräch." Er wollte darüber auch mit den Stadträten in der morgigen Sitzung beraten. Dann werden es noch 68 Tage bis zu einer drohenden Schließung des Museums sein.
 

Kommentar

Noch immer mag es kaum jemand für möglich halten, doch es kann tatsächlich passieren, dass das Jura-Museum zum Jahresende seine Pforten fürs Publikum schließt. Deshalb muss spätestens jetzt allen Beteiligten auf administrativer und politischer Ebene klar sein: Die Zeit der guten Worte und wohlklingender Willensbekundungen ist vorbei.

Dass das Jura-Museum eine für Stadt und Landkreis höchst bedeutende Bildungs- und Forschungseinrichtung ist, dass es trotz seines Renovierungsbedarfs immer noch ein wichtiges Aushängeschild für den Tourismus im Naturpark ist, das müsste nun wirklich hinreichend bekannt sein.

Am Geld wird es nicht scheitern: Der Staat zahlt bereits den Löwenanteil der laufenden Kosten. Für die nötige Generalsanierung und das ebenfalls dringend nötige neue Gesamtkonzept ließen sich ebenfalls Fördertöpfe finden.

Nachdem der streckenweise zermürbende Landtagswahlkampf jetzt endlich zu Ende ist und sich unsere beiden Abgeordneten nun in einer gemeinsamen Regierungskoalition wiederfinden werden, bleibt zu hoffen, dass sie ohne weitere Reibungsverluste zielorientiert zusammenarbeiten. Und das Ziel ist klar definiert: Für das Jura-Museum muss ein neuer Träger gefunden werden, und zwar innerhalb der nächsten 69 Tage.
Eva Chloupek
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