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Idee eines "Tourismuskonvents" vorgestellt

Eichstätt
erstellt am 11.12.2018 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 15.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) "Eichstätt muss sich nicht verstecken, aber wir haben das Große und Ganze etwas aus den Augen verloren" - dieses Fazit zog Professor Harald Pechlaner vom Lehrstuhl Tourismus an der Katholischen Universität auf der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Freizeit und Fremdenverkehr.
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Eindrücklich appellierte Harald Pechlaner, das Gespräch über den Tourismus weiterzuführen.
Eindrücklich appellierte Harald Pechlaner, das Gespräch über den Tourismus weiterzuführen.
Straßer
Eichstätt
Sein Vortrag "Impulse für die touristische Zukunft Eichstätts" hatte am Montagabend auch einige Zuhörer in die öffentliche Sitzung gelockt. "Ein Stimmungsbild, basierend auf der Wahrnehmung der Bürger" biete dieser Vortrag, erklärte Pechlaner eingangs: 15 Eichstätter aus den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Tourismus, Kultur und Kirche habe sein Team mit offenen Fragen, also völlig ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten, interviewt und die Gespräche dann qualitativ ausgewertet.


Das sich daraus ergebende "Stimmungsbild" stellte Pechlaner unter mehreren Schlagworten vor. Als "typisch" für Eichstätt seien demnach Begriffe wie "Kleinstadt", "Uni", "Kirche", "Kultur und Natur", "Flair", "Altmühl" identifiziert worden, aber auch ein "Spannungsfeld zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen". Letztere seien in der Wahrnehmung der Befragten, die aus beiden Gruppen stammten, "stolz", "traditionsbewusst", "kleinbürgerlich" und "nicht immer offen für Neues".

Das Angebot in der Stadt, was Architektur, Geschichte, Stadtführungen, Kultur, aber auch Natur, Wandern und Radwandern angehe, werde durchaus als positiv gesehen, während im Bereich Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungskultur "Verbesserungspotenzial" bestehe. Als wichtige Akteure in der Stadt wurden die Kirche, die Universität und die Stadtverwaltung genannt.

Bei der Frage nach Herausforderungen für Eichstätt seien Geschäftsschließungen, eine mangelhafte Verbindung von Alt- und Spitalstadt, die fehlende Zusammenarbeit und Modernität der Museen, der Verkehr, aber auch eine pessimistische Grundstimmung, ein gefühlter Stillstand, versäumte Chancen und ein genereller Ideenmangel angesprochen worden. "Großes, aber ungenutztes Potenzial" für den Tourismus sähen die Befragten im Bereich "Design und Atmosphäre", sprich im "ästhetisch ansprechenden" Stadtbild, das eine hohe Aufenthaltsqualität biete, in der "Stadt am Fluss" und auch in den historischen Persönlichkeiten Willibald und Walburga.

Es müssten, so fasste Pechlaner zusammen, "die richtigen Geschichten erzählt werden". Eine reine Präsenz der einmaligen Architektur reiche nicht aus, Ruhe und Beschaulichkeiten seien positive Eigenschaften, die jedoch "mit hochwertigen Angeboten erlebbar gemacht" werden sollten. Der Tourismusprofessor sprach in diesem Zusammenhang von "Erlebniskorridoren" für Besucher, durch welche etwa der Residenzplatz in ein zielgruppenorientiertes Gesamtkonzept integriert werden könnte.

"Eichstätt bedarf einer aktiven und selbstbewussten Positionierung als Vorzeigeprojekt in der Region Ingolstadt", forderte Pechlaner. Um dieses Ziel langfristig zu erreichen, schlug er zum Abschluss seines Vortrages "die Einrichtung eines zeitlich begrenzten Tourismuskonvents" vor. In so einem Gremium würden nach seiner Idee Vertreter der Bürgerschaft, der Kirche, der Politik, der Uni und der Gewerbetreibenden "gemeinsam an Zukunftsthemen arbeiten, Vorschläge formulieren und offen diskutieren". Es erfordere allerdings, so endete Harald Pechlaner, eine "aktive Anstrengung der Stadt, ein solches Gremium wohlwollend zu begleiten." Die Mitglieder des Kulturausschusses reagierten jedenfalls wohlwollend auf die Ausführungen des Professors: "Interessant" (Sigurd Eisenkeil), ja "inspirierend" (Günther Köppel) sei der Vortrag gewesen, der "Bekanntes, aber auch Neues" geboten habe, über das man nun nachdenken müsse, wie Oberbürgermeister Andreas Steppberger meinte. "So viele Impulse - da muss es doch jetzt ein Aufwachen geben", befand Oliver Haugg, der am liebsten gleich loslegen wollte, etwa mit Aktionen zum Jubiläum "1111 Jahre Stadt Eichstätt", das im kommenden Jahr auch dazu beitragen könne, den Einzelhandel zu stärken. Hier wiegelte Pechlaner jedoch ab, da man nicht "in fünf Minuten ein Tourismuskonzept" erstellen könne; die "Selbstständler", so der Südtiroler, müssten da eher selbst aktiv werden.

Während einige Ausschussmitglieder betonten, den Vorschlag eines Tourismuskonvents weiterverfolgen zu wollen, äußerte Fred Pfaller die Befürchtung, dass dies eine Art "Debattiergruppe mit tollen Ideen, aber ohne Verbindlichkeit" werden würde. Tatsächlich sei "ein partizipativer Ansatz wichtig, aber aufwendig", gab Pechlaner zu. Um positive Argumente für die Zukunft des Tourismus in Eichstätt zu entwickeln, seien Diskussionen jedoch notwendig - wie auch die Frage, die sich die Politik stellen müsse: "Was ist man bereit, zukünftig an Ressourcen bereitzustellen?"

Um die Bereitstellung finanzieller Ressourcen ging es noch ganz konkret in einem zweiten Tagesordnungspunkt: Ein Zuschuss von 5000 Euro für das Musikfest des Vereins Alte Musik Eichstätt e.V. wurde bewilligt.

Kommentar

Ein Satz, der ebenfalls am Montagabend fiel, war: "Tourismus braucht Akzeptanz in der Bevölkerung. " Eine Ideenschmiede, an der nicht nur Institutionen, sondern auch Eichstätter Bürger beteiligt sind, könnte ein Schritt in diese Richtung sein. Denn gemeinsam über die Zukunft der Stadt zu diskutieren, würde das Verständnis fördern: Was Touristen gefällt, käme unmittelbar auch den Einheimischen zugute - mehr Aufenthaltsqualität und Leben in der Innenstadt, in den Museen, in Gaststätten und Geschäften, an der Altmühl. Dafür, und nicht für kurzfristig angesetzte Einzelaktionen, braucht man ein Konzept. Und ja, auch ein paar "Ressourcen".

Katrin Straßer

Katrin Straßer
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