Donnerstag, 17. Januar 2019
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170 Ehrenamtliche aus der Region am Wochenende im Einsatz - Zweites Kontingent heute Nacht gestartet

"Gigantisch, wie viele Leute helfen wollen"

Eichstätt
erstellt am 13.01.2019 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 17.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) "Die brauchen in Garmisch noch Schneehexen, die sind total blank!" - "Warte schnell, ich bin schon dran!": Am Samstagnachmittag liefen in der Kreiseinsatzzentrale (KEZ) in Eichstätt die Telefone und Funkgerät heiß.
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Nach der Bitte um Unterstützung durch die Regierung von Oberbayern am Freitagmorgen (wir berichteten) ging alles ganz schnell, erzählt Kreisbrandrat Martin Lackner: "Schon eine halbe Stunde später trafen sich alle verfügbaren Führungskräfte im Landratsamt, um die Aufgaben zu verteilen. Seit Freitag, 15 Uhr, ist die Kreiseinsatzzentrale besetzt und um 18 Uhr haben sich unsere Leute mit über 30 Fahrzeugen von Lenting aus in Bewegung gesetzt." Landrat Anton Knapp sei mit ihm vor Ort gewesen, um die Einsatzkräfte zu verabschieden, berichtet der Kreisbrandrat.
Vor dem Kampf gegen die Schneemassen (oben) steht die Lagebesprechung. Genächtigt wird auf Feldbetten. Koordiniert wird alles durch eine mobile Einsatzzentrale vor Ort und die Kreiseinsatzzentrale in Eichstätt (unten rechts).
Vor dem Kampf gegen die Schneemassen (oben) steht die Lagebesprechung. Genächtigt wird auf Feldbetten. Koordiniert wird alles durch eine mobile Einsatzzentrale vor Ort und die Kreiseinsatzzentrale in Eichstätt (unten rechts).
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Nach vier Stunden Fahrt war das Ziel, Grabenstätt im Landkreis Traunstein, erreicht. "Untergebracht sind wir hier in der Grundschule, dort werden wir abends auch verpflegt von einer Verpflegungseinheit des Landkreises Traunstein", berichtet Simon Fichtl, der mit der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) aus Eichstätt vor Ort ist. Die Nacht verbrachten die Ehrenamtlichen auf Feldbetten in Klassenzimmern und auf Schulfluren: "Feldbetten sind so semibequem, aber für ein bis zwei Nächte geht's". Am Samstagmorgen hieß es für das Eichstätter Kontingent: auf zum Einsatzabschnitt Reit im Winkl.
 
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"Aufgabe der Kollegen ist es vorrangig, öffentliche Gebäude, die gefährdet sind, von der Schneelast zu befreien. Dazu werden die Dächer mit Schaufel und sogenannten Schneehexen abgeräumt, alles mit Absicherung durch Kräne oder andere Hubgeräte", erklärt Fichtl. "Es ist es für uns hier sehr schwierig, die Dächer vom Schnee zu befreien, nicht nur wegen der Menge, sondern auch aufgrund der Schwere des Schnees. Die Schneemassen sind für uns aus dem Flachland Bayerns fast nicht vorstellbar", schildert er die Situation vor Ort. Fichtl selbst muss nicht aufs Dach, hat aber in der mobilen Einsatzzentrale ebenfalls Stress - ohne Koordination ist so ein Großeinsatz nicht möglich.
 
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Das ist auch in Eichstätt zu spüren am Samstagnachmittag: "Hier Florian Eichstätt Land", meldet sich Michael Drätzl am Funkgerät. Zusammen mit Martin Lackner als Führungskraft sowie Markus Schweiger und Michael Kappelmeier hält Drätzl in der KEZ die Stellung. Gerade sagen die Wehrler aus Nassenfels Bescheid, dass sie bereit zur Abfahrt sind: Schließlich gilt es, möglichst schnell die benötigten Schneehexen (auch Schneewannen, Schneeschieber genannt) ins Krisengebiet zu fahren. Kappelmeier versucht derweil, noch weitere Schneehexen zu organisieren - eventuell gibt es zusätzlich welche in Eching, die könnten während der Fahrt in den Süden von Nassenfelser "aufgegabelt" werden.
 
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25 verschiedene Einheiten aus dem Landkreis waren am Wochenende im Einsatz: THW Eichstätt (siehe Kasten), die UG-ÖEL (Katastrophenschutz) des Landkreises Eichstätt, die Wasserwacht zur Absicherung der eigenen Einsatzkräfte sowie Feuerwehren aus Eichstätt-Stadt, Altmannstein, Hagenhill,Großmehring, Pförring, Kösching, Hofstetten, Hitzhofen-Oberzell, Böhmfeld, Kipfenberg, Denkendorf, Kinding, Beilngries, Dollnstein, Wellheim-Konstein, Schernfeld, Mörnsheim, Gaimersheim, Lenting, Stammham - und seit Samstag eben auch aus Nassenfels. "Und wir bekommen immer wieder Meldungen von Feuerwehren aus dem Landkreis, die auch gerne beim Kontingent mitgefahren währen. Es ist gigantisch, wie viele Leute helfen wollen", freut sich Kreisbrandrat Lackner.
 
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Schon am Sonntagmorgen um 8 Uhr geht die kräftezehrende Arbeit für die Einsatzkräfte aus der Region weiter - "der Schnee nimmt kein Ende", heißt es nachmittags auf der Facebookseite des Kreisfeuerwehrverbands Eichstätt. Zu diesem Zeitpunkt steht deswegen auch bereits fest: Der Einsatz im Landkreis Traunstein wird andauern. Am Sonntagabend, 48 Stunden nach ihrer Ankunft in Grabenstätt, dürfen zwar die ehrenamtlichen Kräfte des ersten Hilfeleistungskontingents ihre Sachen packen und den Heimweg antreten - aber die Ablösung steht schon in den Startlöchern.

Um drei Uhr am Montagmorgen setzt sich von Lenting aus das zweite Kontingent in Bewegung Richtung Reit im Winkl. Wieder sind es etwa 150 Leute in über 30 Fahrzeugen, die Kreisbrandrat Martin Lackner mitten in der Nacht verabschiedet und mit guten Wünschen ins Katastrophengebiet entsendet.

"Gott sei dank gibt es bis jetzt keine Verletzten zu beklagen. Ein Kamerad musste zwar aus gesundheitlichen Gründen den Einsatz abbrechen und wurde abgeholt, aber sonst ist alles im supergrünen Bereich", berichtet Lackner erleichtert. Probleme, auch für das zweite Hilfeleistungskontingent genügend Ehrenamtlich zu finden, hatte er keine - im Gegenteil: "Auch wenn jetzt insgesamt über 300 unserer Aktiven im Einsatz sind oder waren, gibt es immer noch welche, die traurig sind, weil sie nicht mitfahren konnten." Er habe sich deshalb bemüht, aus möglichst vielen Wehren im Landkreis Einsatzkräfte zu entsenden - "das ist ein wild zusammengewürfelter Haufen!"

THW unterstützt mit Know-How und Gerät

Eichstätt (ztt) Von Freitag bis Sonntag beteiligten sich zehn Freiwillige des Technischen Hilfswerks (THW) aus dem Ortsverband Eichstätt an den Hilfsmaßnahmen gegen die Schneemassen. Am Sonntag erfolgte ein Personalaustausch. Ein Teil der Helfer rückte aus dem Krisengebiet ab, andere fuhren in den Einsatz, der voraussichtlich bis Dienstag andauern wird.

Als erstes ging Andreas Zöpfl in den Einsatz. Er ist Spezialist, um die Statik bei Gebäuden zu begutachten. Als sogenannter THW-Baufachberater unterstützte er zusammen mit dem Eichstätter Florian Stopper die Einsatzkräfte in der Region Miesbach. Mit einer Feuerwehrdrehleiter ging es zur Schneelastmessung hinauf auf die Dächer von Schulen, Altenheimen und anderen Gebäuden. Dabei wird mit einem Messrohr eine Schneeprobe entnommen und gewogen. Anschließend wird die Probe auf Schneedichte, Vereisungsgrad und Wassergehalt untersucht. Bei etlichen Gebäuden fiel schließlich schnell die Entscheidung: Es muss geräumt werden.

Diese Weisung ging an die Einsatzzentrale, und die kümmerte sich darum, dass weitere Helfer anrückten. Für Zöpfl und Stopper ging es fast im Stundentakt weiter zum nächsten Gebäude. Wie Stopper berichtete, seien auf einigen Dächern "ungeheure Berge von Schnee". Ab und an entschieden die Baufachberater daher auch: Das Gebäude muss gesperrt werden und die Dächer dürfen nicht betreten werden.

Den sogenannten 5. Zug der Gruppe des Hilfeleistungskontigents des Landkreises Eichstätt in der Region Traunstein, die Logistik-Abteilung, leitete THW-Mann Christian Tontarra. Tontarra und sieben weitere THW-Leute begannen am Samstagmorgen in Reith im Winkel mit dem Schneeräumen auf Dächern. Große Hilfe war dabei der Eichstätter Teleskoplader. Der war mittels eines Tiefladers ins Krisengebiet gebracht worden. Mit einer vormontierten Schaufel konnten große Mengen Schnee schnell weggeräumt werden. Die acht THW-ler bleiben vorerst vor Ort.
Katrin Straßer
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