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Früher Schnee von Luc Piron ist Jahresdruck 2005

erstellt am 13.12.2005 um 18:50 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 14:35 Uhr | x gelesen
Eichstätt (klf) Wer trotz eisiger Kälte am späten Samstag-nachmittag in die Lithographie-Werkstatt der Stadt Eichstätt gekommen war, um dort der offiziellen und öffentlichen Vorstellung des Jahresdruckes aus der Lithographie-Werkstatt beizuwohnen, der wurde reichlich mit interessanten Einblicken in das Kunstschaffen der Künstler belohnt, die zuletzt in der städtischen Einrichtung gewerkelt haben. Wie bereits berichtet, ist die Werkstattausstellung, die noch bis Jahresende im Anwesen Pfahlstraße 25 gezeigt wird, im Bestand zu großen Teilen dem Thema "Figurenfeld im Hessental" gewidmet. Denn auch in der Lithographie-Werkstatt werden, wie derzeit noch in der ehemaligen Seminar- und Staatsbibliothek der Universität am Hofgarten, Arbeiten von Angelo Evelyn, Luc Piron und Li Portenlänger gezeigt.
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In der Ausstellung in der Pfahlstraße befassen sich die Arbeiten in kleinen Formaten und speziell in der Technik der Lithographie mit der Annäherung aller drei Künstler an Alois Wünsche-Mittereckers Figurenfeld. Und dazu ist ja auch eine ausgesprochen bibliophile Kunstkassette beim Verlag Kräck + Demler erschienen.

Nun nutzte Werkstattleiterin Li Portenlänger die Gelegenheit, im Rahmen der Vorstellung von Luc Pirons Jahresdruck 2005 mit dem Titel "Early Snow" auch Pirons zwei "computergenerierte Feldbegehungen" 53/53-3-6-9-12 und Flash 016 an die Werkstattwand zu beamen und ihre Entstehungsgeschichte und die von dem belgischen Kunstprofessor Piron zugrunde gelegte "serielle Teilung" der auf die Computerprints lithographierten Quadrate und Rechtecke zu erläutern.

Das erwies sich als spannende Geschichte, denn Luc Piron ist es mit diesen Computer-Bildfolgen gelungen, das beim Betrachter vorgewusste und vorbewusste Bild vom Figurenfeld in Bewegung zu bringen. Neue visuelle Eindrücke entstehen durch die von Piron vorgenommenen Überlagerungen. Und so erscheint eben auch das Figurenfeld selbst in neuem und anderem Erkenntnislicht.

Piron verhüllt das unbeschreibliche Leid, das der Mensch dem Menschen zuzufügen vermag nicht etwa, weil der Anblick nicht zu ertragen wäre, und man besser zudeckt, was man nicht ertragen kann oder sehen will. Für Piron waren im Vorfeld seiner künstlerischen Arbeit das Figurenfeld und die Weltereignisse, für die und gegen die es steht, aber tatsächlich auch eine erschütternde Entdeckung. Der Gewaltsamkeit, für die Alois Wünsche-Mitterecker abstrakt-expressive Figurzeichen gefunden hat, die man nicht besser machen könne, habe er, so Piron, nur durch partielles Verhüllen mit weg- und gedankenführender Konkretion begegnen können. Aber selbst in dem nun vorgestellten Jahredruck 2005, der unter dem Titel "Early Snow" alle Gewaltsamkeit und Brutalitätsstarre des Figurenfeldes zu brechen verspricht, wird die ungebrochene Macht von Alois Wünsche-Mittereckers figuralem Hilferuf gegen Gewalt ungebrochen deutlich. Und ebenso die Ohnmacht der Künste gegen entfesselte Gewalt. Vorher, ehe die Gewalt ausbricht, muss die Kunst wirken. Das ist die Überzeugung Wünsche-Mittereckers gewesen, und das ist die Überzeugung Luc Pirons.

Die Ausstellung in der Lithographie-Werkstatt ist noch bis 30. Dezember geöffnet. Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 16 bis 18 Uhr und Samstag und Sonntag von 11 bis 13 Uhr.

 

Ruediger Klein
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