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Nach Eichstätter Finanzskandal: Beschwerdeführer beharren auf innerkirchlicher Untersuchung

Hanke weiter in der Kritik

Eichstätt
erstellt am 19.07.2018 um 22:06 Uhr
aktualisiert am 23.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt/Rom (DK) Katholiken aus dem Bistum Eichstätt geben dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke weiter gemeinsam mit dem früheren Leitenden Finanzdirektor Willibald Harrer die Hauptschuld am millionenschweren Finanzskandal. Das machten sie in einem neuen Schreiben an den Vatikan deutlich. Derweil ist das Bistum offenbar in Verhandlung mit den Amerikanern, um den finanziellen Schaden für die Kirche zu minimieren.
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Bleibt nach dem Finanzskandal im Fokus: der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Gläubige aus seinem Bistum haben den Vatikan erneut eindringlich gebeten, die Vorgänge durch eine externe Kommission untersuchen zu lassen.
Bleibt nach dem Finanzskandal im Fokus: der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Gläubige aus seinem Bistum haben den Vatikan erneut eindringlich gebeten, die Vorgänge durch eine externe Kommission untersuchen zu lassen.
Schneider/DK-Archiv
Eichstätt
Die 18 Gläubigen, die bereits im März ein Beschwerdeschreiben gegen Hanke bei der zuständigen Behörde in der kirchlichen Hauptverwaltung eingereicht hatten, wandten sich nun noch einmal nach Rom: Sie wollen so erreichen, dass im Bistum Eichstätt ähnlich wie in Limburg nach dem Skandal um die Finanzierung des dortigen Bischofshauses eine externe Kommission die Vorgänge untersucht. Rom lehnte dies aber bekanntlich mit einem Verweis auf das laufende Strafverfahren an einem deutschen Gericht ab. Seitdem gibt es einen Briefwechsel zwischen den Parteien, ein erneutes Schreiben ging Anfang der Woche in die Vatikanstadt.

"Für den Verlust von voraussichtlich circa 50000000 Dollar tragen nach unserer Auffassung sowohl der damalige Leitende Finanzdirektor und Diözesanökonom Domdekan Willibald Harrer als auch Bischof Gregor Maria Hanke die Hauptverantwortung", heißt es in einem von Walter Hürter unterzeichneten Brief. "Wir bitten die Kleruskongregation noch einmal eindringlich, nicht länger abzuwarten, sondern entschlossen und schnell zu handeln", so Hürter, der Erstunterzeichner der Beschwerdeschrift ist. "Der Bischof steht nicht zu seiner Verantwortung", ergänzt Hürter gegenüber unserer Zeitung. "Wir sind der Überzeugung, dass er (Hanke, d. Red.) grob fahrlässig Personalentscheidungen getroffen und seine Kontrollpflichten verletzt hat", so Hürter.

Man erwarte nicht nur eine externe Kommission, sondern eine ähnlich strenge Handhabe wie in einem vor Kurzem bekannt gewordenen indischen Finanzskandal: Dort war im Februar einem Kardinal die Verwaltungsbefugnis über sein Bistum entzogen worden. Ihm wird "Vatican News" zufolge vorgeworfen, dem Erzbistum einen Schaden von etwa 13 Millionen Dollar zugefügt zu haben. Eine interne Kommission hatte - ohne den Kardinal direkt zu nennen - in ihrem Bericht empfohlen, die Verantwortlichen für die Misswirtschaft nach Kirchenrecht sowie nach indischem Zivilrecht zur Rechenschaft zu ziehen. Ähnlich solle auch in Eichstätt gehandelt werden: Man solle eine unabhängige Untersuchung anstreben und einen Administrator einsetzen.

Das Bistum weist unterdessen einen Vergleich mit Indien zurück: "Der angeblich ähnliche Fall in Indien ist mit dem Sachverhalt im Bistum Eichstätt nicht vergleichbar", erklärte eine Sprecherin der Diözese unserer Zeitung. Dem Kardinal selbst werde dort betrügerisches Verhalten vorgeworfen, zudem stehe der Vorwurf der Korruption im Raum: "Diese Anschuldigungen gibt es im Bistum Eichstätt im Zusammenhang mit den Darlehensvergaben nicht." Hanke selbst begrüße nach wie vor die Anzeige gegen ihn in Rom: Daran hat sich nichts geändert, wie es gestern aus dem Bistum hieß.

Im Februar hatte die Diözese selbst öffentlich gemacht, dass der frühere Vize-Finanzdirektor mit dubiosen Immobilienkrediten in den Vereinigten Staaten gehandelt hat und in diese rund 60 Millionen US-Dollar aus dem kirchlichen Anlagevermögen gesteckt hat. Sowohl der frühere Vize-Finanzdirektor wie auch sein US-Kompagnon saßen fast drei Monate lang in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen die beiden Männer wegen des Verdachts der Untreue, der Bestechung und der Bestechlichkeit.

Das Bistum geht aktuell davon aus, dass außer den bereits zurückgezahlten sechs Millionen Dollar kein Geld mehr aus den USA in die Bistumskassen zurückfließt: Vielmehr ist von "uneinbringlichen Forderungen" die Rede. Allerdings: Die Diözese verhandelt aktuell mit dem US-Amerikanern, um die "soweit irgend möglich eine Minimierung des Schadens zu erreichen", wie die Bistumssprecherin sagte. Dass man die bislang nicht zurückgezahlten 54 Millionen Dollar abgeschrieben habe, sei, so die Sprecherin weiter, ein "Gebot der kaufmännischen Vorsicht". Damit hätte die Diözese allein aus diesen Geschäften rund ein Sechstel ihres Anlagevermögens verloren.

Vor wenigen Wochen hatte das Bistum unserer Zeitung gegenüber zudem bestätigt, dass durch den hochriskanten Kauf von Schiffen im Jahr 2012 weitere fünf Millionen Euro verloren gingen. Diese Käufe hatte der frühere Leitende Finanzdirektor des Bistums, Willibald Harrer, initiiert. Interne Untersuchungen im Ordinariat sollen die Verantwortlichkeit des früheren Domdekans in diesem Zusammenhang klären. 2017 musste das Bistum zudem aus von einer Regionalbank empfohlenen Schiffsfonds insgesamt rund 1,1 Millionen Euro abschreiben. Außerdem gingen vergangenes Jahr aus Flugzeugbeteiligungen weitere 600000 Euro verloren.

Zur internen Aufarbeitung hat der Bischof den Angaben zufolge zudem eine Anwaltskanzlei beauftragt, "ohne Rücksicht auf betroffene Personen sämtliche Verantwortlichkeiten bezüglich tatsächlicher und rechtlicher Gesichtspunkte umfassend zu prüfen". Der Prüfbericht der Anwaltsanwaltskanzlei soll im Herbst vorliegen.
 
Marco Schneider
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