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Der Eichstätter Joachim Mathieu legt ein Buch vor - Familien- und Zeitgeschichte verknüpft - Montag Präsentation

Feuer gefangen für die Ahnenforschung

Eichstätt
erstellt am 07.12.2018 um 17:46 Uhr
aktualisiert am 12.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Am Anfang war es nur ein Ordner, der im Schrank verstaubte.
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Monatelang brütete Joachim Mathieu über historischen Familienakten: Jetzt hat der Geschichtslehrer darüber ein Buch geschrieben.
Monatelang brütete Joachim Mathieu über historischen Familienakten: Jetzt hat der Geschichtslehrer darüber ein Buch geschrieben.
Henriette Mathieu
Eichstätt
Ein Ordner voll mit Schriftsätzen aus der Familiengeschichte, die auch für einen Geschichtslehrer nicht sonderlich interessant wirkten. Aber Anfang 2017, als Joachim Mathieu von seiner Tante um Hilfe bei der Erstellung einer Familienchronik gebeten wurde, da hat er "Feuer gefangen". Und zwar so, dass er nun ein rund 250 Seiten dickes Buch vorlegt.

Dessen Titel, "Die großen Spuren des Sigmund Klein", mag vielleicht nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Diesen Sigmund Klein kennt man nicht. Muss man auch nicht: Es ist der Ur-Ur-Großvater von Joachim Mathieu, 47 Jahre alt und seit über 15 Jahren Lehrer am Eichstätter Gabrieli-Gymnasium (GG). Aber dieser Ururgroßvater war Jude - und damit lässt sich für Mathieu nicht nur die eigene Familiengeschichte erzählen. Sie, die "kleine Geschichte", lässt sich für ihn vielmehr einbetten in die "große Geschichte", der er sich als Historiker - er ist am GG Geschichts- und Englischlehrer - natürlich verbunden weiß.

Knapp sechs Monate lang hat er die Akten, die ihm seine Großeltern hinterlassen hatten, studiert, und dabei so einiges Interessantes zutage gefördert, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Das wiederum ließ sich dann im Buch darstellen - anhand vieler originaler Quellen aus dem Familienarchiv, aber auch aus anderen Archiven. So erklärt Mathieu nicht nur die Entnazifizierung, sondern zeigt auch in verständlicher Sprache - und auch für Nichthistoriker -, was diese Prozesse mit einer Familie gemacht haben.

Mathieu hat sein Buch, das er am Montagabend im Spiegelsaal der Residenz vorstellt, in drei "Akte" gegliedert und davor einen ausführlichen Prolog geschrieben, um seine Beweggründe für das Buch darzulegen. Er nimmt den Leser mit auf die Suche nach den Unterlagen für den "Ariernachweis", der im Dritten Reich von Nöten war. Der zweite "Teil" befasst sich mit den Spuren der jüdischen Vorfahren. An dessen Ende begegnet Mathieu der Titelfigur seines Buches, jenem Sigmund Klein, dessen Verbleib für die ganze Familie bislang rätselhaft war. Durch die intensive Forschungsarbeit kam einiges ans Tageslicht - bis hin zur Entdeckung eines jüdischen Verwandten in Amerika, der als Kind ein Spielkamerad Anne Franks war. Der dritte "Akt", den Mathieu angelegt hat, ist eigentlich noch einmal ein Sprung in die Vergangenheit: Denn Klein musste sich dereinst einem Vaterschaftsprozess stellen. Ob er überhaupt in den Stammbaum der Mathieus passt? Dieser Frage geht der Autor dann in einem Epilog nach, in dem er auch ein imaginäres Gespräch mit Sigmund Klein führt.

Auch wer Sigmund Klein oder Joachim Mathieu nicht kennt: Die 250 Seiten sind das Eintauchen in eine Familiengeschichte wert.

BuchvorstellungJoachim Mathieu stellt das Buch, die Hintergründe und die Geschichten dazu am kommenden Montag, 10. Dezember, um 19 Uhr im Spiegelsaal der Residenz in Eichstätt ausführlich vor. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Joachim Mathieu, "Die großen Spuren des Sigmund Klein: Auf der Suche nach meinem jüdischen Ururgroßvater", Hess-Verlag, 256 Seiten, 16,80 Euro.
Marco Schneider
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