Freitag, 18. Januar 2019
Lade Login-Box.

Antonia Kuhn war als Jugenddelegierte in New York bei der UN-Generalversammlung

"Es lohnt sich immer, sich einzubringen"

Hitzhofen/New York
erstellt am 13.12.2018 um 14:19 Uhr
aktualisiert am 17.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hitzhofen (EK) Im Oktober waren Jugenddelegierte aus der ganzen Welt in New York bei der UN-Versammlung vertreten. Antonia Kuhn durfte die deutsche Delegation begleiten.
Textgröße
Drucken
Die Jugenddelegierten zur 73. Sitzung der UN-Generalversammlung kommen aus aller Welt (oben). Unter ihnen ist die Hitzhofenerin Antonia Kuhn, die die deutsche Delegation begleitet hat.
Die Jugenddelegierten zur 73. Sitzung der UN-Generalversammlung kommen aus aller Welt (oben). Unter ihnen ist die Hitzhofenerin Antonia Kuhn, die die deutsche Delegation begleitet hat.
Kuhn/UN Photo/Loey Felipe
Hitzhofen/New York
Sie werden als "Experten in Jugendfragen" bezeichnet. Sich selbst verstehen die Jugenddelegierten eher als Repräsentanten ihrer Generation. "Es geht uns nicht um irgendeine Expertise auf einem bestimmten Gebiet", erklärt Antonia Kuhn den Gedanken. Vielmehr wollen sie und die anderen jungen Delegierten zeigen, dass die Jugend auch im politischen Sektor präsent ist. Es soll ein Zeichen gegen das Stigma sein, mit dem Jugendliche und junge Erwachsene oft zu kämpfen haben: Nicht politisch interessiert zu sein. Dass jedoch genau das Gegenteil der Fall ist, hat die Hitzhofenerin schon vor ihrem Aufenthalt in New York festgestellt. Zusammen mit dem zweiten Jugenddelegierten aus Deutschland, Lukas Schlapp, war sie auf einer Tour quer durchs Land unterwegs, bei der ein Meinungsbild der Jugend erstellt wurde. "Ich war beeindruckt von der großen Fülle an engagierten jungen Menschen", erinnert sich Kuhn. In zahlreichen Gesprächen und politischen Diskussionen haben sich Themen herauskristallisiert, die besonders präsent für Jugendliche sind. Dabei hat Antonia Kuhn festgestellt, dass neben Naturschutz, Bildung und Migration auch Grundwerte von der Jugend gleichermaßen vertreten werden. "Die meisten wünschen sich ein friedvolles Zusammenleben und setzen sich auch dafür ein", sagt die Hitzhofenerin mit Nachdruck.

All diese Gespräche haben sie und Lukas Schlapp versucht in die Rede miteinzubauen, die sie schließlich in New York vor dem dritten Ausschuss der Generalversammlung gehalten haben. "Es ging hier zwar hauptsächlich um das Thema ,Soziale Entwicklung', aber wir haben trotzdem versucht auch andere Dinge einfließen zu lassen, die junge Menschen in Deutschland bewegen." Als sie die Rede schließlich halten durfte, sei sie kaum nervös gewesen. "Ich war gut vorbereitet und habe mich in diesem Moment einfach total richtig gefühlt", beschreibt die junge Erwachsene ihr Erlebnis. Ihr und Lukas Schlapp sei es wichtig gewesen, sich in dem kurzen Moment möglichst stark zu präsentieren. "Wir haben zu Beginn gefragt, wo Jugendliche in den einzelnen Ländern eingebunden werden. Damit hoffen wir Denkanstöße für die Zukunft zu geben." Eigentlich sei für sie die Rede auch gar nicht im Vordergrund gestanden, sondern die Informationsveranstaltungen zwischen den Verhandlungspausen, die sogenannten "Side Events". Bei diesen informellen Treffen konnten Diskussionen reflektiert werden. Daneben haben die Jugenddelegierten auch an den Resolutionsverhandlungen teilgenommen. Zwar hatten die Jugenddelegierten dabei nicht die Möglichkeit sich aktiv zu beteiligen, aber alleine einem solchen Treffen als Beobachter beizuwohnen beschreibt Antonia Kuhn als unvergessliches Erlebnis.

Für die Hitzhofenerin waren die drei Wochen in New York nur ein kleiner Teil ihrer einjährigen Erlebnisreise als Jugenddelegierte. Bevor sie im März ihr Amt an einen neuen Bewerber übergibt, stehen noch zahlreiche Stationen mit Workshops und Vorträgen auf dem Programm. Was sie dabei jungen und älteren Menschen mit auf den Weg geben möchte, ist Antonia Kuhn schnell klar geworden: Es gibt ein Kommunikationsproblem zwischen Jung und Alt. "Ich habe mich immer wieder gefragt, warum wir jungen Menschen als politikverdrossen gelten", sagt die junge Frau. Für sie ist mittlerweile klar, dass die verschiedenen Generationen zu unterschiedlich kommunizieren um gegenseitig wahrgenommen zu werden. "Noch als meine Eltern jung waren, ist man auf die Straße gegangen, um zu protestieren, oder hat Plakate aufgehängt. Heute äußern sich junge Menschen vor allem auf Social Media. Ein Hashtag wird oft von Hunderttausenden Personen geteilt." Dadurch dass sich Jugendliche hauptsächlich online äußerten, seien sie im Alltag älterer Menschen nicht mehr so präsent, erklärt Kuhn. Deswegen sei es besonders wichtig, sich für eine bessere Vernetzung einzusetzen. Die Jugenddelegierten sehen es als eine ihrer Hauptaufgaben, diese Vernetzung voranzutreiben. "Wir müssen als Jugendliche nicht nur besser von verschiedenen Organisationen eingebunden werden, wir müssen auch aktiv und gut sichtbar für unseren Standpunkt werben", motiviert Antonia Kuhn alle jungen Menschen, sich zu engagieren.

"Leider müssen wir erst alt werden, bevor wir ernst genommen werden", sagt die Jugenddelegierte. Zwar sei Deutschland in der Vernetzung mit jungen Menschen im Vergleich zu anderen Ländern schon gut aufgestellt, es gäbe aber noch viel Luft nach oben. Die Wertschätzung der Jugenddelegierten ist auch bei der UN-Generalversammlung sehr unterschiedlich und hängt von den einzelnen Ländern ab. "Manche Landesvertreter reisen erst später an, weil sie die Jugendlichen nicht ernst nehmen und an ihren Aussagen nicht interessiert sind", berichtet Antonia Kuhn. In Deutschland spüre man eine große Offenheit gegenüber den jungen Menschen. Sie und Lukas Schlapp seien von Anfang an gut betreut gewesen. Auch die Resonanz zu ihrer Rede war durchwegs positiv, erinnert sich Antonia Kuhn. "Wir hatten den Eindruck, dass von deutscher Seite großes Interesse an der Perspektive der Jugend besteht." Jetzt hoffen sie die Themen ihrer Rede nochmal bei einem Besuch im Bundestag einbringen zu können. Im Februar steht dann ein zweiter Besuch in New York auf dem Programm. Bei dem ebenfalls dreiwöchigen Aufenthalt werden Antonia Kuhn und Lukas Schlapp bei der Sozialentwicklungskommission dabei sein.

Auf die Frage, wie die Jura-Studentin all diese Aufgaben mit ihrem Studium verbunden hat, verweist sie auf die große Offenheit ihrer Hochschule. Außerdem sei es ihr großer Traum gewesen, einmal Jugenddelegierte zu sein, da wäre man auch bereit andere Dinge hinten anzustellen. "Schon vor dieser Zeit war ich einmal in New York und bei einer UN-Versammlung als Besucherin", erzählt Antonia Kuhn. "Dann tatsächlich Teil des Ganzen zu sein, war einfach unglaublich". Schon jetzt habe sie sich in ihrer Aufgabe als Jugenddelegierte persönlich weiterentwickelt. "An der Tätigkeit wächst man enorm, diese Chance sollte man ergreifen", wirbt die junge Frau für das Amt. "Es lohnt sich immer, sich einzubringen. Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun und Tatsachen blind zu akzeptieren."

Die aktuelle Ausschreibung für die Jugenddelegierten 2019 ist unter www.jugenddelegierte.de aufrufbar.
Anna Hecker
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!