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Bayerns größter Waldwindpark wurde an Investmentstiftung verkauft - Entschädigung für Gemeinden

Windräder jetzt in Schweizer Hand

Schernfeld/Raitenbuch
erstellt am 14.09.2018 um 14:45 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schernfeld/Raitenbuch (EK) Kaum ein Jahr nach seiner offiziellen Inbetriebnahme hat Bayerns größter Waldwindpark an der Landkreisgrenze von Eichstätt und Weißenburg-Gunzenhausen einen neuen Eigentümer - die in Zürich ansässige IST3 Investmentstiftung. Dies geht aus einer Mitteilung der Regensburger Ostwind-Gruppe hervor, die dieses Großprojekt entwickelt und 2017 gemeinsam mit der Firmengruppe Max Bögl realisiert hat.
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16 Anlagen produzieren in Bayerns größtem Waldwindpark regenerativen Strom. Elf Windräder befinden sich auf Raitenbucher Gebiet (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), fünf im Workerszeller Forst (Kreis Eichstätt).
16 Anlagen produzieren in Bayerns größtem Waldwindpark regenerativen Strom. Elf Windräder befinden sich auf Raitenbucher Gebiet (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), fünf im Workerszeller Forst (Kreis Eichstätt).
Hager
Schernfeld/Raitenbuch
Insgesamt 16 Windräder drehen sich seit vergangenem Oktober in dem Waldgebiet: fünf im Workerszeller Forst (Gemeinde Schernfeld, Landkreis Eichstätt) und weitere elf auf Raitenbucher Gebiet (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen). Zusammen erzeugen sie nach Unternehmensangaben pro Jahr rund 107 Millionen Kilowattstunden Strom und versorgen damit rechnerisch über 38000 Haushalte. Das entspricht etwa 40 Prozent der Haushalte der beiden Landkreise. Zum Kaufpreis gibt es keine Angaben: Bei der Einweihung war von einer Investition in Höhe von 100 Millionen Euro die Rede gewesen.

Für die Menschen und die Gemeinden vor Ort ändere sich durch den Verkauf nichts, heißt es weiter: Service- und Wartungsarbeiten der beiden Windparks und des ebenso von der IST3 Investmentstiftung erworbenen Umspannwerks würden weiter von lokal und regional ansässigen Unternehmen durchgeführt.

Beim Spatenstich Anfang April vergangenen Jahres war noch viel von regionaler Wertschöpfung die Rede und der "wirtschaftlichen Teilhabe der Bürger vor Ort". Diese sollte so aussehen, dass die betreffenden Kommunen beziehungsweise Energiegenossenschaften in jeweils ein Windrad pro Seite investieren können, wie Ostwind-Geschäftsführer Rolf Bungart damals auf Nachfrage unserer Zeitung konkretisiert hatte. Dies ist nun hinfällig. Im Zuge der Verkaufsverhandlungen ist es aber zu einer Einigung mit den Kommunen gekommen - und zwar in der Form, dass die Gemeinden Raitenbuch und Schernfeld "angemessen finanziell berücksichtigt werden", so Raitenbuchs Bürgermeister Josef Dengler auf Anfrage unserer Zeitung. Über die Höhe der Entschädigung könne er allerdings keine Auskunft geben. "Wie haben hier genau abgewogen und festgestellt, dass der Verzicht auf den Kauf eines Windrads im Endeffekt günstiger für uns ist", verdeutlichte Dengler.
 

Hintergrund

Die IST3 Investmentstiftung ist eine Anlagestiftung nach schweizerischem Recht und durch die Eidgenössische Aufsichtsbehörde für berufliche Vorsorge (OAK BV) reguliert. IST3 ist Teil der IST Investmentstiftung, die im Jahr 1967 gegründet wurde und insgesamt rund neun Milliarden Schweizer Franken an Vorsorgekapital von mehr als 500 Schweizer Pensionskassen verwaltet.
 

Gemeinwohl und Sorge für Arme

Windradgeschichte, die Zweite: Vor dem Hintergrund der Veräußerung des  Waldwindparks Workerszeller Forst/Raitenbucher Forst meldet sich die  NEW Bürgerwind Walting  zu Wort, die drei Anlagen in der Nähe von Rapperszell betreibt. Hierbei geht es um ein Schreiben des Bistums Eichstätt, das in Zusammenhang mit dem   Finanzskandal fast schon als amüsant zu bezeichnen ist. Bekanntlich droht ja dem Bistum durch zweifelhafte Kredite und Anlagen wie Schiffsbeteiligungen der Verlust von rund 50 Millionen Euro. 
Jedenfalls hatte die NEW Bürgerwind Walting  der Diözese Eichstätt im Jahr 2016 eine Beteiligung an den drei Windrädern angeboten, wie Geschäftsführer Daniel Bauer gegenüber unserer Zeitung berichtet. Die Reaktion: ablehnend. Die Begründung: zum Augenreiben. Demnach heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt und vom damaligen Finanzdirektor Willibald Harrer und dessen  früherem Stellvertreter unterzeichnet worden war, unter anderem: „Diözesanes Vermögen hat dem kirchlichen Gemeinwohl und der Sorge für Arme zu dienen. Folglich darf die Geldanlage auf keinen Fall für fremde Zwecke eingesetzt werden, wozu Formen der Wirtschaftsförderung beziehungsweise  wirtschaftlichen Anschubfinanzierungen zu zählen sind.“ Und weiter: „Auch die Anlagenpolitik für kirchliches Vermögen unterliegt strengen Regularien, die neben ethischen Kriterien den Erhalt des Vermögens gewährleisten und Risiken ausschließen wollen.“ Das Fazit: „Wir qualifizieren die von Ihnen angebotene Beteiligung als Eigenkapitalanlage, die das Risiko des Totalverlustes beinhaltet. Allein dieser Umstand lässt ein lnvestment nicht zu. Darüber hinaus bestehen weitere, in Bezug auf das anzulegende Vermögen diözesaninterne Umstände, die gegen eine Beteiligung des Bistums an der NEW Bürgerwind Walting sprechen.“
Daniel Bauer dazu: „Wir konnten  bereits nach dem ersten Betriebsjahr 2017 die Ausschüttung von den prognostizierten drei  auf vier Prozent erhöhen.“
Jürgen Knopp
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