Montag, 15. Oktober 2018
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Sanierung des ehemaligen Scharfrichterhauses kurz vor der Vollendung

Einst ein fast hoffnungsloser Fall

Eichstätt
erstellt am 10.10.2018 um 17:53 Uhr
aktualisiert am 14.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Es galt als fast hoffnungsloser Fall, als potenzielles Abrissobjekt. Doch nun steht die Sanierung des früheren Stadtbauernanwesens am Neuen Weg in Eichstätt, des sogenannten Scharfrichterhauses, kurz vor dem Abschluss. Ein Unterfangen, das Ende 2013 seinen Anfang genommen hat.
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Als eine Kommission des Bezirks Oberbayern das ehemalige Scharfrichterhaus im Jahr 2012 besichtigte (oben), war die Zuversicht gering, dass eine Sanierung gelingen könnte, zu groß waren die Schäden (unten links). Sechs Jahre später ergibt sich ein völlig anderes Bild (unten rechts).
Als eine Kommission des Bezirks Oberbayern das ehemalige Scharfrichterhaus im Jahr 2012 besichtigte (oben), war die Zuversicht gering, dass eine Sanierung gelingen könnte, zu groß waren die Schäden (unten links). Sechs Jahre später ergibt sich ein völlig anderes Bild (unten rechts).
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Noch gut ein Jahr zuvor, im August 2012, war die Kommission des Bezirks Oberbayern, die über die Vergabe von Denkmal-Fördermitteln entscheidet, in der Domstadt unterwegs, um gelungene und weniger gelungene Sanierungsobjekte unter die Lupe zu nehmen. Ganz oben auf der Liste der Problemfälle: das Scharfrichterhaus, dessen Ursprung auf das Jahr 1654 zurückgeht. Der Zustand des dreigliedrigen Anwesens erregte fast nur Mitleid und Kopfschütteln bei den Betrachtern, die damalige Eigentümerfamilie zeigte sich überfordert, was eine mögliche Sanierung anging. Die Gebäude waren über Jahrzehnte vor sich hin verfallen. Zu allem Überfluss war noch ein großer Steinbrocken von der rückwärtigen Felswand in eines der Häuser eingeschlagen. Bei der Besichtigung war von einem "Fass ohne Boden" die Rede gewesen. Die kühnsten Optimisten betrachteten eine Sanierung immerhin noch als "sicher grenzwertig".
Am Fuße des Neuen Wegs in Eichstätt befindet sich das frühere Kleinbauernanwesen. Nach jahrzehntelangem Verfall startete 2015 die Sanierung, die Ende des Jahres abgeschlossen werden soll. Entstanden sind hier fünf Mietwohnungen.
Am Fuße des Neuen Wegs in Eichstätt befindet sich das frühere Kleinbauernanwesen. Nach jahrzehntelangem Verfall startete 2015 die Sanierung, die Ende des Jahres abgeschlossen werden soll. Entstanden sind hier fünf Mietwohnungen.
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Völlig unvermutet stellte sich ein Jahr später dann doch jemand dieser Herausforderung: der Treuchtlinger Zahnarzt Dr. Rainer Haubner. Er erwarb das Anwesen auf Empfehlung eines ihm bekannten Architekten aus Weißenburg und leitete mit ihm die Sanierung in die Wege. "Zunächst lief alles eher schleppend", gibt Haubner heute zu Protokoll. Allzu konkret wollte er nicht werden, aber die Mühlen beim Landesamt für Denkmalpflege mahlten eben doch langsamer als erhofft. Darüber hinaus seien deutlich weniger Zuschüsse geflossen, als eigentlich zugesagt worden seien. Irgendwann kam die Sache aber doch ins Rollen, sodass die Sanierung 2015 starten konnte, "wobei ein großer Dank an die Stadt Eichstätt für deren Bemühungen für das Vorhaben geht". Nun sei der Abschluss "Gott sei Dank" in Sichtweite, erklärt Haubner gegenüber unserer Zeitung. Ende des Jahres sollen die Gebäude fertiggestellt sein, derzeit würden noch Estrich und die Böden verlegt. Entstanden sind fünf Wohnungen, die vermietet werden.
 
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Für ihn sei ein solches Vorhaben Neuland gewesen, räumt Haubner ein. Ob er sich nochmal auf ein derartiges Abenteuer einlassen würde? "Eher nicht", meint er: "Das ist vielleicht doch mehr was für einen Handwerker, der 30 Jahre Zeit hat, daran zu basteln. Ich bin ja ein Freiberufler." Im Großen und Ganzen sei er aber zufrieden mit dem Resultat: "Ich bin erstaunt, was man draus machen kann."
 
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Lob für das "große Engagement" des Eigentümers kommt von Stadtheimatpfleger Dr. Rainer Tredt, zumal der Ursprungszustand des Anwesens zugegebenermaßen "sehr schlecht" gewesen sei. Durch die Wohnnutzung sei der Bestand jetzt langfristig gesichert. Zudem stehe das ehemalige Scharfrichterhaus an exponierter Stelle und entfalte so eine entsprechende Wirkung - gerade auch mit dem originalgetreuen Legschieferdach. Einen kleinen Kritikpunkt hat Tredt aber doch anzubringen: "Bei der Farbgebung hätte ich mir etwas Kräftigeres gewünscht."
 

HAUSGESCHICHTE

Laut Denkmalliste handelt es sich bei dem Stadtbauernanwesen um ein Wohnhaus in Jurabauweise mit Kalkplattendach aus dem 18. Jahrhundert, vielleicht auch mit älterem Kern.Der zugehörige Stadel hat ein geschlämmtes Fachwerkoberteil und ebenfalls ein Kalkplattendach.

Nach lokaler Überlieferung war es auch das ehemalige Scharfrichteranwesen am Beginn des Neuen Wegs, der zur Richtstätte auf dem Galgenberg führte. Im Obergeschoss befindet sich ein Raum mit Stuckdecke mit Puttenköpfen, im Erdgeschoss ein weiterer Raum mit einfacherem Deckenstuck. 
Jürgen Knopp
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