Freitag, 17. August 2018
Lade Login-Box.

Reiz des Kontrastes: Beim Jubiläum der Reservisten stießen alte Waffen auf modernste Militärtechnik

Schwertkampf neben "Patriot"-Stellung

Eichstätt
erstellt am 09.06.2013 um 20:17 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:12 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Am Sonntag hatten sich die Falten auf den Stirnen der Reservisten wieder geglättet. Die Menschen strömten in Scharen aufs Volksfestgelände, das Festzelt war gut gefüllt, Schirmherr Reinhard Brandl fand anerkennende Worte für und auch sonst passte alles.
Textgröße
Drucken
Eichstätt: Schwertkampf neben "Patriot"-Stellung
Ein historischer Schützenpanzer englischer Bauweise rollt über den Asphalt. Gleich wird er ein Auto zertrümmern. Dabei löste die Wendigkeit des 15-Tonners Erstaunen aus. Der Verbrauch ebenfalls: 120 Liter auf 100 Kilometer. - Fotos: baj
Eichstätt
Deshalb zog die Reservistenkameradschaft Eichstätt, die am Wochenende ganz groß ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, eine unter dem Strich positive Bilanz. „Wir hätten am Freitag und Samstag gern ein paar Gäste mehr begrüßt“, sagte der stellvertretende Leiter des Kreisverbindungskommandos Eichstätt, Klaus Sterner. „Wir hatten mehr erhofft“, räumt auch Festleiter Michael Buchner ein. Festwirt Conny Rudingsdorfer war ebenfalls von mehr Resonanz ausgegangen. Doch der gestrige Sonntag riss vieles wieder heraus.
Fotostrecke: 50 Jahre Reservisten in Eichstätt
46

Die Reservisten hatten ein „Fest für die ganze Familie“ organisiert. Naturgemäß lag der Schwerpunkt auf dem militärischen Aspekt. So war eine Patriot-Raketenstellung aufgebaut – ein nicht alltäglicher Anblick. Zwar konnte manches angekündigte Großgerät nicht kommen, weil es im Hochwassergebiet dringend gebraucht wurde, doch was die Besucher zu sehen bekamen, war beeindruckend genug.

Am spektakulärsten waren die Vorführungen der Interessensgemeinschaft Militärfahrzeugfreunde Weißenburg. Sie zeigten, wie erstaunlich wendig Panzer sein können. Mit ihrem 50 Jahre alten und etwa 15,5 Tonnen schweren englischen Schützenpanzer 4/32 zermalmten sie vor dem staunenden Publikum mehrere Schrottautos. Aus den Wagen waren zuvor Motor, Benzintank und weitere Teile entfernt worden.

Gut angenommen wurde das Angebot der Karriereberatung der Bundeswehr. Kistenstapeln, Bungee-Running und ein Flug- und Fahrsimulator waren besonders beim jungen Publikum sehr gefragt. Das Jagdgeschwader 74 aus Neuburg zeigte einen Schleudersitz und einen Pilotenanzug. Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Verteidigungsausschusses Reinhard Brandl, der als Schirmherr agierte, zollte der Eichstätter Kameradschaft hohes Lob. Sie hätte alles selbst organisiert und vor allem der Bundeswehr eine Plattform geboten, sich zu präsentieren. Das sei nicht selbstverständlich, doch auf diese Weise bewahrheite sich, dass die Reservistenkameradschaften die Mittler zwischen Bundeswehr und ziviler Gesellschaft seien.

Neben moderner Militärtechnik, die verschiedene Reservistenkameradschaften mitgebracht hatten, gab es auch Gerät aus sehr alter Zeit: Gleich drei historische Gruppen hatten auf dem Gelände ihr Lager aufgeschlagen. Die Legio III Italica Concors unter der Leitung von Zenturio Fritz Steindle marschierte die Lagerstraßen auf und ab und gab gerne Informationen über das Leben der Legionäre. Die Stadtwache Ingolstadt verkörperte die Zeit des Mittelalters und zeigte Schwert- und Zweikämpfe – die Ritter gingen dabei bis an die Grenze ihrer physischen Leistungsfähigkeit. Allein der Helm mit dem Schulterschutz wiegt 6,5 Kilogramm. Viele Ritter seien nicht an Verletzungen, sondern an Erschöpfung gestorben, erklärte die Stadtwache. Gerade bei der Hitze am Samstag klang das glaubwürdig.

Ein Feldlager aus dem 30-jährigen Krieg hatte die Gruppe mit dem martialischen Namen Pro Patria Mori aufgebaut. Sie hatte unter anderem Nachbauten von Kanonen aus dieser Zeit dabei. Man wollte es gar nicht glauben, dass das kleine Geschütz vom Kaliber 36 bis zu sieben Kilometer weit reichen konnte – natürlich nicht zielgenau. Infostände hatten auch das THW, die Polizei oder die Bergwacht Dollnstein aufgebaut.

Wem das alles viel zu militaristisch klang, kam dennoch auf seine Kosten – auf kulturellem Gebiet. Am Freitag spielte eine Blasmusik und am Samstag gab es ein besonderes Schmankerl: Der klanggewaltige Reservistenmusikzug Bodensse-Oberschwaben gab ein Wohltätigkeitskonzert im Festzelt und riss das Publikum mit. Zuvor hatte der Fanfarenzeug aus Eichstätt seinen Auftritt und nach dem Musikzug übernahm die Dollnsteiner Blaskapelle das Regiment.

Noch aber ist nicht Zapfenstreich für die Reservisten: In ihr Festzelt am Volksfestplatz kommt am heutigen Montag Staatsminister Thomas Kreuzer. Der Abend beginnt um 19 Uhr.

 

Von Josef Bartenschlager
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!