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"Was im Sudan passiert ist purer Genozid!"

Eichstätt
erstellt am 23.01.2011 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:50 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) 8154 Euro und 43 Aktionen – die Bilanz aus eineinhalb Jahren Arbeit des Eichstätter Vereins Live for Life. Um den zahlreichen Engagierten zu zeigen, wofür sie sich eingesetzt haben, referierten jetzt Dr. Fadul Amer Andusa und Dr. Mohammed Zakaria über den Schulenbau der Darfur- Hilfe e.V.
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Eichstätt: "Was im Sudan passiert ist purer Genozid!"
Der einzige Rapper aus dem Sudan: Abbass Anoor (Bild oben) begeisterte das Publikum. Dr. Fadul Amer Andusa und Dr. Mohammed Zakaria (linkes Bild, von links) berichteten, wie mit den Spenden geholfen wird, die auch durch das Engagement des Eichstätter Vereins Live for Live (im rechten Bild Andreas Wurtinger und Poetin Pauline Füg) gesammelt werden. - Fotos: Alexandra Burgstaller
Eichstätt
Der Verein wird von live for Life unterstützt. Nach seiner Begrüßung übergab Live for Life-VorsitzenderAndreas Wurtinger das Mikrofon in die Hände von Pauline Füg und Dominik Stahl, die die rund 60 Gäste mit ihren rhythmisch gesprochenen Texten, dem sogenannten "Poetry Slam", mal zum Lachen, mal zum Nachdenken brachten.

Danach folgte der heiß erwartete Vortrag der beiden Dafuris. Zunächst erklärte Andusa dem Publikum, warum es dringend nötig war, den Darfur- Hilfe e.V. zu gründen. So führte er aus, dass seit 2003 im Darfur, der westlichsten Region des Sudan, ein Bürgerkrieg herrscht. In diesem geht die sudanesische Regierung bewaffnet gegen schwarzafrikanische Rebellen vor. Die Rebellenorganisationen werfen der sudanesischen Regierung vor, die Schwarzafrikaner zu Gunsten der Araber vertreiben zu wollen.

Der Krieg hat bis heute Hunderttausende von Opfern gefordert, viele sind zum Beispiel in den benachbarten Tschad geflohen. Besonders die Kinder in Darfur haben ein schweres Los, berichteten die Gäste. Für sie bleibt die Bildung meist ganz auf der Strecke, viele von ihnen sind Waisen und leben in Flüchtlingslagern. Deshalb gründeten 2003 Darfuris und Deutsche zusammen in Deutschland den Darfur-Hilfe e.V., um die Kinder im Darfur nicht ihrem Schicksal zu überlassen, sondern sich um deren Bildung zu kümmern.

Der Verein konzentriert sich besonders auf die Region Tiné , in der hauptsächlich Flüchtlinge leben. Alle Spendengelder, so auch das Geld von Live for Life, fließen zu 100 Prozent in den Schulenbau in dieser Region ein. "Bildung allein kann die Kinder davor retten als Kindersoldaten zu enden", sagte Andusa.

Er zeigte Bilder von Kindern, die unter einem Baum unterrichtet werden, wie eine Schule aus Steinen errichtet wird und immer wieder zeigt er auch Bilder von Toten oder Verletzten. Traurig entschuldigt er sich beim Publikum: "Es tut mir leid, dass ich Ihnen so viele unangenehme Bilder zeige, aber nur das ist die grausame Realität dort im Sudan."

Auch Andusas Kollege Zakaria berichtet von der schlimmen Situation im Sudan und speziell in Darfur. Er lebt seit Ende der 1980er Jahre in Deutschland und hat in Marburg Politik und Jura studiert. Er war auch beim Mauerfall dabei und erinnert sich: "Ich habe erlebt, wie die Menschen aus dem Westen und Osten zu Brüdern wurden, im Sudan gibt es sowas nicht, was dort passiert ist purer Genozid." Andusa beendete dann diesen Teil des Abends, indem er betonte, dass ihnen die Unterstützung von Live for Life sehr viel bedeute: "Diese Unterstützung ist mehr als nur Geld, diese Unterstützung gibt uns und den Kindern im Darfur Hoffnung!"

Der weitere Verlauf des Abends wurde dann musikalisch gestaltet. Zuerst präsentierte der Dresdner Rapper Tanne M.C., der sich neuerdings auch Doktor der mittelalterlichen Geschichte nennen darf, Stücke aus seinem dritten Album. Danach folgte der Auftritt des sudanesischen Rappers Abbass Anoor, der das Publikum mit französischem und arabischem Rap begeisterte. Beide Auftritte gipfelten in einem spontanen Duett von Tanne M.C. und Abbass. Für den Ausklang des Abends sorgten Iyah Vibrations und Seenjah, die lässigen Reggae auflegten. Obwohl es an diesem Abend kein Eintrittsgeld sondern lediglich freiwillige Spenden gab, waren die Gäste sehr großzügig. Es zeigte sich deutlich: Eichstätt ist offen und interessiert.

Von Alexandra Burgstaller
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