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Der frühere Präsident der Katholischen Universität Eichstätt, Ruprecht Wimmer, feiert am Montag seinen 75. Geburtstag

''Wissenschaft hält jung''

Eichstätt
erstellt am 18.09.2017 um 11:53 Uhr
aktualisiert am 22.09.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Ruhestand? Den kennt Ruprecht Wimmer nicht - auch nicht nach an seinem 75. Geburtstag, den er am Montag feiert: Der frühere Präsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist noch immer aktiv unterwegs, sei es als Hochschulratsvorsitzender der Universität Vechta oder als gefragter Wissenschaftler in Sachen Thomas Mann... Da ließe sich wohl aber noch einiges sagen über den einstigen Lenker der einzigen katholischen Uni in Deutschland - der er nach eigenem Bekunden über zwölf Jahre hinweg gerne war.
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Ruprecht Wimmer
Die Handausgabe des „Doktor Faustus“ von Thomas Mann in der Hand: Der Schriftsteller ha tRuprecht Wimmers wissenschaftliche Arbeit geprägt – auch während seiner Zeit als Präsident der KU. Heute vollendet der gebürtige Münchner sein 75. Lebensjahr.
Marco Schneider
Eichstätt

Für das Gespräch, zu dem sich unsere Zeitung angekündigt hat, lässt er ins heimische Wohnzimmer in Landershofen bitten. Den Einstieg bildet unvermeidlich die KU. Und sie ist für Wimmer ein Stichwort, bei dem er weit ausholen, aus dem Vollen schöpfen kann. Seine Zeit an der kleinen Hochschule an der Altmühl hatte immerhin schon weitaus früher begonnen als sein präsidiales Wirken. Nämlich 1982, als er als Professor für Neuere deutsche Literatur berufen wurde. "Ich bin gerne nach Eichstätt gegangen", sagt er im Rückblick. Er war jung - gerade einmal 40 Jahre alt, ein paar Jahre mit Françoise Fraimont verheiratet, der älteste Sohn Roland war schon auf der Welt. Hätte Eichstätt ein Sprungbrett für Höheres werden können? "Ich habe die Uni nie als Durchlauferhitzer gesehen", sagt er. "Ich bin hier geblieben, und es war gut so."

Noch nicht lange in Eichstätt, haben sich offenbar Weichen für sein hochschulpolitisches Wirken gestellt: Wimmer gehörte 1983 zu jenem Kreis junger Wissenschaftler, die nach dem Rücktritt von Rudolf Mosis als KU-Präsident den Rektor der Ludwigs-Maximilians-Universität, Nikolaus Lobkowicz, nach Eichstätt holen wollten. Es war gelungen. "Ich hatte ihn aus München gekannt." Und als zehn Jahre später für Heinz Hürten ein Nachfolger als Vizepräsident gesucht wurde, war es wiederum Lobkowicz, der Wimmer für diese Position vorgeschlagen hat. "Ich habe recht genau abgewogen", erinnert sich Wimmer heute. Aber: "Lobkowicz und ich haben uns gut verstanden, und ich habe gerne unter ihm gearbeitet." Mit diesen Erfahrungen ausgestattet, hat er sich für das Präsidentenamt beworben und wurde gewählt. "Es waren schwierige Zeiten", sagt er. Bischof Gregor Maria Hanke hatte es bei Wimmers Verabschiedung pragmatisch zusammengefasst: "Keiner Ihrer Vorgänger musste so eine Vielzahl an Umbrüchen kreativ umsetzen wie Sie." Es war vor allem das Sparen am Geld, das ihm zu schaffen machte. Es waren aber auch Konflikte zu schlichten und auszuhalten - die ihm im Kollegium bisweilen auch krumm genommen wurden, wie er sagt. Das war wohl auch bei der Wiederwahl im Winter 2001 spürbar: mit einer Stimme Mehrheit im zweiten Wahlgang. "So ein knappes Ergebnis war kein idealer Start in eine zweite Amtszeit." Die Distanz zu den Professoren sei ein wenig größer geworden, aber alles in allem "hat das meiner zweiten Amtszeit nicht geschadet".

Es gab auch Skandale - etwa um Bücherentsorgungen durch die damalige Bibliotheksdirektorin. Wimmer zeigt sich selbstkritisch: "Im Nachhinein betrachtet hätte ich in manchen Personalangelegenheiten sicher anders entscheiden müssen." Und mit dem damaligen Kanzler der Universität habe ihn sowieso "nicht das ideale Verhältnis" verbunden. Als Präsident der KU sei es ihm aber immer wichtig gewesen, mit dem Träger in gutem Kontakt zu stehen. "Ich hatte ein vertrauensvolles Verhältnis zu allen meinen drei Bischöfen", sie waren schließlich Großkanzler und damit letztverantwortlich für die Hochschule: Karl Braun (bis 1995), Walter Mixa (1996 - 2005) und Gregor Maria Hanke (ab 2006). Und auch aus Rom habe er immer Rückhalt verspürt: "Das hat gut getan."

 

Noch ein Rückhalt war da: der der bayerisch-französisch lebenden Familie. Das Frankophile hat auch einen Grund: Wimmers Frau stammt aus Nizza, mit ihr gemeinsam war er - nach dem Kennenlernen in Münster - einige Jahre in Saint-Etienne, bevor der gebürtige Münchner nach Eichstätt gewechselt ist, wo dann auch die beiden jüngeren Kinder Philippe (1983) und Isabell (1994) zur Welt kamen. "Meine Frau hat unendlich viel auf sich genommen." Er habe sie, vor allem der kleinen Kinder wegen, nicht überall mit hinnehmen können, sei oft unterwegs gewesen... "Aber ich habe immer Spaß an meiner Arbeit gehabt."

Die Uni lässt ihn, unabhängig von der Wissenschaft, bis heute nicht los - wie auch, wenn man am Ort wohnt? Aufmerksam, wenn auch aus der Ferne, verfolgt Wimmer die Entwicklung der KU. Dabei blieben die Sorgenfalten nicht aus, waren die ersten Jahre nach Wimmers Emeritierung doch mehr von negativer Außenwirkung geprägt. Aber heute befinde sich die Hochschule Wimmer zufolge wieder auf gutem Kurs, wie er auch aus Gesprächen mit ehemaligen Kollegen weiß. "Man bleibt halt doch irgendwie dran am Geschehen." Zumal Wimmer auch noch ein bisschen mitspielt - im Kuratorium des Zentralinstituts für Osteuropastudien (ZIMOS). Dass das derzeit "arg marginalisiert" werde, ist aber auch schon sein einziger Kritikpunkt an der aktuellen hochschulpolitischen Situation in Eichstätt.

Das Zimos hat sich übrigens auch mit seinen Forschungen verwoben, hat er doch auch schon wissenschaftliche Arbeiten auf russisch über Thomas Mann editiert. Jenen deutschen Literaten, den er seit vielen Jahren in den Mittelpunkt seiner Forschungen gestellt hat. Sein wohl bedeutendstes Werk aus dieser Arbeit: die von ihm genau heute vor zehn Jahren herausgegebene und kommentierte Frankfurter Ausgabe des "Doktor Faustus", in dem Thomas Mann eine Parabel zur Verstrickung des Künstlertums mit dem Nationalsozialismus zeichnet. Ohne die Wissenschaft wäre Wimmer heute ein anderer Mann, zeigt er sich überzeugt. "Das hat mir einen gewissen Halt gegeben", sagt Wimmer über seine Präsidentenzeit. "Man ist dann nicht nur als Präsident wer, sondern gilt auch in der wissenschaftlichen Community etwas." Und außerdem: "Wissenschaftliche Arbeit hält jung."

Marco Schneider
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