Donnerstag, 24. Mai 2018
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Der Tierschutzverein pflegt herrenlose Katzen aus dem Landkreis Ein Besuch in der Vierbeiner-WG

Schnurren auf Station

Eichstätt
erstellt am 15.02.2018 um 18:51 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Tigermuster, bunt gescheckt oder schwarz wie die Nacht: Auf der Katzenstation finden sie alle ein neues Zuhause auf Zeit. Seit etwa 15 Jahren pflegt der Tierschutzverein in Eichstätt streunende oder erkrankte Katzen und vermittelt sie an neue Besitzer.
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Eichstätt: Schnurren auf Station
Foto: DK
Eichstätt

Ein grünes Augenpaar blitzt aus einem Bastkörbchen hervor, auf den Holzbalken des Altbaus tappen Pfoten. Sie gehören den neuen Bewohnern des Hauses am Frauenberg 2. Sechs wilde Katzen wurden zum Beispiel von einem Bauernhof im Landkreis im Rahmen einer Kastrationsaktion des Tierschutzvereins eingefangen und operiert. Ein nötiger Eingriff, sonst würden sich die Katzen unkontrolliert weitervermehren, erklärt die Zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins, Wuna Loipersberger.

Solche Aktionen betreibt die Katzenstation immer wieder: Landwirte informieren die Pflegestelle über Hofkatzen, danach wird ein Team - meist aus Ehrenamtlichen - zusammengestellt. Diese bauen Lebendfallen auf und passen auf, dass die Katzen nicht zu lange in ihnen gefangen sind. Die sechs derzeitigen Katzen wurden noch teilweise im Korb von der Tierärztin betäubt und anschließend sterilisiert. Schätzungsweise sind sie ein, zwei oder maximal drei Jahre alt. Noch mischen sich die Streifen der Tigermusterung mit einer lila Farbe - "Frisch operiert" signalisiert sie den Hofbesitzern, wenn die Katzen wieder freilaufend sind. Sie müssen nicht noch einmal eingefangen werden.

Der Geruch von Katzenfutter steigt in die Nase, es ist 7.30 Uhr. Mitarbeiterin Gabi Leimeister balanciert sechs Fressnäpfe eine steile Treppe hinauf. Gerade im Frühjahr und Sommer ist die Station gut gefüllt, über 30 Katzen werden dann auf einmal beherbergt, dazu noch weitere Tiere wie Hasen, Vögel und Schildkröten. Ohne die 15 Ehrenamtlichen auf der Pflegestelle wäre das alles nicht machbar, weiß Loipersberger. Die Katzenstation sei kein Tierheim, sondern eine Auffangstation, betont Loipersberger.

Die Neuankömmlinge sind keine Menschenhand gewohnt - eine Kontrolle der Narben ist schwierig: Leimeister streicht sanft über den Rücken der Katze, mit aufgestelltem Fell springt sie weg, die Operationsnarbe leuchtet kahl hervor. Die Wunde ist sauber. Leimeister arbeitet seit April vergangenen Jahres auf der Katzenstation, privat hat sie selbst eine Pflegestelle, auf der sie eine kranke Katze medizinisch versorgt. 25 solcher Pflegestellen betreut der Tierschutzverein. "Anders würde es gar nicht funktionieren", so die Möckenloherin. Denn manche der Tiere kommen ziemlich krank zur Station: Sie haben verklebte und eitrige Augen, entzündete Ohren, sind unterernährt. Sie seien besonders pflegebedürftig, benötigen mehrmals täglich ihre Medikamente. Teilweise bleiben sie dann auch gleich auf den Pflegestellen. "Da können sie den Rest des Lebens geliebt und behütet verbringen", sagt Leimeister.

Ein größeres Problem seien aber die sogenannten "Abgabekatzen": Besitzer wollen ihre Tiere nicht mehr, weil sie die Freude an ihnen verloren haben oder allergisch sind. Aus Trauer hören diese Katzen dann auf zu fressen. Schnell geraten sie so in Unterzucker und können nur durch viel Zuwendung zum Essen bewegt werden. Oft kämen auch Tiere zu ihnen, die statt eines Mikrochips zur Identifikation ein Tattoo haben. Das könne sich verwachsen und werde unleserlich, warnt Loipersberger. Auch Mikrochips, die nicht beim Tierregister "Tasso" gemeldet sind, seien nutzlos. Eine Registrierung erspare den Besitzern, dem Tierschutzverein und vor allem den Tieren selbst viel Stress.

Leimeister fegt mit einem Besen durch die beiden Räume, zweimal täglich werden die Zimmer sauber gemacht. Die Tiere beäugen sie aus sicherer Distanz. Nach einigen Tagen geht es für sie zurück an den Hof. Dann werde der gesamte Raum desinfiziert. Loipersberger erklärt: "Wir legen Wert auf allergrößte Sauberkeit", so können sich keine Keime verbreiten.

Die Katzenstation des Tierschutzvereins ist auf Spenden angewiesen. "Zu vier Fünftel organisieren wir uns aus Mitgliedsbeiträgen, Spendengeldern und Haussammlungen", sagt Loipersberger. Ein Fünftel der Gelder komme aus 20 umliegenden Gemeinden, die einen Fundtierverwahrungsvertrag mit dem Tierschutzverein abgeschlossen haben. Über neue Ehrenamtliche und weitere Pflegestellen freue sich der Tierschutzverein Eichstätt immer. Gerne können auch Katzenliebhaber vorbeikommen und besonders liebesbedürftige Katzen einfach nur streicheln.

Von Anna Hausmann
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