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Ausstellung "Kirche mit Kirchenkritik gestern, heute, morgen" von Wolfgang Sellinger in der ehemaligen Johanniskirche eröffnet

Religionsfreie Zone?

Eichstätt
erstellt am 07.08.2016 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:39 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Neben "gottlos glücklich" war "religionsfreie Zone" auf den Hemden von Wolfgang Sellinger und seiner Gesinnungsgenossen bei der Eröffnung der Ausstellung "Kirche mit Kirchenkritik - gestern, heute, morgen" am Samstag in der ehemaligen Johanniskirche am Domplatz zu lesen. Doch das trifft nicht zu.
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Eichstätt: Religionsfreie Zone?
Wolfgang Sellinger (links) und einer seiner Mitstreiter bei der Ausstellungseröffnung. - Foto: Chloupek
Eichstätt

Denn die Religion, oder vielmehr das, was Sellinger darunter versteht, steht im Mittelpunkt der Schau, die bekanntlich bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff gesorgt hat. Wie berichtet hatte Sellinger, der sich selbst als Künstler sieht, vor Gericht das Recht erstritten, seine "Kirchenkritik" in der ehemaligen Johanniskirche zeigen zu dürfen. Und dort ist nun neben vielen der sattsam bekannten Sprüche, die Sellinger mit seinen Fahrrädern in der Stadt "parkt", auch eine hohe Anzahl sexueller Bezüge zu finden: Ein überdimensionierter Penis in Kreuzform beherrscht den Raum, an einer "Zölibattankstelle" finden sich "Päderasten-Nektar" und "Pädophilen-Ejakulat". Dazu hat Sellinger am Eingang bildlich den geschäftsführenden Beamten Hans Bittl und Oberbürgermeister Andreas Steppberger ans Kreuz genagelt.

Das also ist der Rahmen, in dem sich am Samstagabend zur Eröffnung rund 50 Gäste einfinden - überwiegend Mitglieder und Freunde des Bundes für Geistesfreiheit Ingolstadt/Neuburg. Dessen Vorstandsmitglied und Vorsitzender der säkularen Humanisten in Neuburg ist der Eichstätter Andreas Karlstetter, der die Einführung übernommen hat. Er rief dazu auf, sich "mit Mut" zum Atheismus zu bekennen und betonte, im Zeichen der Meinungsfreiheit müsse eine demokratische Gesellschaft fähig sein, eine Ausstellung wie diese zu ertragen. Die Aussagen der Ausstellungen seien provokant, enthielten jedoch "ein Quäntchen Wahrheit" - etwa der Spruch "je größer der Dachschaden, desto schöner der Aufblick in den Himmel", ein Zitat von Karlheinz Descher. Religiosität nehme mit steigendem Bildungsniveau ab, erklärte Karlstetter unter dem Applaus der Gäste. An Kritiker dieser Schau gerichtet sagte er, "dass diese Ausstellung völlig überflüssig wäre, wenn alle Menschen Glaubens-, Meinungs- und Pressefreiheit gleich hoch schätzen würden". Er riet ihnen zur "rationalen Benutzung des gesunden Menschenverstandes" und dazu, den "humoristischen Wert der Exponate mehr zu betrachten als sich gekränkt zu fühlen".

Michael Wladarsch vom Bund für Geistesfreiheit würdigte Sellinger als "Hardcore-Atheisten der Stufe 12" . Er sagte unter anderem auch, dass es ihn "schmerzt", dass die säkulare Szene massiv zerstritten" sei und rief mit einer durchaus missionarisch zu verstehenden Komponente dazu auf: "Humanisten aller Konfessionen, vereinigt euch!". Die Ausstellung endet am 21. August.

Von Eva Chloupek
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