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Früher viele Brauereien in und um Eichstätt Auch die Schwestern von St. Walburg stellten Bier her

Aus über 100 wurden vier

Eichstätt
erstellt am 28.12.2016 um 18:31 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:55 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Die Kasse des Hochstifts Eichstätt profitierte dereinst auch vom Durst seiner Untertanen. Im Jahr 1620 war nämlich eine "Aufschlagordnung" für Bier, Wein und Met (Honigwein) erlassen worden. Damit nicht genug, das Fürstbistum betrieb im 18. Jahrhundert allein im unteren Hochstift fünf eigene Brauereien: die Hofmühl in Eichstätt, dann Braustätten in Buxheim, in Titting, in Wellheim und in Hirschberg. Zu diesen quasi staatlichen Brauhäusern kam eine große Zahl privater Bierbrauereien in vielen Orten.
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Eichstätt: Aus über 100 wurden vier
Foto: Rudolf Hager
Eichstätt

Dabei hatten die fürstlichen Brauhäuser einen wirtschaftlichen Vorteil. In einem gewissen Umkreis standen die Bauern unter "Bierzwang", sie mussten also deren Bier trinken. Dieser Zwang wurde erst durch König Maximilian I. Joseph im Jahr 1806 aufgehoben.

Eichstätts Bürgermeister Joseph Holl teilte am 2. Mai 1843 im "Intelligenzblatt", der damaligen Heimatzeitung, mit, dass die "hiesigen Stadtbrauer" Sommerbier in den Monaten Mai, Juni und Juli abgeben werden. Er nannte die Brauer Bauer, Fuchs, Staab, Baumgartner, Stößl, Franz Ottinger, Weindl, Rumpf, Xaver Ottinger, Stampfer, Appel, Heiß und Rosskopf. Bei einer Einwohnerzahl von rund 7000 Kindern, Frauen und Männern lässt sich leicht ausrechnen, dass der Ausstoß der einzelnen Braustätten nicht sehr umfangreich gewesen sein kann. Winterbier siedeten nicht alle. Hier werden der Ettingerbräu von Xaver Ottinger, das Braunrössl von Johann Herzog, der Oberplenagl von Simon Rumpf, der Unterplenagl von Johann Weindl, der Fischerbräu sowie Michael Kammerlocher und Hellbräu von der Witwe des Joseph Reischl genannt. Einige Zeit bestand auch in Rebdorf eine Brauerei.

In einem Zeitungsbeitrag aus dem Jahr 1931 wird davon berichtet, dass die letzte selbstständige Stadtbrauerei, nämlich Herzog-Dietrich, an die Aktienbrauerei Löwenbräu in München verkauft worden ist. Zugleich wurde eine Übersicht über den Bierausstoß und den Verbrauch von Gerste aus dem Jahr 1871 gegeben. Aus einem Scheffel Gerste (rund 222 Kilogramm) konnten 420 Liter Bier erzeugt werden.

Die Aufstellung: Gutmann (Hofmühl, später Emslander) 3702 Scheffel Gerste, 15 548 Hektoliter Bier; Herzogbräu 1541/6472; Sengmüller (Heimerbräu) 610/2562; Zinsmeister (Baptistbräu) 531/2230; Schnell (Schwabenbräu) 481/2020; Wohlmuth (Unterplenagl) 441/1852; Stampfer (Haspelbräu) 282/1184; Thoma (Zellerbräu) 278/1167; Fuchsbichler (Ochsbräu) 250/1050; Fuchs (Bummerlbräu) 192/806; Lindig (Oberplenagl) 174/731; Stößl (Vogerlbräu) 136/571; Mödl (Fuchsbräu) 115/483; Bauch (Rohrmeierbräu) 98/411; Gerhards (Häringbräu) 89/374; Schmid (im Katzengässl, jetzt Gottesackergasse) 20/84; Hieber (Fischerbräu) 100 Scheffel Gerste, 420 Hektoliter Bier. 1871 hätte sich kein Eichstätter träumen lassen, dass nach 60 Jahren diese Brauereien, ausgenommen die Hofmühl, vom Schauplatz verschwunden sind.

Werfen wir noch einen Blick in die Bierstatistik der "Hochfürstlichen Haupt- und Residenzstadt" von 1797, die im "Intelligenzblatt" nachzulesen ist. 18 Brauer schenkten in diesem Jahr 9300 Eimer Sommerbier und 574 Eimer Winterbier aus. Ein Eimer fasste in Bayern 64 Maß.

Von den einst schätzungsweise 100 Bierbrauereien auf dem heutigen Eichstätter Kreisgebiet haben sich vier in unsere Zeit gerettet. Zuletzt erkaltete das Feuer unter dem Sudkessel der Brauerei Amberger in Kösching (1995) und der Brauerei Stark in Schamhaupten (1977). Wer sein Bier aus der engeren Heimat haben will, hat aber immer noch eine Auswahl. Gebraut wird bei der Hofmühl in Eichstätt, bei Schattenhofer in Beilngries, bei Gutmann in Titting und bei De Bassus Schlossbrauerei in Sandersdorf. In weit zurückliegender Zeit haben in Eichstätt auch die Benediktinerinnen von Sankt Walburg und die Dominikaner (ab 1512) Bier gebraut.

Von den Schwestern bekamen nur die Wallfahrer, die Bettler, die im Kloster Beschäftigten, die Frauen mit Säuglingen ("Kindlbier") und natürlich die Nonnen eingeschenkt. Bier wurde von den Klöstern als "flüssiges Brot" angesehen und war insbesondere in der Fastenzeit von Bedeutung gemäß dem Grundsatz: "Flüssiges bricht das Fasten nicht".

Von Josef Ettle
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