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An der Uni bringen sich Studenten in der Arbeit mit Flüchtlingen ein und profitieren dabei für ihr Studium

Lohnendes Engagement

Eichstätt
erstellt am 21.10.2013 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:15 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Mit einem Kennenlernnachmittag ist das Studienmodul zur Arbeit mit Flüchtlingen an der Katholischen Universität (KU) gestartet. Kanzler Thomas Kleinert lobte die Initiative.
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Eichstätt: Lohnendes Engagement
Wie gestalte ich den Deutschunterricht? Max Brenner (3. von links, sitzend) erklärte den Studenten – zusammen mit drei Flüchtlingen, die in Neuenhinzenhausen wohnen –, wie Sprache effektiv und spannend unterrichtet werden kann. - Fotos: smo
Eichstätt
Als etwas „Wunderbares“ bezeichnete Thomas Kleinert bei der Eröffnung des von Studenten aller Studienarten frei wählbaren Moduls (wir berichteten) die Initiative. Einerseits arbeiten Studenten hier auf ehrenamtlicher Basis mit den im Landkreis untergebrachten Flüchtlingen zusammen – andererseits wird das Engagement wissenschaftlich begleitet. Diese Symbiose stehe der KU gut an. „Das muss man auch sichtbar machen, und Sie helfen uns dabei, das auch auf unsere Fahnen schreiben zu können“, erklärte Kleinert vor den Studenten, die das Modul im Wintersemester belegen und dafür zehn Credit-Points (Nachweis für erbrachte Studienleistungen) bekommen.

Das Modul – also die Studieneinheit, aufgrund der die Teilnehmer dann die definierte Anzahl an Leistungspunkten erwerben können – geht auf studentische Initiative zurück. Dabei zeige sich, so Kleinert, das „Ergebnis von studentischer Initiative, Organisationstalent und Unternehmergeist“. Das sei umso beachtlicher, weil es in Deutschland „kaum ein allgemeines Verständnis für ein gesellschaftliches Engagement von Universitäten jenseits von Forschung und Lehre“ gebe. Das würde nicht finanziert, helfe in keinen Hochschulrankings „und macht noch zusätzlich Arbeit“. Durch die Initiative, die Anna Peschke und Christopher Knoll ergriffen hätten, sei das nun in Eichstätt anders.

Dank richtete Kleinert in diesem Zusammenhang auch an Professorin Gaby Gien. „Durch Sie und zahlreiche Kollegen ist diesem Engagement auch ein wissenschaftlicher Rahmen gegeben“, sagte Kleinert. Gien verwies auf die gute Zusammenarbeit mit den anderen Fakultäten. „So macht Uni Spaß“, meinte sie in ihrem kurzen Grußwort. Kleinert hatte zuvor bereits erklärt: „Wenn wir schon immer von Vernetzung sprechen – hier wird sie gelebt.“

Gaby Gien, die das Modul mit Anna Peschke und Christopher Knoll mit Leben erfüllt hat, bedankte sich ihrerseits bei der Hochschulleitung. Der Austausch, wie er in diesem studentischen Fach erlebbar würde, sei wichtig. „Wir haben nicht oft die Gelegenheit, über unsere Grenzen zu schauen, nicht nur fachspezifisch, sondern auch auf Länder bezogen.“ Das Interesse ist auch von studentischer Seite her da, denn es gab nahezu 70 Bewerber für das Modul. Letztlich konnten 49 aufgenommen werden. „Bei diesem Modul geht es nicht um bloßes Punktesammeln“, erklärt Anna Peschke. Es sei keine Pflicht für einen Studiengang, sondern offen für alle. „Sie werden sehen: Sie nehmen so viel mit, was Sie jetzt noch gar nicht abschätzen können“, versprach Gien den Studenten, die sich nach den offiziellen Worten in verschiedenen Workshops zusammenfanden.

So zeigte Max Brenner zusammen mit einigen Flüchtlingen aus Neuenhinzenhausen, wie Deutschunterricht für Fremdsprachler gelingen könnte. Das ist nämlich dann auch Teil des Moduls: Studenten können sich im Deutschunterricht in den Flüchtlingsunterkünften engagieren.

Neben dieser Option können sie noch aus drei anderen wählen – die dann das Semester über nicht gewechselt werden können: einer individuellen Betreuung der Asylbewerber, beispielsweise die Begleitung von Arztfahrten oder bei Amtsgängen. Dann gibt es die Gruppe der Öffentlichkeitsarbeit, etwa für die Gestaltung der Homepage, sowie das Organisationsteam. Das kümmert sich vor allem um die „Nachhaltigkeit des Projekts“, wie es Peschke formuliert. Dafür müssten Drittmittel angeworben und das Projekt dokumentiert werden. Denn: Wenn auch Peschke und Knoll irgendwann nicht mehr in Eichstätt sind, sollte das Engagement für die Flüchtlinge nicht abreißen. Wenn es durch ein Studienmodul auf sicheren Beinen steht, dürfte das nicht so schnell passieren.

Verpflichtend für die Studenten und interessant für die Öffentlichkeit: Donnerstags gibt es bis Anfang Februar eine Vortragsreihe in der ehemaligen Reitschule (siehe Infokasten). Professoren und Dozenten aus verschiedenen Disziplinen engagieren sich hier, übrigens ohne Anrechnung auf ihr Stundendeputat.

Von Marco Schneider
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