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Eichstätt-Premiere von Wolfgang Krebs mit "Können Sie Bayern"

Eine Sternstunde des Stammelns

Eichstätt
erstellt am 22.03.2016 um 19:05 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 17:36 Uhr | x gelesen
Eichstätt (wbu) Wenn man die Augen schließt und einfach zuhört, glaubt man, sie alle drei vor sich zu haben: den aufgekratzt stotternden Stakkato-Stammler Edmund Stoiber, den schwer schnaufenden Günther Beckstein mit seinen asthmatischen Beschwerden, den seufzenden Horst Seehofer mit seinem sonoren Sound, gelegentlich unterbrochen von gutturalem Gegurgel. Doch wenn man die Augen wieder öffnet, sieht man Wolfgang Krebs auf der Bühne stehen, den begnadeten Imitator aus dem Allgäu.
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Eichstätt: Eine Sternstunde des Stammelns
Nicht nur in seinen Paraderollen als Edmund Stoiber und Horst Seehofer, auch als Schlagersänger "Mackie Montana" brillierte Wolfgang Krebs im Alten Stadttheater. - Foto: Buckl
Eichstätt

Jezt war er erstmals in Eichstätt zu Gast. Und wenn er hoffentlich bald wieder hierherkommt, wird der Saal des Alten Stadttheaters sicher nicht nur zur Hälfte gefüllt sein wie bei dieser Eichstätt-Premiere.

Wie man das von Krebs gewohnt ist, zeigt er erst einmal Insiderwissen über Eichstätt - bezogen wohl entweder aus der Online-Ausgabe des EICHSTÄTTER KURIER oder von guten Freunden, die er in der Domstadt hat: So begrüßt Stoiber die "lieben Eichstätterinnen und Eichstätterer (sic!), Sausackschleifer, Jurakalkfreunde und Priesterseminaristen", denen er am Fuße des Frauenbergs eine Bergpredigt halten will - wobei ihn die Anreise aus Südosten angesichts der vielen Kreisel verwirrt habe - um in Anspielung auf Stoibers "Transrapid"-Rede hinzuzufügen: "Wenn Sie da in Ingolstadt starten, dann sind Sie wegen all der Kreisel ja nie in zehn Minuten schon in Eichstätt ..."

"Können Sie Bayern" ist nach der "Stoiberschau" (2007), "Ja mia kennan" (2009) und "Drei Mann in einem Dings" (2012) das vierte Soloprogramm des grandiosen Akustik-Chamäleons, mit dem Krebs seit 2014 auf Tournee ist, wobei er jeden Auftritt mit tagesaktuellen Anspielungen spickt. Verwandlungen erfolgen hinter dem Bühnenvorhang im Landes-Look, ohne dass Krebs das Sprechen einstellen müsste. Im Gegenteil: Überaus rasant switcht er stimmlich zwischen seinen Bühnenfiguren umher.

Vor allem in der Stoiber-Rolle brilliert Krebs, wenn er nach Herzenslust Begriffe verballhornt: Da wird das "Hessische" zum "Hässlichen", die berüchtigte Kärntner Bank zur "Hypo Alptraum Adria", die Staats- zur "Spaßkanzlei". Beim Rezitieren einer Parodie auf Schillers "Glocke" gelingt es dem stotternden Stoiber-Double, mehr als ein Dutzend Anspielungen auf Ingeborg Bachmann, Eichendorff, Mörike, Rilke, Goethe und Stefan George und andere einzubauen - eine Sternstunde des Stammelns! Dazwischen finden sich aber auch ernste Töne - wenn Krebs Hetze in sozialen Netzwerken kritisiert.

Als Horst Seehofer, der "beste Brieffeind" der zur "Kandisbrunslerin" mutierten Merkel, welcher er "einen Dobrindt, äh Drohbrief" geschickt hat, kann Krebs mit tief aus der Kehle rollendem "Rrrr" nicht nur im Ton überzeugen, er karikiert auch Charakterschwächen: "Mein Wahlspruch lautet: entweder konsequent oder inkonsequent - aber nicht dauernd dieses Hin und Her!" Zur dritten Startbahn gibt es das Statement: "Früher war ich dafür, momentan bin ich dagegen!" In der Rolle des bayrischen Ministerpräsidenten (der bei Beckstein zum "Minsterpräsenten" mutiert), kann er über die Bundeshauptstadt lästern: "Bier heißt dort Molle, Soße heißt dort Tunke und die Donau Spree."

Auch andere Rollen sind im Repertoire: Als Schlagersänger "Mackie Montana" sammelt er in der ersten Reihe zuvor ausgegebene Rosen und einen BH ein, als "Schorsch Schäble" salbadert er über Jugendarbeit und Kommunalpolitik, und in der Rolle von Markus Söder ("der Sozi, äh Ziehsohn vom Beckstein") schwatzt er dem Zuschauer Helmut aus der ersten Reihe einen Kredit auf. Sogar als Angela Merkel tritt er auf ("Ich komme aus der Physik, das sieht man an meiner Physiognomie ..."). Ein brillanter Abend, der hoffentlich einmal eine Neuauflage im Alten Stadttheater findet.

Von Walter Buckl
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