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Gastkünstlerin Aleksandra Kargul eröffnete ihre Ausstellung "Jahresdruck 2017" in der Lithographiewerkstatt

Ein "Fingerzeig in Himmelshöhen"

Eichstätt
erstellt am 08.12.2017 um 18:39 Uhr
aktualisiert am 13.12.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Bei der Motivsuche für den lithographischen Jahresdruck 2017 und das Feilen an einem rundherum perfekten Werk hat sich Aleksandra Kargul viel Zeit genommen. Das hat sich gelohnt.
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Eichstätt: Ein "Fingerzeig in Himmelshöhen"
Foto: Dagmar Kusche
Eichstätt

Das Ergebnis ist überwältigend, so beurteilten die rund 50 Besucher die beeindruckende Arbeit, die den aufstrebenden Eichstätter Dom aus einer ungewöhnlichen Perspektive zeigt. Anlässlich ihrer Ausstellungseröffnung stellte die schottische Gastkünstlerin nun den "Jahresdruck 2017" mit dem Titel "You are all I want" sowie ein breites Spektrum ihrer Druckarbeiten in der Lithographie-Werkstatt von Li Portenlänger vor.

"Im diesjährigen Jahresdruck scheint ihr Streben nach perfekter Harmonie und Schönheit Bild geworden zu sein. Von diesem Jahresdruck kann und darf nichts weggenommen oder hinzugefügt werden: Er ist genau so perfekt, wie er ist", mit diesen Worten lobte Bürgermeisterin und Kunsthistorikerin Claudia Grund das Jahreswerk, das sich durch seinen Lokalbezug auszeichnet. Mit ihrer Arbeit folge die schottische Lithographiekünstlerin Aleksandra Kargul, die zwei Wochen als Gastkünstlerin bei Li Portenlänger gearbeitet hatte, einer Maxime, die schon der italienische Renaissancearchitekt Leone Battista Alberti im 15. Jahrhundert in seinen Lehrbüchern betont habe. Und das Publikum war sich mit Kunsthistorikerin Grund einig: Wohl selten wurde unser Dom derart beeindruckend und eindringlich als feste, hoch aufragende Gottesburg dargestellt, welche die Welt der Menschen mit dem Himmel zu verbinden scheine, so Grund in ihrer Rede.

Der Jahresdruck 2017, in zwei Druckvorgängen mit einem wundervollen blauen Hintergrund gefertigt, zeige den Dom aus einer scheinbar gewohnten Perspektive, die aber doch fremd erscheine. In der Tat präsentiert Kargul den Dom mit ihrer Blickrichtung von der Nordseite des Bauwerks her ausschnitthaft; sie schaut dabei auf das unregelmäßige Mauerwerk, die gotischen Fensteröffnungen der Kapitelsakristei, deren beide Geschosse durch das Treppentürmchen verbunden werden. Im Hintergrund ragen riesenhaft die Türme und das Querhaus auf. Mit viel Detailfreude und Liebe habe Kargul auch bildhauerische Einzelheiten der gotischen Architektur erfasst, ohne sich in Details zu verlieren, sagte Grund. Durch die extreme Froschperspektive sei der Blick auf das Bauwerk geradezu dramatisch und stark überzeichnet: Der Betrachter schrumpfe zum Winzling, die Kathedrale mit ihren Türmen und der Kapitelsakristei werde zum Riesen, deren aufstrebendes Mauerwerk gleich einem Fingerzeig direkt in die Himmelshöhen zu führen scheine. "Dieser Jahresdruck ist nicht einfach ein Abbild unseres Domes, sondern er ist gleichzeitig Bild gewordene Transzendenz", resümierte die Kunsthistorikerin.

In ihrer Ausstellung begeisterte die schottische Gastlithographin ihr Publikum auch mit vielen weiteren meisterlichen Werken. Zum Beispiel vier verschiedenen Impressionen von Fußböden als Weiterführung und Ergänzung des Themas des limitierten Jahresdrucks: "Das ist sozusagen die Sphäre des menschlichen Erdenwurms", erläuterte Grund die Arbeiten im Kontrast zu den aufstrebenden Dombildnissen. Kargul setzte verschiedene Steinböden auf der Grundlage digitalisierter Fotografien in mehreren Druckvorgängen lithographisch um. Diese kombinierte sie auch mit weiteren Drucken, so mit Pflanzen und Hallertauer Hopfenstangen, die jegliche Alltäglichkeit verlieren und geradezu magische Objekte werden.

Großen Eindruck auf die Vernissagegäste machten auch die im Nebenraum der Werkstatt präsentierten Landschafts- und Meeresbilder - Lithographien eines endlos scheinenden Ozeans, im Hintergrund eine kretische Küstenlandschaft oder die Felsformationen an der Algarve. Mit Fotovorlagen von ihren Reisen nach Kreta und Portugal ist es Kargul gelungen, genau die Stimmung, das besondere Licht, die rollenden Wellen, die Gischt, den Wasserdunst und die Weite einzufangen - und das mit nicht weniger als neun Druckvorgängen mit einem höchst aufwendigen Effektdruckverfahren, dem Irisdruck. Hierbei, so erklärte Grund, werden Farben auf Walzen aufgetragen, bei denen man die gleichmäßige Bewegung deaktiviert habe. So werden die Farben stoßweise aufgetragen, es entstehen ineinander verlaufende Farbränder und damit einzigartige Effekte, die sich mit jedem Druckvorgang erhöhen. Mit dieser Technik erreiche Kargul auf meisterhafte Weise das, was man auf den ersten Blick als zartes Aquarell betrachten würde.

Gastgeberin Li Portenlänger dankte der schottischen Gastkünstlerin für ihre intensive Arbeit in der Werkstatt und ihr Engagement für die Lithographie in Edinburgh, wo sie angehende Künstler unterrichtet und über ihre Erfahrungen in Deutschland berichten wird. Auch Kargul fand abschließend viele lobende Worte über die Eichstätter Gastfreundschaft: "Ich konnte mich an diesem Ort der Harmonie und Freundlichkeit enorm weiterentwickeln und dafür danke ich allen."

 

Die Ausstellung "Jahresdruck 2017" ist noch bis 24. Dezember von Mittwoch bis Freitag jeweils zwischen 16 und 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr in der Lithographiewerkstatt, Pfahlstraße 25, zu sehen.

Von Dagmar Kusche
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