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"Erhalt der Jurahäuser" im Altmühltal gehört nun zum Immateriellen Kulturerbe Bayerns

Der Lohn für einen langen Kampf

Eichstätt
erstellt am 14.03.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 18.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (EK) Der Erhalt der Jurahäuser mit deren einzigartigem Baustil und der Handwerkskunst, die über Jahrhunderte im Altmühltal gepflegt wurde und wird, gehört jetzt zum Immateriellen Kulturerbe in Bayern. Jurahausverein-Vorstandsmitglied Stefan Pfättisch bezeichnete das "als große Auszeichnung".
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Eichstätt: Der Lohn für einen langen Kampf
Jurahäuser prägen viele Orte, wie oben in Haunstetten oder links im Eichstätter Buchtal. Die Legschiefereindeckung verleiht den Häusern ihr Charakteristikum. Jetzt gehört der "Erhalt der Jurahäuser" zum immateriellen Kulturerbe Bayerns - und ist für die Nationale Liste nominiert. - Fotos: Riedl (Archiv)/Chloupek/Schneider
Eichstätt

Der Eintrag in diese Liste auf Landesebene ist wohl nicht mit einem "Oscar" oder dem Status des "Weltkulturerbes" gleichzusetzen. Aber er ist, das bestätigten gestern Kreisheimatpfleger und Jurahausverein unisono, ein "wichtiger Schritt", um das Bewusstsein für die Jurahäuser in unserer Gegend neu zu justieren und zu schärfen. Zwar gebe es, wie Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder sagte, keine zusammenhängenden Hauslandschaften mehr, wie das noch in den 1950er-Jahren vielerorts - beispielsweise in Mörnsheim oder Dollnstein - der Fall gewesen sei. Die Praxis habe hier den Wunsch nach dem Erhalt dieses Baustils, der wohl seit dem 12. Jahrhundert zwischen Weißenburg und Regensburg intensiv gepflegt wurde, überholt: "Die Häuser waren abgewohnt", sagte Rieder. "Das, was die Moderne angeboten hat, mit günstigen Mitteln etwas Neues zu bauen", habe man angenommen. Und dennoch sind die Häuser nach wie vor existent, teilweise aber auch dem Verfall preisgegeben.

Dass das anders wird, dagegen kämpft der Jurahausverein seit mittlerweile fast 35 Jahren. Der Kampf um diesen Erhalt ist nun auch Gegenstand des Eintrags in das Landesverzeichnis, nämlich im Register "Guter Praxisbeispiele". Wie Stefan Pfättisch, der Zweite Vorsitzende des Jurahausvereins gestern gegenüber unserer Zeitung sagte, hoffe man, dass sich durch den Eintrag in die Landesliste die "Wertigkeit dieses Alleinstellungsmerkmals hebt". Jurahäuser bezeichnete der Generalkonservator des Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, gegenüber unserer Zeitung gestern als "ganz besonderes, ein einmaliges architektonisches Geschichtszeugnis". Der Denkmalpflege in Bayern sei der Erhalt "dieser gefährdeten Hauslandschaft ein großes Anliegen". Man setze sich seit Jahrzehnten intensiv für die Jurahäuser ein, sowohl fachlich als auch finanziell, etwa im Rahmen von Förderprogrammen. "Mit der Aufnahme in das Register wird der Thematik dringend notwendige Aufmerksamkeit zuteil", sagte Pfeil.

Die Jurahäuser standen gerade zwischen den 1950er- und 1990er-Jahren eher für ein armes, ja kärgliches Leben. Die Abrissbirne setzte nicht selten herausragenden, kleinen, in mühevoller Arbeit errichteten Häusern ein Ende. Der Jurahausverein mit seinen mittlerweile über 800 Mitgliedern hat dieser Entwicklung massiv den Kampf angesagt.

Die Aufnahme in die Landesliste des Kulturerbes könnte nun helfen, so sagte Pfättisch, das Unterfangen "nicht nur als Spinnerei" abzutun; vielmehr könnte eine "andere Wahrnehmung" entstehen, in der Bevölkerung wie auch in der Politik. Deren Hilfe brauche es nämlich, um etwa die Liste der Jurahäuser in der Region weiterschreiben zu können - und vielleicht das ein oder andere mehr in die offizielle Denkmalliste aufgenommen zu bekommen. Dann würde ein Abbruch nämlich nicht so einfach gehen. Zudem helfe das oft, Menschen von diesem "Kulturgut" zu überzeugen. Und weil die dazu notwendige Handwerkskunst im Verbreitungsgebiet der Jurahäuser - immerhin von Weißenburg bis Regensburg, von Roth bis Neuburg - immer noch gepflegt wird, könnten diese Häuser auch erhalten werden. Pfättisch ist sicher, dass sich "in manch alten Gebäuden" bei einem genaueren Blick hinter die Fassade nämlich noch das ein oder andere Jurahaus verbergen könnte.

Eichstätts Stimmkreisabgeordnete Tanja Schorer-Dremel (CSU), die dem Jurahausverein am Dienstag die frohe Kunde nach der Ministerratssitzung überbrachte, zeigte sich ebenfalls erfreut über die Eintragung: "Mein Dank und Glückwunsch gilt all denjenigen, die mit viel Engagement und Enthusiasmus zum Erhalt der Jurahäuser im Altmühltal beitragen und auf diese Art und Weise eine traditionelle Handwerkskunst am Leben erhalten."

Vier Jahre lang, von 2011 bis 2015, hat auch ein Leader-Kooperationsprojekt die Jurahäuser mit ihren markanten flachgeneigten Legschieferdächern und den großteils aus Bruchsteinen errichteten Mauern in den Blick genommen, die Gebäude wurden katalogisiert. Die damalige Projektleiterin Christine Orth sagte einmal über den Haustypus und die damit verbundene Handwerkskunst: "Wer sich mit diesen Häusern beschäftigt, der kann gar nicht anders, als begeistert zu sein." Das bestätigt auch Karl Heinz Rieder, verbunden mit einem Versuch der Erklärung, warum man sich mit dem Erhalt dieser Häuser vielleicht so schwer tut. "Das Jurahaus hängt doch sehr von einem Individuum ab", sagte er. "Wenn jemand in einem solchen Haus wohnt, weiß er die historische Dimension zu würdigen."

Der Eintrag in die Kulturerbeliste Bayern und die gleichzeitige Nominierung für den Eintrag in die gleichnamige nationale Liste ist für Kreisheimatpfleger Rieder nicht der letzte Schritt. Vielmehr gelte es jetzt, beispielsweise durch Veröffentlichungen der bereits umfassenden Dokumentationen "über den Werdegang, wie kommt's, wo kommt's her", die Restbestände zu erhalten "und mit Freude zu nutzen". Für den Geschäftsführer des Naturparks Altmühltal, Christoph Würflein, ist mit dieser Würdigung auch ein kleiner Ansporn verbunden, diese traditionelle Baukultur der Jurahäuser in der Gegenwart fortzuführen. "Zaghafte Versuche gibt es", aber da sei noch viel Luft nach oben.

Von Marco Schneider
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