Donnerstag, 17. Januar 2019
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Sepp Müller bot auf der "Gutmann"-Bühne soliden Start für Eichstätter Kabarett-Tage

Domina als Deandl in den Leder-Dessous

Eichstätt
erstellt am 11.01.2019 um 17:29 Uhr
aktualisiert am 16.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eichstätt (wbu) "Wo i herkimm, do heiß'n alle Sepp.
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?Oberbayer trifft?!?: Sepp Müller sang und erzählte über Begegnungen mit Menschen, die ihm alle schon über den Weg gelaufen sind.
"Oberbayer trifft?!": Sepp Müller sang und erzählte über Begegnungen mit Menschen, die ihm alle schon über den Weg gelaufen sind.
Buckl
Eichstätt
Bis auf den Schorsch: Der heißt Girgl": Es ist ein leicht verquerer Auftakt, mit dem sich Sepp Müller in den ersten Minuten seines Auftritts vorstellt, und die rund 60 Besucher reagieren zunächst verhalten darauf. Bald aber schmilzt das Eis, und der Künstler kommt in Kontakt mit seinem Kabarett-Publikum. Müllers Solo-Programm "Oberbayer trifft? ! " bot auf der "Gutmann"-Bühne einen soliden Start für die 18. Eichstätter Kabarett-Tage, die bis in den April hinein Newcomer wie auch Dauerbrenner nach Eichstätt bringen werden.
Seltsam: Obschon Müller bereits mit Kabarett-Größen wie Wolfgang Krebs, Martina Schwarzmann und Claus von Wagner aufgetreten ist, kennt man ihn als Solo-Künstler kaum. Dabei hat er durchaus das Zeug dazu, einen unterhaltsamen Abend zu bestreiten, auch wenn es zwischendurch immer wieder stillere Phasen gibt, in denen es an Krachern und Pointen fehlt.

In "Oberbayer trifft? ! " geht es um Begegnungen mit Menschen, die ihm alle schon über den Weg gelaufen sind, wenn er sich aus seinem heimatlichen Winkel ("I bin als Oberbayer relativ weit hinten dahoam": da, wo es so aussehe wie im Auenland der Hobbits) herauswagt, ein Rahmen für vielerlei Gags, Gedichte und Geschichten - und für Lieder, wenn Müller die Tasten der "Quetschn" bedient oder sich fingerflink an der Flöte begleitet. Seine Heimat sei ein Ort, wo "in der Wahlkabine das Schnürl vom Stift bloß bis in die erste Zeile g'langt", doch jüngst würden dort auch Freie Wähler gewählt - "also die CSUler, die sich den Mitgliedsbeitrag nicht mehr leisten konnten! "
Müller entwirft manche skurrile Situation - etwa vom Stadtbesuch des Gebirgsschützen, der Häuser mit roten Laternen an der Tür für Aufzuchtstationen von Ferkeln hält, dann aber bei der Domina landet, dazu ertönt das Lied vom "Deandl in den Leder-Dessous". Auch erinnert sich Müllers Bühnen-Ich an seine Aufnahme bei den Gebirgsschützen - "am nächsten Tag hab ich dann den Wehrdienst verweigert". Es geht um den Handwerker, der eine Krankschreibung bis Mittwoch möchte, aber vom Arzt sogar eine solche bis Freitag bekommen kann, wenn er dem Arzt dafür am Samstag das Bad schwarz fliest?
Wen Müller aber vor allem hier trifft, sind die Mitglieder der Familie. So beschließt der vierköpfige Familienrat, zwei Töchter gehören dazu, "mit drei zu eins", sich eine Ratte als Haustier zuzulegen - worauf der Vater ein Minderheiten-Votum abgibt und sich als zweites Haustier einen Kater anschafft. Müller bekennt sich selbstbewusst als Hauptschulabsolvent und späterer Vater, der im Elternbeirat den Übertritt aus der vierten Klasse mit erleidet ("Wir brauchten noch keinen Rechtsanwalt für den Übertritt! "). Latein-Nachhilfe könne er der Tochter leicht geben: Er habe sich ja einst "bis zum Oberministranten durchgerosenkranzt".

Nun merkt Müllers Bühnen-Ich, dass "nicht alle früheren Ratschläge der eigenen Eltern blöd waren". Heute bedürfe die Erziehung modernerer Pädagogik: So finde er nur Gehör, wenn er vor der Tochter rappt: "Lass doch im Bad - nicht immer - das Wasser - laufen - die da drunt' in Afrika - die haben nichts - zu saufen?"
Auch die Ehefrau bleibt nicht vor Spott verschont: "Ich hab eine Oberpfälzerin geheiratet. Es war Liebe auf den ersten Blick, logisch, Liebe auf den ersten Satz wär da nicht möglich gewesen - ich hab die gar nicht verstanden! " Ausnahmsweise ist mal nicht der Franke die Witzfigur, sondern der Oberpfälzer, in dessen Region es "ein Mindestbelegungs-Gewicht für Wurstbrote" gibt, wo Antworten guttural und einsilbig ausfallen ("Wou, dou, Bou, Rouh?") und der Dalai Lama noch was lernen könnte - über Meditation und Ruhe?

Subtil klingt auch Sozialkritik an: "Jetzt waren ja wieder die Sternsinger unterwegs: Habt's ihr die bei euch zuhause reing'lassen? Auch den Schwarzen? " In den späteren Nummern wird das Publikum einbezogen, etwa beim "oberbayerischen Essens-Mantra" oder im Lied über die Vasektomie. Ein munterer Auftakt zu den 18. Eichstätter Kabarett-Tagen.
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